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16. Oktober 2015 | Autor: Jennifer Gregorian

Rollenklischees Frau/Mann im Kontext mit der Selbstobjektivierung

Gesellschaftliche Kodizes die wir mehrheitlich für natürlich halten, erschweren uns das Leben.

Männer- und Frauenrollen sind bloß Konstrukte. // Photobank – Fotofolia.com
Männer- und Frauenrollen sind bloß Konstrukte. // Photobank – Fotofolia.com

Alle Menschen haben einen Hang zur Selbstobjektivierung der je nach Person unterschiedlich stark ausfällt. Im Kindesalter wird er allerdings schon gegen den Willen gesteuert und den geltenden Rollenklischees angepasst. Kleine Jungs müssen diesem Impuls entsagen und bei Mädchen wird er gefördert, wenn nicht sogar gefordert. Das Ergebnis ist eine Erwachsenenwelt mit sexy und schick zurechtgemachten Frauen und mit Männern, die sich durch Tätigkeiten, Erfolg und Kraft identifizieren, während sie z. B. in den seltensten Fällen ein Kleid tragen. Dieses Ergebnis (das durch Konditionierung erzielt wurde) führt zu dem Trugschluss, dass die Objektivierung bei den Geschlechtern in unterschiedlichem Maße angelegt sei. Stattdessen ist es (das Ergebnis) ein Spiegel der ungleichen Machtverhältnisse zwischen den beiden anerkannten Geschlechtern (alle Geschlechter zwischen Mann und Frau sind sozial nicht wirklich anerkannt).


Objektivierung als Schwäche

Sich selbst zum Objekt zu machen, wird gesellschaftlich als Schwäche angesehen. Da Frauen auch in den westlichen Gesellschaften noch lange nicht gleichberechtigt und vor allem nicht gleichgestellt sind mit dem Mann, wird von ihnen diese Art der Unterwerfung gefordert. Vielen Männern gefällt es, wenn eine Frau geschmückt und geschminkt ist und wenn sie komplizierte Sachen trägt. Das vermittelt ihnen (meist unbewusst) ein Gefühl der Überlegenheit. Viele mögen es, wenn sie hohe Schuhe, extrem kurze Röcke oder enge Sachen trägt. Das Augenmerk bei dieser Art des Stylens liegt in der Bewegungsunfähigkeit der Frau. Diese verstärkt noch das Überlegenheitsgefühl und weckt dazu den Beschützerinstinkt. Eine so zurechtgemachte Person, kann sich nämlich weder verteidigen noch weglaufen. Im Notfall ist sie ein Opfer, in manchen Fällen sein Opfer. Schließlich hat er die Macht über sie und Macht bedeutet eine Menge Verantwortung. Nicht jeder vermag mit so viel Verantwortung umzugehen.

Der Mann darf sich nicht degradieren

Homophobie gegen Männer ist seit jeher stärker ausgeprägt als gegen Frauen. Lesben hat man jahrelang nicht für fähig gehalten, eine Beziehung miteinander zu führen und hat sie nicht ernst genommen. Bei homosexuellen Männern hingegen ging man von einer starken Objektivierung, zumindest bei einem Partner aus.


Ferner war es verpönt, wenn Männer Röcke trugen, sich schmückten oder schminkten. Dadurch haben sie sich nämlich freiwillig degradiert. Sie haben sich zum schwächeren Geschlecht herabgesetzt. Andere Männer fühlten sich dadurch verraten und bangten um ihre Vormachtstellung. Das ist zu einem großen Teil heute noch der Fall.

Verleugnung der Identität

Wir wachsen mit einem Selbstverständnis der Rollenklischees auf, das weder naturgegeben noch logisch ist. Es sind einfach nur Konstrukte, um Machtverhältnisse zu zementieren. Wenn wir sie nicht hinterfragen, kommt es sehr häufig vor, dass Frauen sich in unbequeme Kleidung zwängen und komplexe Frisuren tragen, um dem allgemeinen Kodex zu entsprechen, obwohl sie sich dabei unwohl fühlen. Viele Männer werden hingegen gehindert, sich zu stylen, wenn es ihnen danach zumute ist. Folglich haben wir auf der einen Seite einen Objektivierungszwang und auf der anderen ein Objektivierungsverbot. Bei vielen Menschen geht die Einhaltung dieser Maxime so weit, dass sie ihre Identität verleugnen.

Wünschenswert wäre eine Gesellschaft, die den Hang zur Objektivierung bei Mann, Frau und allen anderen Gänderidentitäten zulässt ohne ihn zu forcieren.


Die Szenarien sind stark verallgemeinert. Sie sollen jetzt nicht beispielsweise aussagen, dass Frauen in High Heels nicht emanzipiert sein können. Es geht lediglich um allgemeine Tendenzen!