Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie zu, dass wir Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen.

Suche öffnen
21. Juni 2016 | Autor: Jennifer Gregorian

Sicherheit für Frauen

Die Welt ist ein gefährlicher Ort für Frauen. Selbst in den fortschrittlichen Dienstleistungsstaaten ist es für Frauen gefährlicher als für Männer nachts alleine unterwegs zu sein. Zudem gibt es zig No-go-Areas. Im Folgenden Werden die Ursachen und Lösungswege aufgezeigt.

Viele Gefahren für Frauen / ©Photographee.eu-Fotolia.com
Viele Gefahren für Frauen / ©Photographee.eu-Fotolia.com

Obwohl die Unterschiede zwischen den beiden anerkannten Geschlechtern minimal sind und es auch viele kleine schwächliche Männer gibt, sind Männer weniger gefährdet und können sich weitgehend frei bewegen. Worin ist diese Differenz, was die eigene Sicherheit anbelangt, begründet? Die Antwort ist einfach: im Patriarchat. Diese einseitige Gesellschaftsform hat Mechanismen entwickelt, um Frauen nachhaltig physisch und psychisch zu schwächen. 

Physische Schwächung

Um die körperliche Schwäche zu zementieren hat man Frauen den Zugang zu hochwertigen Lebensmitteln erschwert. In zahlreichen Kulturen bekommen Frauen und Mädchen nur die Reste, nachdem die Männer gegessen haben. In den angeblich gleichberechtigten Staaten schickt sich so etwas nicht mehr. Deshalb hat man dort den Magerwahn, den "Schönheits"wahn und eine größtenteils menschenunwürdige Bekleidungsindustrie extra für Frauen ins Leben gerufen.

Hinderliche und entwürdigende Kleidung für Frauen

Damit wären wir schon beim nächsten Punkt: der physischen Beeinträchtigung durch Kleidung. Ohne dass es dafür eine physische Disposition gäbe, produziert man für Frauen andere Kleidung als für Männer. Die Frauenkleidung macht die Trägerin lächerlich (Schleifen, Rüschen, Spitzen, Blümchen, Schmetterlinge, ...), entblößt und sexualisiert sie (Dekolletee, kurze Röcke, durchsichtige Materialien, Hotpants, ...) oder macht sie unsichtbar (Tschador, Schleier, ...) und schränkt ihre Bewegungsfreiheit ein (enge Kleider, Highheels).

In den Dienstleistungsstaaten weichen die Stereotypen langsam auf, aber die hier skizzierte Tendenz gehört immer noch zum Status Quo.


Unterschiedliche Betätigung für Frauen und Männer

Auch was die Betätigung anbelangt, gibt es Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Von klein auf werden Mädchen in komplizierte Kleidung gesteckt und es wird ihnen verboten sich frei zu bewegen: zu rennen, zu klettern, sich zu prügeln, … Schon früh müssen sie Aufgaben im Haushalt übernehmen, während ihre Brüder sich draußen in Freiheit austoben und sportlich betätigen. Je fortschrittlicher eine Gesellschaft ist, desto weniger werden Mädchen diesbezüglich konditioniert, bzw. von Kindesbeinen an in ihrer Entwicklung verhindert.

In späteren Jahren hält man die Frauen von sämtlichen schweren Arbeiten fern. Eine Ausnahme stellt hierbei die Pflege dar. Dieses Schonen beruht auf keiner psychischen Disposition: In vielen Ländern müssen Frauen nämlich schwer arbeiten, insbesondere wenn sie einer ärmeren Schicht angehören. Beispiele hierfür wären die Reisernte in Vietnam oder Wasserholen in Indien.
Sobald es sich eine Gesellschaft jedoch leisten kann, schont sie ihre Frauen. Nicht etwa aus Respekt (den Frauen werden generell nicht respektiert), sondern damit die Männer nicht die Macht über sie verlieren. Eine kräftige Bauarbeiterin, zum Beispiel, kann man nicht so einfach unterdrücken und züchtigen, es sei denn die psychische Schwächung (siehe den folgenden Absatz) hat bei ihr voll eingeschlagen. Dazu ist eine schwache Frau stets von der Gunst der Männerwelt abhängig. Selbst ihr Ehemann könnte sie jederzeit zerstören, wenn er es denn wollte. Sie existiert nur aufgrund seiner Gnade. Draußen kann sie sich auch nicht frei bewegen, zumindest nicht überall und nicht zu jeder Tageszeit. Auch da ist sie auf ihn angewiesen. Eine dermaßen abhängige Person kann man leicht kontrollieren, manipulieren und ausbeuten.


Psychische Schwächung

Hierfür hat man den Mythos des "schwachen Geschlechts" erfunden. Seit Jahrhunderten redet man den Frauen ein, schwach zu sein. Auf diese Weise kommen sie erst gar nicht auf die Idee, sich zu wehren. Aufgrund der unterschiedlichen Ernährung, Erziehung und Betätigung sowie wegen der hinderlichen Kleidung und den Accessoires bestätigt sich nur zu oft der Mythos. Dazu wird ihnen eingeredet, dass diese Schwäche naturgegeben sei. Der Glaube an diesen Mythos ist inzwischen fester verankert als jede Religion. Somit glaubt so gut wie jede x-beliebige Frau dass sie jedem Mann der Welt unterlegen sei. So hat sich der Aberglaube in der Realität verankert.

Auch was die psychische Komponente anbelangt, bröckelt dieser Mythos langsam in den Dienstleistungsstaaten. Immer mehr Frauen finden Einzug in Männerdomänen, betätigen sich sportlich und gewinnen ein Selbstbewusstsein zurück, dass der halben Menschheit Jahrhunderte lang verwehrt war. Inzwischen erziehen auch immer mehr Familien ihre Kinder nicht entsprechend den traditionellen Rollenklischees. Es ist ein schleichender Prozess, der aber nicht mehr aufzuhalten ist.

Der zur Realität gewordene Mythos der schwachen Frau macht die Welt für Frauen zu einem gefährlichen Ort

Aufgrund der beschriebenen Umstände ist tatsächlich fast jede Frau jedem Mann unterlegen. Und das wissen die Männer. Folglich schützen allein das Gesetz und die Gnade der Männer die Frauen vor Übergriffen. Denn die meisten können sich nicht schützen, zumindest glauben sie das. Je rückständigen eine Gesellschaft ist, desto stärker ist das Patriarchat verankert und desto höher sind die Gefahren für Frauen. Aber auch in den fortschrittlichen Gesellschaften können sich Frauen nicht so frei bewegen, wie Männer. Die Mehrheit nimmt das einfach hin und fügt sich: Die Betreffenden haben sich damit arrangiert, sich beschützen / überwachen zu lassen, das Haus nicht mehr zu verlassen, wenn es draußen dunkel ist und gewisse Orte sowie Tätigkeiten zu meiden. Diejenigen, die sich diesen inoffiziellen Geboten, durch welche Frauen unterdrückt und kontrolliert werden, widersetzen, sind besonders gefährdet, da sie für ihr "Vergehen" den Hass der Machos ernten.


Frauen, die sich wehren, machen die Welt sicherer

Würden sich mehr Frauen wehren, bzw. zur Wehr setzen können, würde es deutlich weniger Gewalt gegen Frauen auf den Straßen geben. Die Angreifer müssten nämlich damit rechnen, dass die Sache für sie übel ausgehen könnte. Das würde sich mit der Zeit herumsprechen, so dass Frauenhasser größere Hemmungen, oder gar Angst hätten, eine Frau zu attackieren. Darüber hinaus würde solch eine Wende zu mehr Respekt gegenüber Frauen führen.

Aktuell haben Angreifer fast nur das Gesetz zu befürchten. Wo sie sich vom Gesetz nicht beobachtet wähnen, greifen sie an. Bei vielen stellt der Anstand noch eine Hemmschwelle dar. Aber desto patriarchaler und rückständiger die Gesellschaft ist, umso niedriger ist der Wert der Frauen und auch der besagte Anstand.

Jede Frau, die sich zu verteidigen lernt sowie alle Eltern, die ihre Mädchen nicht in ihrer Entwicklung hindern, leisten einen Beitrag für eine sicherere Welt.