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04. April 2016 | Autor: Jennifer Gregorian

Die schwache Frau braucht einen starken Beschützer an ihrer Seite

Der Ruf nach dem starken Mann, der die schwache Frau beschützen soll, wird lauter. Aber was steckt hinter dem Frauenbeschützer?

Köln gegen rechts, Januar 2016 – Gegendemonstration gegen „Pegida NRW“ im Nachgang zu den Vorfällen in der Silvesternacht 2015/2016 / Photo: Elke Wetzig / CC BY-SA 4.0
Köln gegen rechts, Januar 2016 – Gegendemonstration gegen „Pegida NRW“ im Nachgang zu den Vorfällen in der Silvesternacht 2015/2016 / Photo: Elke Wetzig / CC BY-SA 4.0

Im Zuge der Attentate der Silvesternacht gegen Frauen, ertönte wieder mal der Ruf nach dem starken Mann, der die schwache Frau beschützen soll. Diese Forderung entspringt überwiegend rechten und konservativen Kreisen, aber nicht ausschließlich.

Tatsache ist, das Deutschland ein patriarchaler Staat ist (sicherlich sind viele Staaten in der Hinsicht rückständiger, aber hier geht es weder um einen Vergleich noch um einen Länderüberblick). Ausgehend von dieser Tatsache ist jeder öffentliche und private Ort für Frauen ein gefährliches Pflaster, zumindest gefährlicher als für Männer. Solange die Gleichberechtigung nicht umgesetzt ist, wird sich das auch nicht ändern. Eine große Rolle spielt dabei die Gleichberechtigung als Wahrnehmung in den Köpfen der Menschen.  

Die „Frauenbeschützer“ spielen aber nicht auf diese Missstände an, im Gegenteil: Sie zielen darauf sie zu verschärfen. Das Frauenbild, das in solch einem Diskurs konstruiert wird, ist hochproblematisch: Die Frau ist schwach, unzulänglich, unfähig. Allein durch den männlichen Beschützer kann ihr Überleben sichergestellt werden. Sie ist ihm ausgeliefert und abhängig – von seiner Gnade abhängig.

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Dieses Frauenbild ist eine ideelle Vorstellung des rückständigen Mannes. Da wir im Patriarchat leben, wird diese Vorstellung aber in vielen Milieus und Kreisen als Selbstverständlichkeit akzeptiert und gelebt. So kommt es, dass die Protagonisten sich dieser Fiktion soweit unterordnen und anpassen, bis sie gelebte Realität wird.
Die „schwache Frau“ wurde über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu konstruiert und stabilisiert. Männer und Frauen haben sie verinnerlicht.

Um das Bild nach außen sichtbar und erlebbar zu manifestieren, redet man der Frau von klein auf ein, schwach zu sein und sich nicht wehren zu können. Für Mädchen gehört es sich nach wie vor nicht, sich zu prügeln. Man stellt der Frau von Kindesbeinen bis ins hohe Alter komplizierte Kleidung bereit, mit welcher sie sich weder verteidigen noch fliehen kann. Die Indoktrinierte greift zu und zieht ihre untergeordnete Rolle faktisch an.

Zum Hintergrund: Der Patriarch will seine Sklavin nicht verlieren. Der Beschützer braucht ein Opfer, das er beschützen kann. Keiner der so gepolten Männer sucht eine Freundin, Kollegin oder Partnerin auf Augenhöhe. Die Abhängigkeit der Frau soll sichergestellt und sogar verstärkt werden, damit das Machtgefälle der zwei anerkannten Geschlechter nicht ins Wanken gerät und das Patriarchat noch lange bestehen bleibt.