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16. Juni 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

RIP Helmut Kohl / Gedenken an Hannelore

Ein großer Politiker und miserabler, bzw. normaler, Ehemann ist von uns gegangen. Viele historische Ereignisse pflastern seine Ära. Das dunkelste Kapitel seines Lebens ist jedoch die Ehe zu Hannelore Kohl. Solange die Homo Sapiens sich und/oder den Planeten nicht zu Grunde richten, wird der „ewige Bundeskanzler“ jedenfalls in der Erinnerung vieler Menschen weiter leben.

Helmut und Hannelore Kohl, 1987 Wahlparty der CDU / Bundesarchiv, B 145 Bild-F074374-0013 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0
Helmut und Hannelore Kohl, 1987 Wahlparty der CDU / Bundesarchiv, B 145 Bild-F074374-0013 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA 3.0

Nach jahrelanger Krankheit verstarb Altkanzler Helmut Kohl, am 16. Juni 2017, im Alter von 87 Jahren, in seinem Zuhause in Ludwigshafen. Während seiner Amtszeit, von 1982 bis 1998, der längsten die ein deutscher Bundeskanzler je innehatte, witzelte man, er würde Probleme einfach aussitzen. Dabei waren die 80er und 90er eine sehr ereignisreiche Phase. Kohl selbst hat ebenfalls viel ins Rollen gebracht, auch wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussah. Zugegeben, so spannend wie die Amtszeit von „seinem Mädchen“ war seine nicht. Immerhin gab es nicht täglich islamistische Terroranschläge – zumindest waren sie nicht so nah – und die aktuelle Rechrsextremismuskrise war noch nicht einmal in Planung. Nazis, wie Islamisten wurden stets als Spinner am Rande der Gesellschaft verortet und ignoriert. Ein Fehler, wie man heute sieht! Aber zurück zu Kohl: Seine Regierung hat die deutsche Einheit mit ermöglicht. Und er hat Deutschstämmigen sowie ihren Angehörigen aus Osteuropa die Einreise und Integration in die Bundesrepublik ermöglicht. Einige von ihnen sind mittlerweile so gut integriert, dass sie ihrerseits gegen Flüchtlinge hetzen – das ist aber ein anderes Thema. Ein weiteres großes Ereignis der Ära Kohl war die Einführung des Euro. Da gab es aber auch die dunklen Kapitel, wie seine Spendenaffäre und nicht zuletzt das krankhaft zerrüttete Verhältnis zu seiner Frau Hannelore, die nach langen Qualen an der Ehe verstarb.


Im Schatten eines großen Mannes gibt es keinen Lichtblick - RIP Hannelore Kohl

Je erfolgreicher der Mann, desto erbärmlicher die Frau an seiner Seite. „First Lady" ist also die absolute Arschkarte. Nach 42 Jahren als Anhängsel des „ewigen Kanzlers“, setzte seine erste Ehefrau, Johanna Klara Eleonore Renner (später nur noch Hannelore Kohl genannt) im Juli 2001, ihrem qualvollen Dasein, mit einer Überdosis Morphium, ein Ende. Niemand hat so tiefe Einblicke in das Leiden der Kanzlergattin erhalten, wie der Filmautor und Journalist, Heribert Schwan, der ihre Biografie „Die Frau an seiner Seite: Leben und Leiden der Hannelore Kohl“ veröffentlichte. Ihm vertraute sie ihr Innerstes an und enthüllte somit die Schattenseiten der Existenz im Schatten eines großen Mannes. Hannelore war mitunter über Jahre allein mit den Kindern in der Pfalz, während ihr Göttergatte in Bonn und Berlin Karriere machte. Sie vereinsamte zunehmend und die Eheleute wurden einander fremd. Um alles besser ertragen zu können, nahm sie sich an ihren Hund ein Beispiel: Der konnte sich jederzeit freuen, wenn seine liebsten Bezugspersonen ankamen, auch wenn sie eine Ewigkeit weg waren. Nur für die heile Fassade musste sie im Biedermeier-Look posieren und gute Miene zum bösen Spiel machen. Dabei hasste sie jegliche Form von Verlogenheit. Ihre vordergründige Lichtempfindlichkeit war in Wahrheit eine tiefe Depression. Dennoch kämpfte die begeisterte Sportschützin für ihre Ehe, wenn auch mit Hilfe von Medikamenten. Die Spendenaffäre, ein weiteres unschönes Kapitel in der Vita ihres Mannes, gab ihr schließlich den Rest. Helmut weigerte sich, ihr die Namen der Spender zu nennen. Und Hannelore konnte die öffentliche Erniedrigung nicht länger ertragen. So entschied sie, sich aus dieser unglücklichen Ehe zu befreien, die mittlerweile ihr ganzes Leben beschattete. Für ihre beste Freundin kam der Freitod keineswegs überraschend. Helmuts Affäre mit der jüngeren Maike Richter, die er schließlich nach Hannelores Tod ehelichte, dürfte ihren Entschluss bekräftigt haben. Es muss unglaublich erniedrigend gewesen sein, dass er, nach allem was sie für ihn getan und aufgegeben hat, in die Arme einer Jüngeren, geflüchtet ist. Aber das ist fast schon Routine bei Durchschnittsehen. Helmut Kohl war kein besonders schlechter Ehemann, sondern ein ganz normaler - das ist das Tragische bei der Sache.

 

Solange die Menschheit noch auf dem Planeten wütet, wird man sich an ihn erinnern, den großen „Kanzler der Einheit“, einen großartigen Politiker und Europäer. Sie wird man vergessen. Allenfalls erinnert man sich an die biedere, olle Hausfrau an seiner Seite oder an die Story mit dem Psychowrack und dem Suizid. Dabei war sie so viel mehr und hätte noch wesentlich mehr sein können.