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06. Oktober 2017 | Autor: Raimund Gaebelein, Landesvorsitzender VVN-BdA Bremen

Ausstellung Opfer der Euthanasie

Pressemeldung

VVN-Ausstellung über die Tötung von Behinderten während es Nationalsozialismus in Bremen

Geistig Kranke in einer psychatrischen Klinik währende des Nazionalsozialismus / Bundesarchiv gemenfrei
Geistig Kranke in einer psychatrischen Klinik währende des Nazionalsozialismus / Bundesarchiv gemenfrei

Beschriftung der Nazianalsozialisten: „Erbkrank! Eine interessante Ausstellung zur Aufklärung des Volkes über erbgesunden Nachwuchs wurde vom Reichsausschuss für Volksgesundheitsdienst in Berlin eröffnet! Ein erschreckendes Bild von Erbkranken in einer Idioten-Anstalt.“

Vom 16. Oktober bis 2. Dezember wird in der Stadtbibliothek West in Gröpelingen die Ausstellung über Euthanasieopfer in Bremen gezeigt werden. Die Eröffnung ist für Montag, 16.10. um 17 Uhr vorgesehen, mit Andreas Gebauer (Stadtbibliothek West), Ulrike Pala (Ortsamtsleiterin West), Dr. Achim Tischer (Kultur-Ambulanz) und Friedrich Buhlrich (Delmenhorst, aufgewachsen in Gröpelingen). Am Dienstag, den 07. November findet dort um 16 Uhr ein Zeitzeugengespräch mit Hans-Walter Küchelmann und Friedrich Buhlrich statt.
Die Ausstellung umfasst 14 Tafeln und beleuchtet Schicksale eines systematisch geplanten und ausgeführten Massenmordes an mehr als 300 Bremer Behinderten während des Faschismus. Der frühere KfZ-Sachverständige Friedrich Buhlrich verlor seine Geschwister Hans, Erika und Margret während des Krieges. Hans war sehr aufgedreht und sein Vater wollte ihn im Heim unterbringen, seine Frau war hochschwanger. Das Jugendamt stempelte Hans zum „Schwachsinnigen“. Er wurde ins Kloster Blankenburg gebracht. Nach einer Verlegung ist er 1942 angeblich an Herzschwäche verstorben. Das erfährt Friedrich Buhlrich erst bei Einsicht in die Akten seiner Schwestern. Die beiden jüngeren Schwestern ereilte dieselbe Diagnose. Sie wurden als nicht-bunkertauglich befunden und in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg gebracht. Nach zwei bzw. vier Monaten verstarben sie Ende 1944 unterernährt, vorgeblich an Lungenentzündung. Bei der Beerdigung Erikas konnte der Vater Margret kaum wiedererkennen. Der Arzt ließ sich verleugnen.
Friedrich Buhlrich selbst wurde kurz nach seiner Geburt Mai 1946 adoptiert, seine leibliche Mutter war erst 18, sein Vater, polnischer Zwangsarbeiter, arbeitete auf dem Hof der Familie Rosenhagen. Die Familiengeschichte erfuhr Friedrich Buhlrich wenig behutsam mit 21. Mühsam war es, die Familiengeschichte zu verstehen und zu verarbeiten. Er hat Stolpersteine für seine ermordeten Geschwister auf der Lucht und in der Seewenjestraße gestiftet, die er regelmäßig putzt. Über die Umstände der systematischen Tötung von Behinderten wird nach wie vor geschwiegen, die Unterlagen sind nur mit Mühen zugänglich. Von einer Entschädigung ist keine Rede.

Mit freundlichen Grüßen
Raimund Gaebelein
(Landesvorsitzender VVN-BdA Bremen)
Priv. Posener Straße 8a, 28237 Bremen
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Die VVN-BdA kämpft als überparteilicher und generationenübergreifender Zusammenschluss von Verfolgten des Nazire#gimes, Widerstands#kämpferinnen und -kämpfer, Antifaschistinnen und Antifaschisten für die „Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln“ und den „Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit“, wie es in dem Schwur der Häft#linge des KZ Buchenwald vom 19. April 1945 heißt. Wir sind vom Finanzamt Bremen als gemeinnützig anerkannt. Auf Wunsch stellen wir gerne eine Spendenbescheinigung aus.