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04. August 2015 | Autor: SophiArticles

Ruhestand – menschliche Obsoleszenz?

Der Ruhestand ist ein wichtiger Abschnitt im menschlichen Leben. Er ist der Zustand einer Person nach dem – meist altersmäßigen – Ausscheiden aus dem Arbeitsleben. Es wird behauptet, dass jede Stufe des menschlichen Lebens, ihre eigene Schönheit habe. Stimmt diese Aussage auch für die Stufe des Ruhestandes?

Im Alter nicht veralten. // © drubig-photo - Fotolia.com
Im Alter nicht veralten. // © drubig-photo - Fotolia.com

Bei Antritt des Ruhestandes ist die Freude erstmals groß. Eine schwere Bürde fällt plötzlich ab, und die Illusion der Freiheit wird genossen. Lebt der Mensch weiter in dieser Illusion, so kann sich der „wohlverdiente Ruhestand“ als menschliche Obsoleszenz entpuppen.

Der Begriff „Obsoleszenz“ stammt aus dem Lateinischen (obsolescere), und bedeutet sich abnutzen, veralten, hinfällig werden; an Ansehen, Wert und Aktualität verlieren. Dieser Begriff bezieht sich vorwiegend auf technische Produkte,  Gerätschaften, Waren sowie auf Normen, Therapieformen und  Wissensbestände – doch es gibt auch menschliche Obsoleszenz.

Das biologische Altern ist ein natürlicher Prozess. Wichtig ist die richtige Einstellung dazu, um nicht der menschlichen Obsoleszenz zu verfallen. Betrachtet man verschiedene Formen der Obsoleszenz von technischen Produkten, Gerätschaften usw., so erkennt man eine Parallele zur menschlichen Obsoleszenz. Erwähnt seien hier die gravierendsten Formen der menschlichen Obsoleszenz.


Funktionelle Obsoleszenz

Die unbewusste, oder funktionelle Obsoleszenz ist die Form durch die ein Produkt zwar selbst weiter funktionsfähig bleibt, doch es kann durch neue Anforderungen nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden. Der Mensch im Ruhestand bleibt auch meistens geistig und körperlich fit, hat aber öfter den Eindruck, neuen Anforderungen nicht mehr gewachsen zu sein. Hierzu führen negative Muster und Prägungen bezüglich des Alterns, die von Generation zu Generation übernommen werden. Auf diese Weise wird das menschliche Potential nicht mehr in vollem Umfang genutzt. Der menschliche Organismus nutzt sich unbewusst, vorzeitig ab.

Geplante Obsoleszenz

Die bewusste, oder geplante Obsoleszenz laut Wikipedia, ist die absichtliche Reduzierung der Lebensdauer eines Produktes. Die geplante Obsoleszenz hat ihren Ursprung in den 1920er Jahren. Aus Gründen des Profitstrebens, produziert der moderne Kapitalismus nicht mehr nach den ihm zur Verfügung stehenden Optimierungsmöglichkeiten, sondern er baut planmäßig frühe Verfallsdaten in seine Produkte ein, um sie künstlich zu verschlechtern. Geplante Obsoleszenz gibt es in fast allen Prozessen, Branchen und Bereichen. Sie führte zur „Wegwerfgesellschaft“ und somit zum „Zumüllen“ unseres Planeten. Die menschliche, bewusste/geplante Obsoleszenz wird eingesetzt um Menschen vorzeitig veralten zu lassen. Man kann alt werden, ohne zu veralten, und man kann noch durchaus jung sein und ist doch schon total veraltet. Das natürliche Altwerden kann nicht geplant werden, das Obsoletwerden dagegen schon. Betrachtet man zum Beispiel, die Menge von Arzneimitteln, die betagten Ruheständler_innen verabreicht werden, und durchschaut die Liste der Nebenwirkungen, so stellt man sich die Frage, welche Gedanken hier im Vordergrund sind: Gedanken der Heilung oder Gedanken der menschlichen, geplanten Obsoleszenz? Obsoletwerden ist somit ein sozialer Prozess. Die geplante, menschliche Obsoleszenz betrifft das gesamte gesellschaftliche System.


Psychische Obsoleszenz

Die psychische Obsoleszenz ist eine weitere Form, die Produkt und Mensch annehmen kann. Wikipedia sagt dazu: „Ein Produkt, das an sich noch voll und uneingeschränkt nutzbar wäre (z. B. ein älteres Handy, ein Röhrenfernseher, Monitor oder stationärer PC), wird nicht mehr gewünscht, weil es unansehnlich geworden ist und/oder an Popularität verloren hat“. Während der menschlichen, psychischen Obsoleszenz, ist der Mensch auch im Ruhestand meist noch arbeitsfähig und arbeitswillig, doch seine Anwesenheit an vielen Arbeitsstellen ist nicht mehr erwünscht, weil sein Äußeres und seine Popularität, angeblich nicht mehr „in“ sind. In einigen afrikanischen Gebieten hingegen, klettern 90-jährige Männer, gleich ihren Enkeln und Urenkeln auf extrem hohe Bäume, um deren Früchte zu ernten (zum Beispiel die Bakaa in der zentralafrikanischen Republik). Die psychische Obsoleszenz spielt hier keine Rolle.

Die kontrollierte Obsoleszenz des menschlichen Verstandes, wird als „Verblödungstaktik“ des Menschen bezeichnet. Ihr zur Folge, verhalten sich Menschen im Ruhestand immer öfter wie vorpubertäre Teenager. Menschliche Bequemlichkeit wird genutzt, um dem Menschen das Denken abzugewöhnen.


Zusammenfassend sei gesagt, dass menschliche Obsoleszenz ein Thema ist, das beachtet werden muss. Der Blick muss für das Wahre und für die Täuschung, wieder geschärft werden. Allen Formen der menschlichen Obsoleszenz muss entgegen gewirkt werden. Deshalb gilt der Aufruf:
Ruheständler_innen aller Länder und Nationen, nutzt den Ruhestand, um euer Wissen und euer Potential in weltweite Kampagnen im öffentlichen Raum zu investieren, die Wege in eine menschliche, altersgerechte Wirtschaft anzeigen.

Autor: Sophia, gelernte Tanz-Soziotherapeutin & Approbierte Meditationslehrerin