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18. Januar 2016 | Autor: Jennifer Gregorian

Sexy Frauen – normative Erniedrigung

Während der fundamentalistische Islamist seinen kostbarsten Besitz verhüllt, kann der westliche Sexist nicht genug davon bekommen, seine Objekte der Begierde entblößt und in erniedrigenden Posen zu präsentieren. Man könnte meinen der entscheide Unterschied bestehe in der freiwilligen Handlung der Frau im zweiten Fall. Dem ist aber nicht so. 

Objekt Frau // Kaspars Grinvalds – Fotofolis.com
Objekt Frau // Kaspars Grinvalds – Fotofolis.com

Sie wird nicht eingesperrt, geschlagen, zwangsverheiratet und vergewaltigt. Sie scheint freiwillig bei ihm zu sein und sich auf freien Stücken selbst zu erniedrigen. Doch der Schein trügt.

Von klein auf wird ihr suggeriert, dass das höchste Ziel ein „gute Aussehen“ sei. Damit ist allerdings keine glückliche, positive Ausstrahlung gemeint, sondern die Zurschaustellung für den Mann. Sie muss gefallen, um etwas Wert zu sein, auch wenn dieser scheinbare Wert mit dem Grad ihrer Erniedrigung steigt oder fällt. Um überhaupt wahrgenommen zu werden, kommt sie an der Erniedrigung nicht vorbei. Es ist festgelegt wie sie zu sein hat: dürr, schwach und zerbrechlich. Schließlich soll sie keine Gefahr für ihn darstellen. Dazu darf sie sich nicht so frei und ungezwungen bewegen, wie ein Junge oder ein junger Mann. Sie muss komplizierte Kleidung tragen, die ihre Beweglichkeit noch weiter einschränkt. Auch auf ihre Frisur muss sie achten, am besten ab dem Kindergartenalter. Mit ihrer Erscheinung muss sie sich dem Mann anbiedern und sich ständig was Neues einfallen lassen, um ihn zu beeindrucken. 


Diese Zurschaustellung entwickelt sich zu einem Vollzeitjob und zu einer regelrechten Sucht. Auch die Kosten steigen ins Unermessliche. Da sie in dieser Rolle als schwaches Vorzeigepüppchen schwer allein zurechtkommt, braucht sie einen Beschützer und wegen der Kosten für die Zurschaustellung einen Financier. So beginnt die Suche nach einem starken Mann mit viel Geld. Aufgrund ihrer Objektivierung objektiviert sie auch den Mann. Der auf diese Weise objektivierte Mann hat ihr aber einiges Voraus: Er identifiziert sich nicht durch Erniedrigung und Hilflosigkeit sondern durch Kraft und wirtschaftliches Geschick. 

Zwischen so gepolten Frauen kann zudem keine Freundschaft entstehen, da sie stets Konkurrentinnen sind. Das wiegt die Herren in Sicherheit. Auf diese Weise werden sich ihre Objekte nie ernsthaft gegen sie verbünden. 


Ihr Hang zur Erniedrigung ist umso intensiver, je stärker die Betreffenden von klein auf in diese Richtung konditioniert wurden. Die heftigste Form dieser Konditionierung ist der Missbrauch. Deshalb findet man Missbrauchopfer so häufig in der Prostitution. Was nicht heißen soll, dass Männer nicht solch ein Schicksal haben können. Allerdings leben wir im Patriarchat, so dass in der Regel Frauen zu den Betroffenen gehören. Ferner soll es nicht heißen, dass alle Missbrauchopfer in der Prostitution landen. Fakt ist allerdings, dass die meisten Prostituierten Missbrauch erlebt haben. 

Frauen die sich nicht erniedrigen, sind unsichtbar / Lesben sind im Vorteil

Frauen die nicht im herkömmlichen Sinne sexy sind, sind als Frau unsichtbar. Ihre Leistung wird nicht richtig wahrgenommen und geschätzt, weil sie Frauen sind. Sich über Leistung zu identifizieren, ist für Frauen weitaus schwieriger als für Männer. Zudem wird Leistung bei ihnen nicht geschätzt. Im Gegenteil, sie erzeugt Angst und Misstrauen. Eine intelligente, starke Frau, die nicht ihren Lebensinhalt der eigenen Erniedrigung widmet, wird also nicht wahrgenommen. Folglich ist der soziale Druck in Richtung Erniedrigung so stark, dass ihm kaum eine Frau widerstehen kann. Am einfachsten ist der Widerstand für Lesben: Sie haben keinen Bedarf von der Männerwelt als Objekt geschätzt zu werden und bekommen Bestätigung von ihresgleichen. Trotz all der Diskriminierung ist es in dem Kontext ein Vorteil, lesbisch zu sein. 


Keine freiwillige Erniedrigung

Im Anbetracht der aktuellen sozial-politischen Situation kann man bei der Erniedrigung der Frau nicht von Freiwilligkeit reden. Vielmehr ist es eine ungeschriebene Norm. Sich ihr zu widersetzen kostet viel Kraft und hat einen hohen Preis. Während die Frau bei den Islamisten mit der Familie brechen und in Angst und Schrecken leben muss, wenn sie sich den Wünschen des Patriarchats nicht fügt, verliert sich die westliche Frau in der Versenkung und wird mit Ignoranz und Einsamkeit bestraft. Oftmals kommen Frauen gar nicht auf die Idee, dass eine andere Lebensweise für sie in Frage käme. Das betrifft sowohl das verhüllte aus auch das entblößte Objekt.


Dennoch, erstere hat eindeutig das schwerere Los. Doch wie wollen wir den arabischstämmigen Neuzugängen unter solchen Voraussetzungen vermitteln, dass Frauen gleichberechtigt seien?