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10. Juni 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

Skizze einer Durchschnittsehe

Es hat lange gedauert bis die geile Kommilitonin, hinter der alle her waren, einem Date mit ihm zugestimmt hat. Er war überglücklich. Das ist er immer noch, aber nicht mehr mit ihr. Sie hingegen ist nicht glücklich, sie weiß nicht einmal, was Glück bedeutet. Dafür hat sie sich darauf spezialisiert, im Leben stets das geringste Übel zu wählen.

Frustrierte Hausfrau / © nelen.ru - Fotolia.com
Frustrierte Hausfrau / © nelen.ru - Fotolia.com

Nun wollen wir mal sehen, wie sich das Leben der beiden Jungverliebten so entwickelt hat: drei Kinder und ein Eigentumshaus. Er macht Karriere und kommt in der Welt herum. Sie kümmert sich um den Haushalt und den Nachwuchs. Sie hat dafür zu sorgen, dass die Brut vorzeigbar ist. Schließlich bekommt sie dafür Kost und Logis sowie Taschengeld. Sollten die lieben Kleinen außer Kontrolle geraten, kriegt die Zuständige nicht selten was auf die Fresse. Kommt in den besten Familien vor. Wie soll mann sonst für Ordnung sorgen? Sie hält still und versucht immer wieder, alles besser zu machen. Er kann ja jederzeit abhauen, sie nicht. Verlässt er sie, steht sie mit dem Nachwuchs vor dem Nichts: Die Ausbildung ist schon lange her und was Arbeit außerhalb des Hauses angeht, fehlen ihr Erfahrungswerte sowie Referenzen. Klar ist ihr Göttergatte unterhaltspflichtig, aber das lässt sich umgehen, z.B. indem er eine Firma gründet und das Geld dort parkt. Womöglich ist er aber auch noch anderen Frauen und ihren Bälgern gegenüber unterhaltspflichtig. Wie auch immer, ihn tangiert es nicht, wenn sie weg ist und es bereitet ihm auch keine großen Schwierigkeiten, sie zu verlassen. Früher oder später wird es ohnehin darauf hinauslaufen. Die einstige politisch engagierte Topstudentin, mit Auslandsstipendium und einem Pokal im Kunstturnen ist zu einer verfetteten Putzfrau, mit Schwangerschaftsstreifen und Schwielen an den Händen verkommen. Ihr Haar ist ausgedünnt und stumpf. An ihrer verdreckten Schürze klebt Kinderkotze, darunter trägt sie einen Omakittel. Die High-heels mussten für ehemals weiße Tennissocken und Jesuslatschen weichen. Schließlich ist sie unentwegt auf den Beinen. Außer wenn sie sich bei schlechten Talkshows eine kurze Ruhepause gönnt, sich dabei eine Tüte Chips reinpfeift und den Frust mit einer halben Pulle Rotwein runterspült.


Das hatte er sich anders vorgestellt. Oder wie war das mit dem After-Baby-Body? Sie sollte so sexy, geradezu pornolike geil, bleiben auch wenn sie dreimal geboren hat und tagtäglich mit Exkrementen, dreckigem Geschirr und Schmutzwäsche beschäftigt ist. Er hätte nicht gedacht, dass sie dabei kaputt geht und unfickbar wird. Andere kriegen es doch auch hin, die Brut zu versorgen und trotzdem attraktiv zu bleiben. Aber das sind meistens reiche Bräute, bzw. Bräute eines reichen Sackes, der noch eine zweite Putze eingestellt hat, die er allerdings bezahlt (und manchmal auch vögelt).
Außerdem hat die Olle nichts Spannendes zu erzählen. Zwischen randalierenden Bälgern, dreckigen Windeln und frustrierten Hausfrauen, passiert auch nicht wirklich etwas, das einen weit gereisten Lebemann, mit großen Zielen und einem erlesenen Geschmack, tangieren könnte. Also ist er schnell gelangweilt und angepisst von der Ehe. Da muss zwangsläufig 'ne Neue her. Er ist schließlich noch jung und will was erleben. Er kann sein restliches Leben ja nicht mit so einer verwahrlosten, frustrierten Alten verbringen. Folglich geht er auf die Pirsch, um die nächste in ein verwahrlostes Wrack zu verwandeln.
Die noch Aktuelle überlässt er mitsamt der Brut sich selbst. Sie muss weiter kostenfreie Drecksarbeit verrichten und kann erst über Lohnarbeit spekulieren, sobald die Bälger teilweise selbstständig und institutionell fremdbetreut sind. Dann könnte sie einen Halbtagsjob im Niedriglohnsektor annehmen. Das Geld würde ihr von der Stütze abgezogen werden, aber dafür würde sie sich wieder gebraucht und in die Gesellschaft integriert fühlen, oder besser gesagt, sich all das vormachen. Zumindest hat sie durch den Job die Gelegenheit, andere gestrandete Muttis kennen zu lernen und sich ohne minderjährige Nervensägen über selbige mit den neuen Freundinnen auszutauschen. An Karriere ist allerdings nicht mehr zu denken, dafür ist sie schon zu lang raus. Und bis die Kinder aus dem Haus sind, dauert es noch. Bis dahin wird sie zu alt sein.
Dafür findet sie irgendwann wieder einen Kerl. Allerdings keinen so hübschen, gebildeten und kultivierten, wie den ersten, aber besser als nichts. Schließlich ist ihr Marktwert im Keller. Da nimmt Frau eben, was sie kriegen kann. Egal ob bierbäuchiger, arbeitsloser Schläger, gescheiterter Unternehmer mit Spielschulden oder Brieffreund aus dem Knast, der seine Frau vergewaltigt, ermordet und zerstückelt hat.