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03. Oktober 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober 2017 – oder doch Tag der Deutschen Uneinigkeit?

Das Wetter passt zum Tag der Deutschen Uneinigkeit sowie zum Einzug der Faschisten in den Bundestag: Das trübe Dunkel wird hin und wieder durch einen Sonnenstrahl durchbrochen, der Hoffnung verspricht. Die Menschen bei der Feier am Brandenburger lassen den Schein der Normalität aufkommen; die Hoffnung stirbt schließlich zuletzt.

Deutschland zum Tag der Deutschen Einheit 2017 gespalzten. // Karl-Ludwig Poggemann / CC BY 2.0
Deutschland zum Tag der Deutschen Einheit 2017 gespalzten. // Karl-Ludwig Poggemann / CC BY 2.0

Bunte Luftballons, Bratwurst, Bier und Limo – also Umweltverschmutzung und teures Gift in flüssiger wie in fester Form. Aber das ist ein Teil der Deutschen Kultur, der Idylle. Michael Meier (SPD), unser Berliner Bürgermeister, hat es sich so gewünscht, nach dem Motto: „Jetzt erst Recht“.  Er ermutigte, die demokratisch gesinnten Menschen, an dem Fest zur Deutschen Einheit, am Brandenburger Tor, zahlreich teilzunehmen und so ein Zeichen zu setzen gegen Rassismus und Faschismus, die nun in den Bundestag Einzug gefunden haben. Aber wer hat die Nazis überhaupt in den Bundestag gelassen? Das kann doch keine Demokratie sein! Oder doch? Ist es etwa eine Demokratie, die einfach alles zulässt, auch wenn es noch so undemokratisch ist? Dann sollte ich mal die Partei „Linksfaschisten für die Eliminierung des deutschen Staates“ gründen, kurz LEDS, und zusammen mit der „Partei islamistischer Sprengstoffattentäter“ versuchen, in den Bundestag zu gelangen. Sollte doch wohl gestattet sein, oder etwa nicht?


Am Tag der Deutschen Einheit ist die Bundesrepublik so sehr gespalten wie einst die Weimarer Republik. Die Faschisten haben das Land bereits seit 2015 in zwei Lager getrennt. Aber die Mehrheit der Deutschen sind keine Faschos. Sie haben auch keine Faschos gewählt. Sie hetzen nicht gegen Ausländer, Muslime, Flüchtlinge und Homosexuelle. Sie wollen nicht die freie Medienwelt abschaffen, auf Flüchtlinge schießen und Behinderte in Lager verfrachten lassen. Sie schlendern mit Kinderwagen, Luftballons und Bratwurst über das Fest, als sei alles in bester Ordnung, als sei alles ganz normal. So muss es auch in der Weimarer Republik gewesen sein, bevor die ideologischen Vorgänger der AfD ins Parlament eingezogen sind. Man hoffte auf die Vernunft der Menschen und darauf, dass sich die rechte Truppe nicht in der Regierung halten könnte. Wo diese Hoffnung hingeführt hat, muss man nicht eigens erwähnen. „Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt.“, um den Sachverhalt mit einem Zitat von Nico Semsrott zu beschreiben.