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17. Mai 2016 | Autor: Jennifer Gregorian

Die Walküre, der Hänfling und der Vergewaltiger

Die Welt da draußen ist ein gefährliches Pflaster für Frauen

Realsatire

schatten © bluedesign - Fotolia.com
schatten © bluedesign - Fotolia.com

Der Hänfling macht sich auf den Weg durch dunkle, zwielichtige Gassen, um die ihm angetraute Walküre vom Bahnhof abzuholen. Nicht dass der fast zwei Meter großen, 100 Kilo schweren Maid noch was passiert. Trotz Sehnenscheidenentzündung wird der gebrechliche, kleine Mann ihre Koffer tragen. Und die sind schwer! Für jeden Tag der Woche, in der sie weg war, hat sie mindestens drei Outfits und dazu mehr oder weniger passende Schuhe eingepackt. Außerdem mussten noch Schminkkoffer, Cremes, Haartrockner, Glätteisen, Bügeleisen und sonstige „lebenswichtige“ Dinge mit. Sie könnte die Koffer auch selbst tragen, versucht es aber nicht einmal. Stattdessen wartet sie wie angewurzelt auf ihren Gatten und Beschützer.

Für sie ist es selbstverständlich, sich abholen zu lassen. Das würde sie auch ohne schweren Koffer so handhaben. Sie ist ja schließlich eine Frau und könnte vergewaltigt werden. Und tatsächlich, der Hänfling stellt für den Vergewaltiger eine Barriere dar. Er ist in etwa so etwas wie ein 30-Zentimeter-Zaun um ein Grundstück. Also eine visuelle Barriere, die man leicht übertreten könnte, es aber doch nicht tut. Ohne das Zäunchen würde man nicht einmal merken, dass man sich auf einem fremden Grundstück befindet. Ebenso wenig, wie man merken würde, dass die Walküre bereits einen Besitzer hat. Und wer weiß, vielleicht hat der kleine Kerl mal Karate oder Ju-Jutsu gemacht?! Also besser eine Besitzlose auswählen – denkt sich da der Vergewaltiger.


Selbst zwei Walküren wären für ihn nicht so ein Hindernis wie eine mit einem männlichen Begleiter, und sei der noch so schmächtig. Der Vergewaltiger hat Recht: Bei den zwei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich niedriger, dass sie sich verteidigen. Selbst wenn sie ihm körperlich überlegen wären und dazu zu zweit, würden sie es nicht einmal wagen, sich zu wehren. Die meisten haben es nie gelernt. Man hat ihnen dazu eingetrichtert, dass sie es nicht könnten – denn sie sind eben nur Frauen. Und als Frau hat man sich nicht verteidigen zu können. Als Frau  braucht man einen Beschützer/Besitzer. Also wären die beiden Ladys völlig überfordert mit der Situation und stünden unter Schock. Von dem Hänfling hingegen erwartet die Gesellschaft, dass er die ihm Untergeordnete, bzw. Anvertraute verteidigt. Und das wird er mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit zumindest versuchen. Nicht etwa, weil er die Walküre mag oder gar liebt, nein, er hat sie schon satt. Er tut es, um sein Gesicht zu wahren. Jedenfalls entstünde dadurch für den Vergewaltiger eine unschöne Situation, es sei denn, er mag die Herausforderung. Zum Beispiel  könnte die Dame die Polizei rufen, während der Hänfling seinen Besitz verteidigt. Telefonieren können nämlich auch Frauen – immerhin.

Fazit: Für Frauen ist die Welt da draußen ein gefährliches Pflaster. Allerdings nur, weil wir im Patriarchat leben und weil ihnen Unfähigkeit und Schwäche antrainiert wird. Und letztendlich, weil Aggressoren wissen, dass dem so ist. Alles Variablen, die man ändern könnte.