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21. November 2009 | Autor: Jennifer Gregorian

Tierfabriken – ein Dilemma für Mensch, Tier und Umwelt

Hoher Wasserverbrauch, Klimawandel, Waldrodungen, Sklaverei und Hunger für die Massentierhaltung.

Photo: Melkkarussell in einem Landwirtschaftsbetrieb in Großerkmannsdorf. // Urheber: Gunnar Richter, CC BY-SA 3.0
Photo: Melkkarussell in einem Landwirtschaftsbetrieb in Großerkmannsdorf. // Urheber: Gunnar Richter, CC BY-SA 3.0

Durch Tierfabriken ist eine Reihe von Seuchen entstanden. Mittlerweile stellen der immense Wasserverbrauch, die Grundwasserverseuchung und die Luftverpestung durch Mastanlagen zudem ernstzunehmende globale Probleme dar. Warnungen bezüglich der tiefgreifenden Veränderungen der Ökosysteme durch die Massentieranlagen sind längst nichts Neues mehr.

Minderwertige Nahrungsmittel und Seuchen

Die sogenannten ‚Farmen’ bedeuten nicht nur für die inhaftierten Tiere Elend und Leid, sondern den Konsumenten wird mangelhafte Ware untergeschoben. Die Tiere vegetieren unter miserablen Bedingungen (Platzmangel, nicht vorhandene Hygiene etc.) vor sich hin. Erkrankungen bleiben dabei nicht aus. Daher werden die mit Kraftfutter und Hormonpräparaten gemästeten Tiere stets mit Medikamenten zugepumpt. All das schlägt sich natürlich in den Endprodukten nieder, die unter anderem auf dem Teller landen.

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Hoher Wasserverbrauch

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass wir mehr Wasser verbrauchen als zum Trinken, für die Nahrungszubereitung und die Körperpflege. Seit 2008 kann nun auch der indirekte Wasserverbrauch berechnet werden. Mitte der 90er prägte der Brite John Anthony Allan den Begriff „virtuelles Wasser“; 2008 erhielt er den Stockholmer Wasserpreis. Das virtuelle Wasser umfasst den gesamten Wasserverbrauch den einzelne Produkte (Herstellung, Transport etc) erfordern, bis sie schließlich bei den Endverbrauchern landen.
Im gleichen Jahr wurde das Projekt „Water Footprint Network“ (=Wasserfußabdruck) mit dem Ziel einer effizienten, gerechteren Ressourcennutzung ins Leben gerufen. Durch den „Wasserfußabdruck“ ist es nun möglich den direkten sowie den indirekten Wasserverbrauch genau zu berechnen.

15 500 Liter Wasser für ein Kilo Rindfleisch!

Es ist schon seit geraumer Zeit bekannt, dass die Fleischproduktion sehr viel des kostbaren Rohstoffes vereinnahmt. Doch dank des Wasserfußabdruckes kann nun der Verbrauch auch in präzisen Zahlen ausdrückt werden. Allein für ein Kilo Rindfleisch (einschließlich der Futterherstellung und der Pflege) werden 15 500 Liter Wasser benötigt. Die Grundwasserverschmutzung durch die Massentierhaltung, die in Europa 50 % der gesamten Wasserverschmutzung beträgt, ist hier noch nicht mitberechnet. Gemäß einer Studie der UNO von 2006 ist die Viehzucht eine der größten Verursacher von Wasserverschmutzung und Bodenerosionen. Für ‚Nutztiere’, die in einer natürlichen Umgebung gehalten werden, ist der Wasserverbrauch wesentlich niedriger.

Allan riet den Delegierten der Stockholmer Wasserwoche, weniger Fleisch zu essen. Andreas Grohmann, der ehemalige Leiter der Trinkwasserkommission beim Umweltbundesamt, weist darauf hin, dass ein einziges Steak weniger pro Jahr effektiver sei als gesammeltes Regenwasser zu verwenden.

Klimawandel wegen Methan

‚Nutztiere’ sind die größten Methanproduzenten

Methan rangiert gleich an zweiter Stelle, was umweltschädigende Gase anbelangt. Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen etc) erzeugen wegen der Konzeption ihres Verdauungsapparates Unmengen des schädlichen Gases: Eine einzelne Milchkuh produziert 75 Kilogramm pro Jahr. Dies entspricht 1,5 Tonnen Kohlendioxyd. Eine Tonne Methan fördert die globale Klimaerwärmung genauso wie 23 Tonnen Kohlendioxyd. Somit ist die Viehzucht und insbesondere die Rinderzucht die Hauptursache des Klimawandels. „Wenn alle Menschen Vegetarier wären, könnte die globale Erwärmung kontrolliert werden.“, so der britische Physiker Alan Calverd in „A radical appeoach to Kyoto“ (2005).
 

Waldrodung

Für die Bereitstellung von Rinderbraten, Hamburgern, Lederbekleidung, Sportschuhen, Taschen oder Polstermöbeln werden riesige Flächen des Regenwaldes zerstört und dabei zu einem großen Teil sogar illegal gerodet. Mehr als 90 Prozent der Urwaldvernichtung im Amazonasgebiet verstößt gegen brasilianisches Gesetz. 80 Prozent sind dabei der Rinderzucht zuzuschreiben. Züchter holzen den Amazonas ab, um die ganze Welt und besonders multinationale Konzerne, wie Adidas, Nike oder Ikea, mit tierischen Billigwaren zu beliefern.
Asti Roesle von Greenpeace sieht die Rinderzucht in Brasilien als höchst problematisch für die Umwelt an. Innerhalb von nur zehn Jahren ist für die Rinderindustrie eine Waldfläche ausgemerzt worden, die dreimal so groß ist wie die gesamte Schweiz. Des Weiteren hat die Greenpeace-Aktivistin herausgefunden, dass Viehverarbeiter und Exporteure  in illegale Waldrodungen, Landnutzungen und Sklaverei involviert sind.

Nahrungsverschwendung

Die Nahrungskette verlängert sich immens durch die Verfütterung wertvoller Lebensmittel an Tiere. Dabei gehen  wertvolle Kalorien in großem Umfang verloren. Um beispielsweise eine Kalorie aus Hühnerfleisch zu gewinnen, werden ca. fünf pflanzliche Kalorien investiert, beim Schwein sind es ca. sieben und beim Rindfleisch gehen sogar etwa 90% der Energie verloren. Fazit: je mehr Fleisch verzehrt wird, desto mehr Getreide wird benötigt und desto weniger können sich ausgebeutete Menschen dieses Grundnahrungsmittel leisten. 60 Prozent des Getreides für die Fütterung stammen aus armen Ländern. Für eine Bekämpfung des Welthungers ist daher u. a. eine Änderung unserer eigenen Ernährungsweise unumgänglich.

Verantwortungsvoller Konsum

Ein erster Schritt aus dem Dilemma wäre der verantwortungsvolle Konsum. Das bedeutet für die Einzelnen Verbraucher einen Verzicht auf Produkte aus der Massentierhaltung, zumindest insofern der Geldbeutel es gestattet.