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25. November 2016 | Autor: Alice

Kampfsport / Selbstverteidigung - lasche Unterrichtung von Frauen kann lebensgefährlich sein, auch für Dritte

25.11.2016 – Food & Training Diary von vegan Kampfsport und FitnessFreak, Alice 

Frau in Gefahr / Photographee.eu – Fotolia.com
Frau in Gefahr / Photographee.eu – Fotolia.com

Hi Mädels,

wieder ein Beitrag für euch. Irgendwie liegen mir die Themen, die speziell uns Frauen betreffen, am Herzen, da ich oft Unstimmigkeiten feststelle, wenn nicht sogar Ungerechtigkeiten. Hier ist wieder so ein Beispiel: Kennt ihr das? Ihr seid groß und kräftig und habt schon jede Menge Erfahrung. Die Trainer ordnen euch aber immer kleinen zierlichen Frauen, Anfängern oder Kindern zu. Bei Würfen werdet ihr grundsätzlich Leuten zugeordnet, die leichter sind und euch gar nicht werfen können. Oder es heißt: "Wir machen 50 Liegestütze. Frauen auf den Knien.", "Wir laufen zwei Runden Huckepack. Die Ladys ruhen sich in der Zeit aus.", "Wir machen Sparring, Frauen müssen nicht mitmachen." usw.

Nun bin ich eher klein und kräftig - ich kann z. B. locker einen 90 Kilo schweren Mann hochnehmen. Auch wenn er über 100 wiegt, ist das kein sonderliches Problem - und ich bin schon lange dabei. Dennoch passieren mir solche Sachen ständig. Wenn z.B. ein Anfänger, eine zierliche Frau oder ein Kind in der Gruppe sind, werden mein Trainingspartner und ich getrennt und die betreffende Person wird mir zugewiesen. Dass heißt nicht, dass ich nie mit den genannten Personen üben möchte, im Gegenteil. Ich will das nur nicht immer tun. Als Trainingsgruppe sollten alle die Verantwortung tragen, dass Anfänger und "Schwächere" (das habe ich jetzt in Anführungsstriche gesetzt, da Schwäche nicht nur körperlich besteht und da die Betreffenden auch nicht in dem physisch schwächlichen Zustand verbleiben müssen) gefördert werden. Dafür bin ich nicht allein zuständig. Ich werde schließlich nicht dafür bezahlt. Außerdem bin ich weder Mutter Theresa noch habe ich ein Helfersyndrom. Diese Zuordnung ist einfach unfair.

 

Schlechtes Training - Gefahr für Leib und Leben

 

 

Es ist nervig, wenn man nicht richtig trainieren kann, was bei Frauen meiner Erfahrung nach, sehr oft oder sogar meistens, der Fall ist. Aber gefährlich? Klar, ich behaupte sogar, dass es lebensgefährlich ist. Wenn ein Mann eine Frau angreift, will er in der Regel nicht Kräfte messen oder angeben. Damit sammelt er nämlich keine Punkte, da Frauen generell als schwächer gelten (auch wenn viele von ihnen es nicht sind). Der Kerl sieht die Frau als Opfer und will sie mindestens bestehlen und erniedrigen, meistens jedoch sogar vergewaltigen und ermorden. Im Regelfall sind es keine Kampfsportler, die Frauen überfallen, sondern irgendwelche Luschen. Deshalb machen sie es ja, also weil sie Luschen sind. Es gibt aber auch den über 100 Kilo-Mann, der irgendwann mal Judo oder Karate gemacht hat, bevor er zum Frauenhasser und Triebtäter wurde. Frau soll sich da nicht in falscher Sicherheit wiegen. Allerdings wird eine untrainierten Frau auch der Lusche nichts anhaben können, selbst wenn sie körperlich stärker sein sollte. Schließlich werden wir dazu erzogen, schwach und hilfsbedürftige zu sein. Und falls wir es objektiv doch nicht sein sollten, wird es uns eingeredet. Also wird auch die kräftigere (ich meine hier nicht fette, da das oft Synonym verwendet wird) Dame sich nicht wehren. Sie wird erst gar nicht auf die Idee kommen, sich zu wehren. Zudem wird sie davon ausgehen, dass sie eh keine Chance hätte. Das ist es ja, was uns in der Regel von klein auf eingebläut wird. 

Des Weiteren greifen die feigen Arschlöcher meistens aus dem Hinterhalt an. Oft sind sie bewaffnet oder zu mehreren. In diesen Fällen spricht man von “Gefährlicher Körperverletzung“. 

Die Frau von heute muss also in der Lage sein, sich gegen die Lusche, gegen einen bewaffneten Kerl, gegen einen schwergewichtigen Kampfsportler und gegen mehrere Angreifer zu wehren. Andernfalls kann es ihr das Leben kosten. 

Ferner machen wehrhafte Frauen die Straßen sicherer. Wenn sich das mal rumgesprochen hat, wird kein Hanswurst mehr ohne Weiteres aus dem Hinterhalt angreifen, da er fürchten muss, selbst schwer verletzt oder gar getötet zu werden -  und natürlich verurteilt (falls er noch lebt). 

In letzter Zeit, gerade wegen der Silvesterübergriffe bei uns in Köln, stürmen Frauen zu Selbstverteidigungskursen (SV-Kursen). Sie lassen ein Heidengeld dort. SV kostet in der Regel 50 bis 80 Euro pro Monat. Und dazu investieren sie wichtige Lebenszeit. Meistens erhalten Sie dafür nur Pipifax beigebracht und müssen mit Kindern trainieren. Das ist ein Skandal! So etwas macht mich unglaublich wütend und traurig. 

 

Den Ernstfall nur erahnen

Da ich häufig nicht richtig trainiere, kann ich viele Dinge nur einschätzen. Die Jungs machen natürlich die physische Erfahrung und die setzt auch im Gehirn was frei. So kann ich zum Beispiel nur erahnen, wie es ist im MMA richtig geworfen zu werden. Bislang wurde ich meist kleineren, schwächeren und dünneren Trainingspartnern zugeteilt, die mich nicht werfen konnten. Ich weiß nur aus paar wenigen Momenten aus dem Sparring, dass ich unter Umständen auch einen 90 Kilo-Mann werfen kann. Und aus paar wenigen Übungssituationen weiß ich, wie unangenehm es ist, geworfen zu werden. Da ich das als sehr unangenehm empfinde, müsste ich es besonders intensiv üben, damit es mich nicht mehr tangiert. Aber wo? Mit wem? 

Ein anderes Beispiel aus der SV: Ich muss oft mit Kindern üben, wobei es mir nicht schwer fällt, mich aus ihrem Griff zu befreien. Das würde ich ohnehin, ob ich die Übung richtig ausführe oder nicht. Sie hingegen müssen alles perfekt machen, um sich aus meinem Griff zu befreien und lernen dadurch wie es funktioniert. Ich weiß das hingegen nicht. Wenn mich ein großer kräftiger Kerl festhält, weiß ich nicht, wie und ob ich mich mit der beigebracht Methode befreien kann. Da in so einem Fall keine Zeit für Experimente ist, würde ich nur Techniken anwenden, bei denen ich mir sicher bin, dass sie funktioniere, wie z. B. gegen das Knie treten und dabei aus dem Griff rausdrehen, also den Überraschungsmoment, oder Schmerzmoment nutzen. Folglich ist das, was ich unter solchen Umständen in der SV lerne, sinnlos. 

Wenn ich mich nicht verteidigen kann, ist es für mich ein Problem. In meinem Job habe ich aber auch die Verantwortung für Dritte. Somit ist es auch für die gefährlich, wenn ich ungeschickt bin. 

Gerne würde ich euch jetzt einen Tipp geben, liebe Mädels. Aber hierfür habe ich auch noch keine Lösung gefunden.

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