Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie zu, dass wir Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen.

Suche öffnen
12. Januar 2016 | Autor: Jennifer Gregorian

Streng islamistische Männer und ihr Frauenbild

Man muss das spezielle und hoch problematische Frauenbild fundamentalistischer Islamisten analysieren und thematisieren. Kulturrelativismus ist an dieser Stelle fehl am Platz.

Mazar-e-Quaid, das Grabmal des Staatsgründers Ali Jinnah, in Karachi, Pakistan // rheber: Steve Evans / Quelle:  http://www.flickr.com/photos/babasteve/105823970/in/set-781169/ CC BY 2.0
Mazar-e-Quaid, das Grabmal des Staatsgründers Ali Jinnah, in Karachi, Pakistan // rheber: Steve Evans / Quelle: www.flickr.com/photos/babasteve/105823970/in/set-781169/ CC BY 2.0

Pakistan, Iran, Jordanien, Saudi Arabien, Palestina, … in vielen Orten dieser und anderer Länder ist die Minderwertigkeit der Frau eine Selbstverständlichkeit. Diese Norm wird den Kindern bereits mit der Muttermilch initiiert. Frauen in streng islamistischen Kulturen sind rechtlos und schutzlos. Sie sind der Willkür der Männer vollkommen ausgeliefert. Mädchen gehören zu dem Besitz ihrer Väter und Brüder. Später gehen sie in den Besitz ihrer Ehemänner über, die für sie ausgewählt wurden. Sie dürfen sich nicht frei bewegen, müssen stets verhüllt sein und niedere Arbeiten verrichten. Am gesellschaftlichen Leben dürfen sie nur im Rahmen ihrer Familien teilnehmen. Ansonsten spielt sich ihr Leben in der Küche ab. Außerfamiliäre Kontakte und Freundschaften erlauben die Besitzer nur bedingt. Es versteht sich von selbst, dass keine Freundschaften zu anderen Männern gestattet sind. Einen fremden Mann auch nur anzusehen, kann schlimme Folgen für eine Frau haben, unter Umständen kostet sie ein „falscher“ oder auch nur falsch interpretierter Blick ihr Leben. Ihr Leben ist ohnehin ständig in Gefahr. Verweigert sie ihre Zwangsehe, geht sie allein auf die Straße, spricht sie mit einem Fremden, widerspricht sie ihrem Besitzer, … so kann das tödlich für sie ausgehen. Wenn sie Pech hat, sind ihre Besitzer Choleriker, so dass es erst gar keiner „Vergehen“ bedarf, um geschlagen oder gar umgebracht zu werden.


Während Frauen in den westlichen Zivilisationen Menschen zweiter Klasse sind, gehören sie in streng islamistischen Kulturen erst gar nicht zur Menschheit.

Männer aus streng islamistischen Kulturen

Männer erfahren von Kindesbeinen an, dass Frauen nicht zur Menschheit gehören. Selbst von ihren Schwestern trennen sie Welten. Viel mehr als im westlichen Sexismus wird den Frauen dieser Kulturen die Kategorie des „Anderen“ (Simone de Beauvoir: „Das andere Geschlecht“) aufgestülpt. Da sie nicht als gleichwertig angesehen werden, gesteht man ihnen auch nicht die gleichen Wünsche und Bedürfnisse zu, wie etwa den Wunsch nach Freiheit, Enthaltung, Selbstverwirklichung, Unterhaltung … Man geht davon aus, dass Frauen solche Bedürfnisse erst gar nicht haben können, da sie anders sind als die Menschen, alias die Männer. Diese Differenz erzeugt eine enorme Distanz zwischen den Geschlechtern. Und diese erleichtert es den Männern, ihre Frauen zu unterdrücken und zu misshandeln. Viele sind sogar der Ansicht, damit etwas Gutes zu tun. Diejenige, die ahnen, dass solch ein Verhalten ihren Besitz verletzt, dürfen allerdings nicht aus der Reihe tanzen. Schließlich befinden sie sich unter ständiger Überwachung der Sippschaft und der Umgebung.


Diese Normativität haben Männer streng islamistischer Kulturen verinnerlicht und werden sie nicht so leicht aus dem Kopf bekommen. Viele befinden diese Lebensweise zudem als richtig. Immerhin ist es auch die Lebensweise ihrer Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten.
Sicherlich gibt es auch Kollisionen mit der Tradition. Frauen kollidieren mit ihrer Kultur ohnehin durch jede auch noch so geringe Bestrebung, zu leben. Männer haben hingegen ein Sozialleben und wenn ihnen die Anvertraute nicht genehm ist, können sie sich immer noch anderweitig vergnügen. Dennoch können sie mit den Normen ihrer restriktiven Kultur in Konflikt geraten, etwa wenn sie ihre Herzensdame heiraten wollen (die in der Regel nicht die von den Eltern auserwählte ist) oder wenn sie homosexuell sind. Allerdings brechen die wenigsten aus den Strukturen aus. Denn dadurch verlieren sie ihre Familie, die Sicherheit durch die Familie und ihren Halt. Ab dem Bruch sind sie völlig auf sich selbst gestellt, was eine ganz neue und ungewohnte Erfahrung ist. Zudem kann es sein, dass ihre Angehörigen sie verfolgen und ihnen sogar nach dem Leben trachten. Dennoch gibt es sie, diese mutigen Draufgänger. Es gibt auch diejenigen, die sich kritisch von diesen Traditionen distanzieren und ein freies Leben anstreben. Viele jungen Männer finden zudem innerhalb westlicher Zivilisationen Gefallen, an dem freien Leben und den dortigen Werten. Diese Menschen sollte man nicht allein lassen.

Banner 300x250
Banner 300x250


Für Flüchtlinge gegen Menschenrechtsverletzungen

Was die restriktive Sippenwirtschaft mit eigenen Normen angeht, müsste man insbesondere die Frauen, die sich befreien möchten, schützen. Das wurde über Jahrzehnte versäumt. Zudem sollte man Gettoisierung und Parallelgesellschaften vermeiden und die Integration vorantreiben. Auf diese Weise werden die verkrusteten Strukturen langsam bröckeln. Die Berührung mit der westlichen Kultur ist insbesondere für junge Menschen und vor allem für Frauen eine Chance. Daher sollte man sich nicht gegen die Zuwanderung aussprechen, sondern gegen Menschenrechtsverletzungen unter dem Deckmantel der kulturellen Freiheit.