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28. Oktober 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

#MeToo – Frauen bringen sexuelle Belästigung durch Männer an die Öffentlichkeit

Wer bis jetzt nicht gecheckt hat, dass wir im Patriarchat leben, sollte sich mal die Beiträge von #MeToo zu Gemüte führen. Die Kampagne bewegt sich wie eine Flutwelle aus den USA in die Schweiz und nach Deutschland, wo sicher noch nicht Endstation ist. Sie regt eine längst überfällige politische Debatte an.

Sexuelle Belaestigung am Arbeitsplatz / JeanetteDietl  -Fotolia.com
Sexuelle Belaestigung am Arbeitsplatz / JeanetteDietl -Fotolia.com

Auslöser war der Weinstein-Skandal, woraufhin Schauspielerin Alyssa Milano einen Twitter-Aufruf startete, in dem sie alle Frauen, die Filmproduzent, Harvey Weinstein, sexuell belästigt oder gar vergewaltigt haben soll, dazu ermutigte, unter den Post „mee too“ zu schreiben. Schon bald hatte sie über 10.000 Kommentare von Betroffenen. Daraufhin begannen sie, ihre Geschichten unter #MeToo in den sozialen Netzen zu veröffentlichen. Hinzu kamen Frauen, die ihre Erlebnisse mit männlicher sexualisierter Gewalt, unabhängig von Weinstein, veröffentlichten. Mittlerweile hat die Kampagne schon drei Wochen überschritten und ist u.a . auch  in Deutschland angelangt, wo noch sicher nicht Endstation ist.
Die Geschichten sind verstören. Frauen aus allen sozialen Zusammenhängen, vom Promi und der Spitzenpolitikerin bis hin zur Eisverkäuferin, berichten über Beleidigungen, Erniedrigungen, Erpressungen und Vergewaltigungen. Ein Spiegelbild der Gesellschaften der westlichen Zivilisationen. Vom Rest der Welt brauchen wir hier gar nicht zu sprechen.

Stockholm-Syndrom

Schauspielerin Nina Proll hat Negativschlagzeilen gemacht, indem sie schrieb, nie belästigt worden zu sein. Kurz darauf erklärt sie, Belästigungen nicht als solche empfunden zu haben. Sie nimmt nach wie vor an, es handle sich um Komplimente. Das war naheliegend und damit ist sie nicht allein. Schließlich werden Frauen von klein auf dazu angehalten, den Männern als Objekt zu dienen und sich darüber zu identifizieren. Ferner geben zig Zeitschriften, Blogs und Vlogs Tipps, wie frau sich am besten prostituiert, egal ob für einen oder viele Männer. Frauen wird dort auch gesagt, dass sie nur dann ihren Soll erfüllt haben, wenn Männer auf sie abfahren und das zeigt sich am besten in der Form der Belästigung, die sie gefälligst als Kompliment wahrnehmen sollen. Sie dient den Betreffenden als Bestätigung, im patriarchalen Sinne alles richtig gemacht zu haben. Viele Frauen kommen dem nach. Man kann also sagen, sie leiden am Stockholm-Syndrom. Die patriarchale Gesellschaft macht Frauen von Kindesbeinen an zu psychisch kranken Opfern. Prolls öffentliche Attacke gegen ihre Schwestern bleibt aber trotz allem Verständnis unverzeihlich.

Täter outen sich

Nun geben unter diversen Hashtags, wie u. a. #itwasme, #howIwillchange oder #ihave, auch Männer zu, Frauen bedrängt, erpresst oder genötigt zu haben.


Die Aktion #MeeToo könnte weitreichende Änderungen innerhalb der Gesellschaften vieler Länder zur Folge haben.