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09. November 2015 | Autor: Jennifer Gregorian

Böses Déjà-vu

Deutschland scheint nichts aus der eigenen Geschichte gelernt zu haben.

Ein „Informationsplakat“ aus der Ausstellung Wunder des Lebens 1935 in Berlin / Bundesarchiv, Bild 102-16748 / CC-BY-SA 3.0
Heute kursieren Vorurteile gegen Muslime und Flüchtlinge im Allgemeinen. // Ein „Informationsplakat“ aus der Ausstellung Wunder des Lebens 1935 in Berlin / Bundesarchiv, Bild 102-16748 / CC-BY-SA 3.0

Deutschland geht es wirtschaftlich richtig gut. Dennoch geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander. Trotz der eindeutigen Schieflage ist das deutsche Sozialsystem im weltweiten Vergleich eines der besten. Daher bleibt unverständlich, weshalb sich ausgerechnet hierzulande wieder eine rechtsextreme Bewegung formiert, die immer mehr Zulauf gewinnt. In armen Staaten, in welchen es so gut wie keine bis gar keine soziale Absicherung gibt, existieren zwar auch nationalistische Strömungen, doch sind sie bei weitem nicht so bedrohlich, wie der Mob, der sich Ende 2014/Anfang 2015 in Deutschland formiert hat. Auch in anderen wohlsituierten Staaten lassen sich ähnliche Entwicklungen beobachten.
In Anbetracht des massiven Rechtsrucks innerhalb Deutschlands und den Parallelen zur deutschen Geschichte (ausgenommen des Wohlstandes), sollten nun bei allen Bürgern, die noch halbwegs bei Verstand sind, die Alarmglocken läuten.


Werfen wir mal einen Blick in die Geschichte: „Massenarbeitslosigkeit, Kriegsschäden und Reparationsforderungen aus dem ersten Weltkrieg lasteten schwer auf der jungen Demokratie. Europaweit erlangten antidemokratische Strömungen Aufwind. In Deutschland wuchs mit dem Nationalsozialismus eine Massenbewegung, die vielen Bürgerinnen und Bürgern ein Ende des politischen Chaos versprach.“, so steht es auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung. Wenn wir der Entwicklung nicht Einhalt gewähren, könnte bald folgendes passieren (man tausche nur mal „NSDAP“ gegen eine heutige rechte Partei aus): „Ende der 1920er war aus dem Nationalsozialismus eine Massenbewegung geworden - und eine straff organisierte Partei. Mit massiver Propaganda nach innen und außen gewann die NSDAP mehr und mehr Wahlstimmen für sich. Bei den Reichstagswahlen 1930 wurde sie nach der SPD zur zweitstärksten Partei.“ (Quelle und Zitat: Bundeszentrale für politische Bildung) Der Rest dürfte bekannt sein.

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"Der vergewaltigende Moslem"

Feindbilder brauchen wir auch nicht mehr zu suchen: Wir haben bereits eine "Invasion muslimischer Verbrecher", die sich überwiegend aus jungen Männern zusammensetzt, welche "Frauen vergewaltigen und Kinder entführen". Diese Darstellung hat bereits in den Mainstream Einzug gefunden. Lokalzeitungen warnen auch schon vor den "triebgesteuerten Wilden". "Flüchtling“ ist bereits ein Synonym für "Krimineller“. Man unterscheidet schon lange nicht mehr zwischen Terroristen und Menschen, die gerade vor ihnen fliehen.

"Die jüdische Verschwörung"

Die "Wilden aus den islamischen Ländern“ sollen laut der aktuellen rassistischen Verschwörungstheorie allerdings nur ein Mittel zum Zweck eines viel größeren Planes sein. Diesen hatte bereits Adolf Hitler mit seiner konspirativen okkultistischen Crew auf der Wewelsburg durchschaut. Es geht um die Zionisten, die die Weltherrschaft anstreben. Nun sitzen sie in den USA und lenken von dort alles. Sie schicken die mordenden, vergewaltigenden Horden von verwilderten, zurückgebliebenen Moslems in die EU, um sie zu schwächen und sie sich zu eigen zumachen – soweit die Theorie. Zu dumm nur, dass sich keiner der Vertreter dieser rassistischen und antisemitischen Ideologie fragt, weshalb sich die quasi allmächtige USA solch eine Mühe gibt. Schließlich hätte sie Deutschland bereits 1945 haben können und die anderen EU-Staaten hätten ihr auch nicht allzu viel entgegensetzen können. Oder sind die Strippenzieher doch nicht so allmächtig?


Jedenfalls ist es erschreckend, mit welch vereinfachten und vor allem menschenverachtenden Konstrukten Leute geködert werden. Noch beängstigender ist, dass so viele hinterher laufen.

Antifaschismus wird zur Herausforderung der nächsten Jahre

In den Schulen wurde oft die Frage gestellt: „Was hättest Du gemacht, wenn Du Anfang der 30er gelebt hättest?“ Die meisten Kinder und Jugendlichen antworteten, dass sie sich quergestellt und bei der Sache nicht mitgemacht hätten. Diese Kinder sind nun erwachsen. Viele sind bereits den Rattenfängern auf den Leim gegangen. Die anderen sind desinteressiert und unterschätzen die Gefahr – ebenso wie viele Menschen Anfang der 30er. Trotz der Parallelen erkennen die meisten nicht die brisante Tendenz. Nur wenige tun das, was sie einst in der Schule behauptet hatten.


Noch vor paar Jahren war es einfach, Antifaschist zu sein. Es gehörte zum guten Ton. Bis auf ein paar Neonazis waren alle Antifaschisten, selbstverständlich. Heute ist es schon etwas schwieriger: Man bekommt Drohungen und wird auf offener Straße angegriffen. Als hätte Deutschland nichts aus seiner eigenen Geschichte gelernt. Wenn es so weiter geht, bleibt nur noch die Flucht. Noch ist es aber nicht zu spät, aufzuwachen! Noch kann man den Trend aufhalten.