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30. September 2018 | Autor: SpIn

Nur Reaktion reicht nicht

Wir befassen uns nur noch mit Nazis und erscheinen da wie eine homogene Masse

Für Merkels Flüchtlingspolitik und dagegen. Mehr scheint es nicht zu geben. Danach wird auch brav in links und rechts eingeteilt. Nazis demonstrieren und angeblich "Linke" demonstrieren dagegen. Aber nur auf die Nazis zu reagieren, reicht nicht. 

Gegendemo zur "Merkel muss weg "-Demo,  9. September 2017, Berlin
Gegendemo zur "Merkel muss weg "-Demo, 9. September 2017, Berlin

Aktuell befindet sich die öffentliche Wahrnehmung in einer erheblichen Schieflage: Für Merkel/Flüchtlinge und dagegen, bzw. für "das Volk". Zweites stimmt: Die Rechten sind geeint, egal ob Schläger-Hooligans oder Nadelstreifennazis. AfD, NPD, Hools, Identitäre, Dritter Weg, ... sie alle halten zusammen. Sie sind autoritätsgläubig, leicht zu manipulieren und zu organisieren. Eine dumme gefährliche Masse. Die Gegner des Faschismus sind sehr pluralistisch. Da sind CSU-Mitglieder, die keine Flüchtlinge mehr aufnehmen wollen, CDU- und SPD-Mitglieder/Wähler, Grüne, Linke, Nichtwähler, außerparlamentarisch Linke, Menschen die sich für Flüchtlinge einsetzen usw. Die Liste ließe sich unendlich erweitern. Diese Vielfalt wird, ganz nach dem rechtsextremen Jargon "links" eingeordnet. Dabei könnten diese Menschen kaum unterschiedlicher sein. 

Die Rechte will sich mit dieser vereinfachten Einteilung in die Mitte drängen und rechts konservative sowie die Mitte nach links verschieben und dort bekämpfen. Der Plan geht sogar teilweise auf. Es wird über nichts mehr anderes geredet, als über Flüchtlinge. Das Thema polarisiert. Die Nazis halten den ganzen Rest auf Trab. Da eine Demo, dort eine. Da ist es schon viel, sich aufzuraffen, um dagegen zu demonstrieren. Also Nazis demonstrieren und angeblich "Linke" demonstrieren dagegen. Viele andere Anliegen bleiben auf der Strecke und die Rechtsextremen sind stets im Mittelpunkt. Es wird Zeit, wieder für Inhalte zu kämpfen. Förderung und steuerliche Entlastung für Kleinunternehmer, höhere Versteuerung ab hohen Einkommensklassen, Proteste gegen die "Festung Europa", Proteste gegen das Verhalten von Polen und Ungarn in der EU, Einsatz für eine EU-Armee, bessere Integration für Flüchtlinge, bessere Einbindung Alleinerziehender, Abschaffung der Lohnungleichheit, ein Stopp der Zwangsoperationen von Intersexuellen, kostenfreie medizinische Behandlung von Lipödemen, bessere Behandlung von Pflegebedürftigen, mehr Wohnungen fürs niedrigere Budget, gegen das Sterben im Mittelmeer, für eine geregelte Einwanderungspolitik usw... Es gibt unendlich viele Themen, die aber alle in den Hintergrund geraten. Wir befassen uns nur noch mit Nazis und erscheinen da wie eine homogene, naive Masse. Zugleich schenken wir der extremen Rechten damit viel zu viel Aufmerksamkeit.