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10. November 2016 | Autor: TERRE DES FEMMES

STOP FRÜHEHEN: TERRE DES FEMMES sieht Regierung auf der Zielgeraden Mindestheiratsalter von 18 Jahren wäre ein Sieg im Kampf gegen Frühehen

Pressemitteilung

Muslimas / Metropolico.org / Quelle: flickr / CC BY-SA 2.0
Muslimas / Metropolico.org / Quelle: flickr / CC BY-SA 2.0

Berlin, 10.11.2016. Die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES begrüßt den Vorstoß der großen Koalition aus Union und SPD, die laut Zeitonline Kinderehen ausnahmslos verbieten möchte. Die Frauenrechtsorganisation wird bei der heutigen Diskussionsveranstaltung „Schule statt Ehe – wie lassen sich Kinderehen verhindern?“ in der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag erneut ihre Standpunkte darlegen. „Eine eindeutige Gesetzeslage hätte Signalwirkung, gerade in Ländern in denen Mädchen auf der Flucht vor Krieg sogar schon mit 15 Jahren verheiratet werden“, erklärt Bundesgeschäftsführerin Christa Stolle. TERRE DES FEMMES fordert seit Jahren ein gesetzliches Mindestheiratsalters ohne Ausnahme von 18 Jahren in Deutschland und zudem im Ausland geschlossene Ehen von Minderjährigen hier nicht anzuerkennen.

Es muss sichergestellt werden, dass bei Registrierung einer minderjährigen Ehefrau sofort das Familiengericht eingeschaltet und das Jugendamt informiert wird. Dieses muss im Einzelfall entscheiden, wo die Jugendliche wohnt. Versichert die minderjährige Ehefrau dem Jugendamt, dass sie mit dem Mann zusammen bleiben möchte und keine Gewalt erfährt, könnte mit dem Jugendamt geklärt werden, wie sie gemeinsam mit dem Mann untergebracht wird. „In jedem Fall muss ein von der Familie unabhängiger Vormund für das Mädchen bestellt und sie muss vom Jugendamt weiterhin eng betreut werden“, fordert Stolle. 

Gleichzeitig betont die Frauenrechtsorganisation, dass eine Nichtanerkennung keine Zwangsscheidung bedeute. Nach dem Gesetz des Herkunftslandes wäre das Mädchen noch verheiratet. Würde das Paar abgeschoben oder freiwillig ins Herkunftsland zurückkehren, hätte die Ehe nach dem Recht des Herkunftslandes weiterhin Bestand. Auch die Kinder wären ehelich. Bliebe das Paar in Deutschland, könnte die junge Frau mit Erreichen der Volljährigkeit selbst ein Anerkennungsverfahren ihrer Ehe vor einem Familiengericht in die Wege leiten.

Mit ihrer Forderung möchte TERRE DES FEMMES Rechtssicherheit schaffen und dem Heiratsmarkt in Flüchtlingslagern in Jordanien, Libanon und der Türkei entgegenwirken. Berichten der SOS-Kinderdörfer zufolge wurden vor dem Krieg rund 13 Prozent der syrischen Mädchen unter 18 Jahren verheiratet, derzeit sind es mehr als 50 Prozent. „Dies ist ein erschreckender Zustand“, erklärt Stolle. Weltweit werden täglich 41.000 Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, obwohl das UN-Kinderrechtskomitee als gesetzliches Mindestheiratsalter 18 Jahre empfiehlt. Auch in Deutschland ist es nach derzeitiger Gesetzeslage mit einer Ausnahmegenehmigung möglich, vor dem 18. Lebensjahr zu heiraten. 

In Deutschland leben über 1.100 minderjährige Ehefrauen, die größtenteils infolge kriegerischer Konflikte mit ihrem Ehemann hierher geflüchtet sind. Nach einer frühen Heirat erleben sie oftmals häusliche und/oder sexualisierte Gewalt. „Es ist uns wichtig, diese Mädchen, zu schützen. Deshalb muss bei Paaren mit einem minderjährigen Ehepartner bereits nach Ankunft sofort das Jugendamt eingeschaltet werden“, betont Stolle. Liegt eine Gewaltsituation vor, müsste das Mädchen in einer spezialisierten Mädcheneinrichtung untergebracht und betreut werden.

Für Anfragen und Interviews wenden Sie sich bitte an TERRE DES FEMMES, Marion Brucker (Pressereferentin), Tel. 030/40504699-25, oder per E-Mail an presse@frauenrechte.de.


TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Frauenrechtsorganisation. Sie unterstützt von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen durch Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit, persönliche Beratung, Förderung von Projekten und internationale Vernetzung. TERRE DES FEMMES klärt auf, wo Mythen und Traditionen Frauen das Leben schwer machen, protestiert, wenn Rechte beschnitten werden und fordert eine lebenswerte Welt für alle Mädchen und Frauen – gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei! Unsere Schwerpunktthemen sind Häusliche und sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmelung sowie Frauenhandel und Prostitution. Der Verein wurde 1981 gegründet und finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse. Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Berlin. Weitere Informationen finden Sie unter www.frauenrechte.de