Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie zu, dass wir Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen.

Suche öffnen
21. Juli 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

Die „Lügenpresse“ unkritisch gegenüber Merkels Flüchtlingspolitik?

Sind die leitenden Medien der Bundesrepublik nicht rassistisch genug? Oder wurden tatsächlich Probleme unter den Teppich gekehrt? Welche? Und wer fragt eigentlich nach den Fluchtursachen? Kommentar zur Studie der „Hamburg Social Media School“.

Flüchtlinge Ankunft Köln-Bonn / © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Flüchtlinge Ankunft Köln-Bonn / © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Ein Großteil der Leitmedien soll während der Flüchtlingskrise die Situation zu positiv dargestellt und der Kanzlerin dadurch Rückendeckung gegeben haben. Das ergab eine, 2009 gestartete, Studie der „Hamburg Social Media School“ (HMS), gefördert durch die Otto Brenner Stiftung der IG Metall. Aktuell existiert nur eine Zwischenbilanz, da die Studie noch bis zum Herbst weiter geführt wird. Ausgewertet wurden 34.000 Presseberichte. 82 Prozent davon sollen positiv gewesen sein, 12 Prozent rein berichtend und nur 6 Prozent kritisch.
Der Studienleiter meinte, dass die positive Berichterstattung dabei geholfen hätte, den „Flüchtlingsstrom“ besser „zu bewältigen“. Zum Glück zählen die vielen rechtsextremen Magazine, Zeitungen und Blogs nicht zu den wesentlichen Medien, sonst wäre das Studienergebnis ein anderes, und zwar ein dunkelbraunes.

 

Nun berichten sämtliche der Studienobjekte (also der untersuchten Medien) über diese Untersuchung und beklagen die eigene Einseitigkeit sowie die anderer. Man könnte fast meinen, es findet eine kritische Reflexion statt, so nach dem Motto: Es hätte doch ein kleiner Schuss Rassismus sein können. Zumindest hätten sie mal erwähnen können, dass es zu Problemen kommen könnte, wenn so viele Menschen unterschiedlicher Herkunft auf engstem Raum zusammengepfercht werden. Oder, dass viele der Geflüchteten aus stark patriarchalen Zusammenhängen stammen, wo Frauen keine Rechte haben. Dass Islamisten unter den Flüchtlingen sein würden. Oder dass viele Menschen Probleme haben würden, sich in Deutschland zurecht zu finden. Es gab und gibt eine Reihe von Schwierigkeiten. Einige wurden auch am Rande angesprochen. Vielmals hielten sich Medienschaffende jedoch zurück, um nicht den rechten Terror zuzuarbeiten. Durch das Schweigen haben sie der Neuen Rechten allerdings einen viel größeren Gefallen getan. Alle brisanten Themen waren somit den Rechten überlassen. Diese haben sich draufgeschmissen und diffuse Unsicherheiten und Ängste ordentlich aufgebauscht. Die AfD beansprucht als einzige Partei, etwas gegen Islamisten zu tun. In Wirklichkeit tut sie gar nichts dagegen, außer die Islamisten und insbesondere die Terroristen zu instrumentalisieren, um gegen Moslems sowie gegen Ausländer im Allgemeinen zu mobilisieren. Aber die Menschen fürchten den Terror, zurecht. Und die bärtigen Herren im weißen Gewandt, mit der seltsamen Mütze auf dem Kopf, sind unheimlich - vor allem ihre Ansichten. Letztere vertragen sich weder mit unserem Grundgesetz noch mit unserer Lebensweise. Und Frauen kommen bei der streng islamistischen Ideologie ganz schlecht weg. Also ziehen diese Themen. Und tatsächlich hat keine Partei sie auch nur annähernd im Repertoire. Seit den 90ern befasst sich die Journalistin und Frauenrechtlerin, Alice Schwarzer, fast alleine mit diesem Wahn. Das ging so weit, dass sie sich sogar über die Entstehung von PEGIDA freute. Schließlich bedeutet das, nach einer Krankheit klingende, Kürzel: „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. „Islamisierung“ ist Bullshit, aber ungefährlich sind diejenigen, die sie mit Gewalt durchsetzen wollen, ganz und gar nicht. Schwarzer musste jedoch leider schon sehr bald feststellen, dass diese Ewiggestrigen, die ein heteronormatives Weltbild propagieren, bei welchem Frauen an Heim und Herd gefesselt sind, ebenfalls nichts, aber auch gar nichts gegen Islamisten tun. Aber das Thema „Islamismus“ haben sie für sich gepachtet.


Politcomedian, Serdar Somuncu, hat während der Euphoriewelle der Willkommenskultur vor dem bösen Erwachen gewarnt. Politik und Medien haben in der Tat viel versäumt.
Nun weiß man aber nicht, ob diese Art der konstruktiven Kritik bei der Studie vermisst wurde, oder einfach ein bisschen Rassismus, ein kleines Stück mit dem fremdenfeindlichen Strom mit zu schwimmen. Schließlich war und ist es trendy, in der großen brauen Community mitzumischen und zu behaupten, nicht einmal 900.000 Geflohene (im Jahr 2015) könnte einer der reichsten Staaten der Welt nicht verkraften. Oder Deutschland sei das „Weltsozialamt“, die Flüchtlinge bloß Sozialschmarotzer, Schwerverbrecher und Vergewaltiger.
Ganz beliebt sind auch konstruierte Zusammenhänge, wie z. B. dass einheimische Rentner im Müll wühlen müssten, weil Merkel alle Gelder den „fremden Invasoren“ in den Rachen schieben würde.

Niemand vermisst den Diskurs über Fluchtursachen

Es kommen massig Flüchtlinge, die alle voll das Megaproblem darstellen, so das allgemeine Echo. Weshalb sie kommen, welchen Anteil die Bundesrepublik an den Fluchtursachen hat und dass eine Flucht kein Kindergeburtstag ist, wird äußerst selten erwähnt. Noch seltener thematisierten Medien und Politiker (positiv aufgefallen sind hierbei einige Grüne und Linke) Rüstungsexporte, Überschwemmen von Märkten, Abgraben von Ressourcen, Geschäfte mit Diktatoren, ... im Kontext mit Flucht. Würde man untersuchen, wie oft dieser Kontext medial vollzogen wurde, käme man auf ein beschämendes Ergebnis.

Fazit: Die Flüchtlingsdebatte wird sehr einseitig geführt. Die Ursachen der Problematik bleiben von den aktuellen Diskursen unberührt.

Banner 300x250
Banner 300x250