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21. Mai 2018 | Autor: SpIn / Jennifer Gregorian

Vegan essen in Berlin

Viele Liebhaber der pflanzlichen Kost neiden den Berlinern das vielfältige Angebot. Sepzialinfo war für Sie unterwegs und hat es getestet.

Veganes Gericht mit Tofu im Samadhi / SpIn
Veganes Gericht mit Tofu im Samadhi / SpIn

Das Team von Spezalinfo setzt sich zusammen aus zwei Veganerinnen, drei Vegetariern und einigen Mischklöstern. In unterschiedlichen Zusammensetzungen waren wir in Berlin unterwegs (Zeitraum 2016 – 2017) und haben diverse vegane Lokale getestet. Hier ein paar Eindrücke:

Rowtastik

Gute Qualität zu moderaten Preisen, aber miserabler Service. Das Team von Spezialinfo war mehrmals im Rowtastik zu Gast. Vegane Rohkost beherrschen nur wenige. Meistens bekommt man einen überteuerten Salat. Nicht so bei Rowtastik: „Rohkost ist unsere Leidenschaft“, heißt es auf der Website. Das kann man kulinarisch vor Ort nachvollziehen. In dem kleinen Rohkostrestaurant gibt es Pizza, Canneloni, Lasagne, eine Käseplatte, Torte und alles was das Herz begehrt aus Pflanzen, die nicht über 30 Grad erhitzt wurden. Das ist eine Kunst! Und die darf auch was kosten. Die Preise sind nicht billig. Rowtatstik kommt preislich einem Gourmetrestaurant im niedrigen bis mittleren Sektor gleich. Das entspricht aber nicht dem eher legeren Ambiente und der langsamen, unhöflichen Bedienung. Nicht  nur die Eigentümer, auch die Bediensteten sprechen zum großen Teil kein Deutsch. Was soll's, die Preise kann sich eh nur eine gehobene Mittelschicht leisten und von der erwartet man Englischkenntnisse.
Die Wartezeiten sind zum Teil unzumutbar: Eine Dreiviereilstunde bis ein Shake serviert wird und über eine Stunde bis das Essen fertig ist. Das ist aber nicht immer so: Wenn der Laden voll ist, geht es schneller. Wenn er leer ist, halten die Betreiber die Gäste künstlich so lange hin, bis sich weitere einfinden, damit das Lokal voll erscheint. Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen gewisse Essenszeiten einhalten müssen, eine Katastrophe! Bei uns im Team war ein Diabetiker, dem es durch die unvorhergesehene Wartezeit nicht gerade blendend ging. Wir hatten schon überlegt, den Test abzubrechen, bevor er umkippt, doch dann kamen die Drinks. Wir gingen davon aus, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis das Essen serviert wird. Von wegen, es kann noch verdammt lange dauern ...
Ein andermal suchten wir das Lokal mit unserer Autorin Sophia, ebenfalls Veganerin und Rohköstlerin, auf. Nach einer guten Dreiviertelstunde fiel der verschlafenen (natürlich nur Englisch sprechenden) Bedienung auf, dass das Gericht, welches die Lifestyle-Autorin geordert hatte, gar nicht vorhanden ist. Da wir schon so lange gewartet hatten, entschied Sophia, ein anderes Gericht zu wählen, in der Hoffnung, dass es nun schneller gehen würde. Sie hatte sich getäuscht. Dieses war zwar vorrätig, aber schneller – Fehlanzeige! Nach fast eineinhalb Stunden hatten wir unser Essen, außer Sophia. Egal, es war ja Rohkost und konnte eh nicht kalt werden. Genervt waren wir ohnehin schon, also warteten wir noch die halbe Stunde, bis auch Sophia was auf dem Teller hatte.
Als wir zahlen wollten, wurden wir fast eine Stunde lang ignoriert. Wir standen bereits voll bekleidet fünf Meter außen vor der Tür und die Bedienung machte keine Anstalten, uns zum Zahlen aufzufordern. Wir hätten einfach gehen können. Das konnte Sophia aber nicht mit ihrem Gewissen ausmachen. Dafür hat sich dann Madame Schlaftablette bei der Rechnung auch noch zu unseren Ungunsten verrechnet.
Das Rowtastik ist ein sehr überschaubares Lokal und außer unserem Tisch, waren nur zwei weitere Tische besetzt. Also gab es keinen Grund für die Wartezeiten und das restliche Chaos.  
Schade, den das Essen ist wirklich gut!

 

The Bowl

Das Lokal oberhalb vom veganen Supermarkt „Veganz“ in Friedrichshain hat Mensa-Atmosphäre, die Preise gehen aber in Richtung Gourmet. Tatsächlich sind die Gerichte außergewöhnlich, wie etwa Avocado in Sesam, Bohnenspaghetti und jede Menge frische Kräuter. Wer süß und würzig gerne mischt, kommt dort auf seine Kosten. Vleisch ist allerdings nicht vorhanden. Dafür sind die Portionen groß und die Zutaten gesund.

Pêle-Mêle

Man muss Zeit und Geduld mitbringen für das nette kleine Lokal in Berlin Neukölln. Der Geschäftsführer, ein überzeugter Veganer, schmeißt den Laden alleine und das mit Herzblut. Der junge Mann zaubert nicht bloß einen Salat, sondern eine kulinarische Kreation bei welcher auch die Formen und Farben eine Symbiose ergeben. Allerdings ist das nichts für den gemeinen Vleisch-Esser, wie unsereins. Aber hin und wieder solch einen Salat zu genießen, ist sehr erfrischend. Als Nachtisch haben die Besucher verschiedene Kuchen und Torten zur Auswahl. Preislich muss man schon tiefer in die Tasche greifen, dafür erhält man aber gute Qualität mit einem hohen Rohkostanteil. Nur die Kuchen sind leider mit Industriezucker zubereitet. Bei dem Preisniveau und der Ausrichtung könnte man was anderes erwarten.

Samadhi

Das geräumige vegetarische Thai-Restaurant in zentraler Lage, nicht weit vom Bahnhof, bietet sich für ein Abschied-s oder Empfangsessen an, wenn man in Berlin Besuch empfängt. Die meisten Gerichte der äußerst umfangreichen Speisekarte sind vegan. Es gibt viele Gerichte mit Tofu oder Weizeneiweiß. Nur Pflanzenmilch fehlt. Veganer müssen den Kaffee nach dem Essen woanders zu sich nehmen. Ansonsten konnten wir bei mehreren Besuchen nur Positives vermerken: schneller Service, lecker zubereitetes Essen, ordentliche Portionen und dazu (was bei veganen Offerten eher die Ausnahme ist) günstige Preise.

Daluma

Etwas für Yuppie-Studis mit zu viel Geld. Auf Holztreppen mit einer Schüssel zu sitzen, wirkt bequem und unkompliziert. So ist die gesamte Einrichtung des kleinen Ladens gestaltet. Alles sieht nach niedrigem Budget und lockerer Atmosphäre aus. Das beißt sich aber mit den Preisen. Dort wird einfach ein Salat in eine Schüssel gepackt, das Ganze nennt sich dann "Bowl" und Bowls sind in, also dürfen sie auch was kosten.

Let It Be - Vegan

Fettig sündhaft genießen – aber lecker! In der Crêperie gibt es gebratenen Leberkäse in Brötchen mit Remoulade, Burger, Käsepfannkuchen mit Schinken und verschiedene Torten. Wer kann da widerstehen? Alles im Fastfoodstyle; Gäste sitzen auf Holzbänken und die Wände sind wild beklebt mit Postern und Plakaten. Passt! Was nicht passt, sind die Preise. Sicher kann so ein Burger nicht so billig sein, wie ein Kotelett aus totem Tier, aber irgendwo sollte doch noch eine Verhältnismäßigkeit da sein.

Yellow Sunshine Burger

Einst war der Kreuzberger Bio-Fastfood-Imbiss vegan, jetzt sind über die Hälfte der Angebote vegetarisch. Wenn man Fastfood mag und sich damit arrangieren kann, dass Burger, Schnitzel, Nuggets etc. von Besuch zu Besuch schrumpfen, ist nichts dagegen einzuwenden. Allerdings sind die Tische dreckig und klebrig. Oft liegen die Krümel und Reste von den Vorbesuchern da. Fastfood, mit Selbstbedienung, bei dem Ambiente, sollte nicht die Preise eines Nobelrestaurants haben. Burger kosten ab fünf Euro aufwärts. Wenn man zu zweit essen geht und sich auch noch ein Getränk aus dem Kühlschrank schnappt, kommt man nicht unter 30 Euro raus.Da gelobt sich der Mischköstler doch Mc Donalds oder Burger King - leider!

Sliderbild
Sliderbild Rowtastik / SpIn
Sliderbild Rohkostpizza im Rowtastik / SpIn
Sliderbild Bowl im Daluma / SpIn
Sliderbild Veganes Desssert im Daluma / SpIn
Sliderbild Veganes Gericht bei The Bowl / SpIn
Sliderbild Samadhi / SpIn

 

Yoyo Foodworld und Vego Foodworld

Ähnliches gilt für Yoyo Foodworld aus Friedrichshain und Vego Foodworld aus Prenzlauer Berg, nur dass diese Fastfood-Läden tatsächlich ausschließlich vegan sind. Das heißt die vegane Auswahl ist auch viel größer und besser. Die dreckigen Tische sind aber bei allen drei Veggie-Fastfood-Läden gleich. Will man beim Vego Foodworld draußen sitzen, wird es dazu wackelig und unbequem. Was ebenfalls bei den Dreien gleich ist, sind die übertriebenen Preise. Dazu hat beim Vego der überteuerte Salat oft Geburtstag. Wenn er nur welk und schrumpelig ist, geht es ja noch, aber sobald er leicht alkoholisch schmeckt, wird es grenzwertig. Wenn man ihn gegen einen eintauschen will, der etwas frischer anmutet, wird man schief angesehen. Dazu sollte man bei allen Dreien auf die Salatbeilage auf den Burgerbrötchen achten. Dort landet nämlich oft welkes Gestrüpp, welches selbst in dem Mischsalat nicht mehr untergebracht werden kann.
Insgesamt, Geschmack top, Preise, Hygiene und Service mangelhaft.

Résumé

Die breite Masse schwört auf totes Tier. Tierische Abfälle sind die Nahrungsmittel der Abgehängten. Klar, vegane Wurst, Schnitzel, Burger etc. kann sich nur eine Minderheit leisten. Das sollte sich ganz dringend ändern! Schließlich geht es nicht um eine Yuppie-Attitüde oder einen hippen Lifestyle, sondern um die Zukunft unseres Planeten. Regenwaldrodungen, Klimawandel, Klimaflüchtlinge. Wasserknappheit, Hungersnot, Vertreibungen von Mensch und Tier (vor allem von Orang-Utans), Sklaverei, verseuchtes Grundwasser, Krankenhauskeime, infizierte Badeseen, all das ist auf die Massentierhaltung zurückzuführen. Wenn man all diesen Weltproblemen nur ein paar Kinder reicher Eltern, mit einer Bowl für 15 Euro, entgegenstellen kann, steht es schlecht um die Zukunft des Planten und somit auch um die der Menschheit.