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26. März 2015 | Autor: JG

Vegane Boxerin

Professioneller Boxsport mit rein pflanzlicher Ernährung

Manneskraft und Steaks sind übliche Assoziationen zum Boxen. Fast niemand denkt da an eine grazile junge Frau, die sich ausschließlich der pflanzlichen Kost verschrieben hat. Melanie „die Wölfin“ Fraunschiel, räumt mit den gängigen Vorurteilen auf.

Vegane Boxerin, Melanie Fraunschiel // Photo: Martin Nitsch
Vegane Boxerin, Melanie Fraunschiel // Photo: Martin Nitsch

Melanie „die Wölfin“ Fraunschiel aus Wien, Gewichtskasse 60 und 64 Kilo, ist 2-fache Staatsmeisterin im Boxen. Mit dem Boxsport hat sie 2010, während ihrer Zeit beim Bundesheer, begonnen. Dort traf sie auf ihren Boxtrainer Gerald Pelikan und wechselte nach 10 Jahre Kyokushinkai-Karate den Kampfsport. Fraunschiel war schon immer eine Kämpferin! Inzwischen belegt sie den 5. Platz bei der EU-Meisterschaft. Letzte Errungenschaft: der Sieg gegen Ivett Habda in Ungarn am 28. Februar 2015.
Nicht weniger erfolgreich ist Fraunschiel in ihrer beruflichen Kariere: Im Anschluss an die Studien medizinische Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen arbeitet sie nun bereits seit vier Jahren als Qualitätsmanagerin am Institut für medizinische Informations- und Auswertesysteme an der Medizinischen Universität Wien. Beruf und Leistungssport lassen sich nur mit einem durchstrukturierten Tagesplan und viel Disziplin kombinieren.
Als wäre das alles nicht schon besonders genug, ernährt sich die Sportlerin vegan. Das heißt kein Fleisch, kein Milcheiweiß, kein Ei, überhaupt kein tierisches Protein. Viele würden jetzt aufschreien: „Das geht doch gar nicht!“ Fraunschiel ist aber der lebende Beweis dafür, dass es geht. Und es geht sogar besser: Die Leistungssportlerin berichtet dazu von gesundheitlichen Verbesserungen und einer schnelleren Regeneration. 

SPIN: Was fasziniert Dich am Boxsport?

MF: Kampfsport, im speziellen der Boxsport, vereint so viele Fähigkeiten und Fertigkeiten wie kein anderer Sport. Im Ring wird Ausdauer, Koordination, Schnelligkeit und Schnellkraft abverlangt. Das Training dafür umfasst somit Laufeinheiten, Krafteinheiten und Boxeinheiten. Ich mache gerne eine Sache ganz oder gar nicht, aber dabei ist mir trotzdem die Abwechslung sehr wichtig. Jede Sekunde im Kampf ist unterschiedlich, man muss in Bruchteilen einer Sekunde reagieren bzw. agieren.

SPIN: Welches waren Deine Highlights?

MF: Meine Highlights waren meine Teilnahme an der EU Meisterschaft 2011, nachdem ich erst ein dreiviertel Jahr geboxt habe. Allerdings bin ich nach 10 Jahren Kyokushinkai-Karate zum Boxen übergewechselt. Das heißt, ich betreibe seit meinem 14. Lebensjahr Kampfsport. Dennoch war der Umstieg zum Boxen nicht leicht und ist nach wie vor eine Herausforderung. Ferner war es für mich eine Ehre, im letzen Jahr für das norditalienische Team der Walküren in der Italienischen Bundesliga zu boxen. Außerdem kann ich auf 2 Staatsmeistertitel (60kg und 64kg) stolz sein.

SPIN: Wie viele Kämpfe hast Du pro Jahr?

MF: Ungefähr 10.

SPIN: Wie bereitest Du Dich auf einen Kampf vor?

MF: Es gibt Box-Highlights in einem Wettkampfjahr und diese definieren die Leistungshöhepunkte. Da ich als Boxerin im olympischen Boxen im Jahr sehr viele Wettkämpfe habe, sollte meine Leistungsfähigkeit nicht absinken. Jeder Boxkampf, sei es auch nur ein Wettkampf vor einem wichtigen Turnier, bleibt ein Boxkampf, wo es um meine Gesundheit geht. Je näher der Wettkampf, desto box-spezifischer die Trainingseinheiten. Das heißt, in der Woche vor dem Wettkampf laufe ich keine 600 Meter Intervalle mehr, sondern mache vermehrt Wettkampfsparrings.

SPIN: Bist Du aufgeregt, wenn Du in den Ring steigst?

MF: Früher war ich sehr aufgeregt. Mittlerweile habe ich 41 Kämpfe und die Routine nimmt mir die Nervosität.

SPIN: Weshalb ernährst Du Dich vegan, sind es eher moralische oder gesundheitliche Gründe?

MF: Begonnen hat es mit meiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit! Ich vertrage kein tierisches Eiweiß. Durch den Boxsport musste ich mich mit der Ernährung auseinandersetzen, um abzunehmen und leistungsfähig zu sein. In den vier Jahren habe ich schon alles Mögliche ernährungstechnisch durchgemacht, allerdings hatte ich immer Hautprobleme und die Gesundheit hat unter der hohen Belastung gelitten. Der moralische Aspekt wurde für mich in der letzten Zeit immer wichtiger. Ich habe mich vermehrt damit auseinandergesetzt, wie Tiere produziert, gehalten und getötet werden. Davon möchte ich kein Teil mehr sein!

SPIN: Hast Du Veränderungen bemerkt, seit Du keine tierischen Lebensmittel mehr zu Dir nimmst?

MF: Seit ich keine tierischen Produkte mehr zu mir nehme regeneriere ich viel schneller, habe keine Hautprobleme mehr und bin sehr selten krank.

SPIN: Wie sieht Deine tägliche Ernährung aus?

MF: Ich habe meinen Arbeits- und Trainingsalltag hier abgebildet: www.feinstoff.net/superfoods-im-boxalltag/
Frühstück: ein green Smoothie und Chia-Samen Pudding. Dazu eine Scheibe selbstgebackenes Brot mit Avocado und Gemüse oder Müsli aus overnight-oats und Obst.
Mittags: Ein Hülsenfrüchte- Pseudogetreideeintopf mit Salat
Vor dem Training: wenn ich Hunger habe z.B. 5 Datteln
Abends: Da ich mein Gewicht halten muss, esse ich nach dem Training meistens nichts mehr. Abends mixe ich mir des Öfteren einen cremigen Powerkakao, bestehend aus Feinstoff-Rohkakaopulver, Hanfprotein, Macapulver und Lucumapulver, Joya-Reismilch und einer Dattel.

Sliderbild Melanie Fraunschiel vs Silvia Bortot, Länderkampf Österreich gegen Italien 2011 in Innsbruck / ÖBV Österreichischer Boxverband
Sliderbild Melanie Fraunschiel / Martin Nitsch
Sliderbild Melanie Fraunschiel / Martin Nitsch
Sliderbild Melanie Fraunschiel / Martin Nitsch
Sliderbild Melanie Fraunschiel / Claudia Lecnik
Sliderbild Boxtraining Jab-Club / Kamran Teymournia
Sliderbild Melanie Fraunschiel vs Sarah Corazza, Dolomitencup 2013 in Lienz (Osttirol)
Sliderbild Sieg: Melanie Fraunschiel gegen Ivett Habda in Köszeg, Ungarn
Sliderbild Melanie Fraunschiel mit einem Husky im Schlosspark Laxenburg / Martin Nitsch
Sliderbild Melanie Fraunschiel mit Schlittenhund Baki in Oberzeiring. / Alexander Brezina
Sliderbild Mit Kaspar, dem Leitwolf des „schwarzen Rudels“ im Wolf Science Center in Ernstbrunn. Wölfe sind eine Leidenschaft von Fraunschiel! / Rene Langer
Sliderbild Melanie Fraunschiel inmitten des Husky-Rudels von Husky-Haberl im Jänner 2015. / Alexander Brezina
Sliderbild Melanie Fraunschiel inmitten des Husky-Rudels von Husky-Haberl. / Alexander Brezina

SPIN: Wie geht Dein Umfeld mit Deiner veganen Lebensweise um?

MF: Unterschiedlich. Einige finden es abnormal nicht die vorgefertigten Lebensmittel aus dem Supermarkt zu kaufen, andere sind sehr interessiert und würden auch gerne umstellen, wissen aber nicht so recht wie.

SPIN: Gibt es in Deinem sportlichen Umfeld noch mehr Leute, die sich vegan oder vegetarisch ernähren? Was hat Dein Trainer dazu gesagt?

MF: Einer meiner Boxkollegen hat mich letztes Jahr auf das Buch von Brendan Brazier gebracht, aber ansonsten habe ich in meinem Boxclub noch keine Veganer. Viele sind verwundert und fragen mich, wie ich mit pflanzlicher Ernährung meinen Proteinbedarf decke, da leider noch immer der Gedanke vertreten ist, dass Sportlerernährung vorwiegend aus tierischen Produkten besteht. Meine Trainer haben festgestellt, dass meine Haut viel schöner ist, und ich das Gewicht leichter halten kann.  

SPIN: Die eine Sache ist die Ernährung, dass andere sind die Accessoires: Boxhandschuhe, Pratzen, Sandsäcke etc. sind z. B. oft aus Leder …

MF: Da hast du Recht, vor allem die älteren Modelle, aber auch bei neueren Modellen wird teilweise noch Rindsleder verwendet. Einige sind aber auch schon aus Kunstleder.

SPIN: Willst Du die vegane Lebensweise durch Deine Bekanntheit publik machen und mit Vorurteilen aufräumen? Was ist Deine Message?

MF: Ich will als Sportlerin zeigen, dass ich WEGEN und nicht TROTZ der veganen Ernährungsweise diese Leistung bringen kann. Ich bin ein gutes Testimonial, um zu zeigen, was dank der rein pflanzlichen Ernährung möglich ist: Neben einem 40 Stunden Job halte ich auch noch 9 Trainingseinheiten durch!

SPIN: Wie sieht die sportliche Zukunft aus: Wann gibt es wieder einen Kampf, was sind Deine Pläne?

MF: Ich starte am Boxam-Turnier in Marcia (Spanien), ein internationales Turnier vom 4. bis zum 10.Mai und davor werde ich zur Vorbereitung  noch mindestens zwei Boxkämpfe bestreiten. Einen in Innsbruck am 28. März 2015 gegen die Bayrische Meisterin und am 18. April 2015 bei einem Boxevent in meinem Boxclub, dem JAB-CLUB in Wien.
Mein Ziel wäre es allerdings wieder an einer Europa- bzw. Weltmeisterschaft teilzunehmen und eine Medaille für Österreich zu holen.

SPIN: Vielen Dank für das Interview. Wir wünschen dir ganz viel Erfolg und dass Du noch viele Medaillen für Österreich und in erster Line für Dich holst! Und natürlich, dass Du die vegane Lebensweise weiterhin von Vorurteilen befreist und in den Mainstream sowie in den Leistungssport integrierst.

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