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02. Mai 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

Stirb langsam

Die Menschheit als Krebsgeschwür der Erde – Kolumne über Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Plastikmüllberg / vchalup – Fotolia.com
Plastikmüllberg / vchalup – Fotolia.com

Die Familie sitzt bei Tisch. Es gibt Käse vom benachbarten Bauern, Reisdrink und Müsli. Auch das obligatorische Obst ist sessional und regional. Sogar die Hunde bekommen Biofutter. Strom und Gas bezieht der Haushalt von Greenpeace Energy und auf der Sonnenseite des Daches befinden sich zwei Solarzellen. Eine nachhaltige Familie, die sich Gedanken über die Zukunft des Planeten, samt seiner Flora und Fauna, macht. Also sind die Müllers die Guten. Sind sie das wirklich? Die Kinder tragen Wegwerfwindeln und die Grundstoff-Klamotten sind nur ein Tick besser abbaubar als vergleichbare aus H&M oder C&A. Alle Anziehsachen, die nicht kaputt sind, werden verschenkt. Dadurch werden sie nicht unschädlich, sie belasten die Umwelt nur etwas später. Und natürlich verhindert diese Vorgehensweise, dass die Beschenkten neue Ware erwerben, die ihrerseits belastend ist. Produziert wurde der Kram trotzdem. Wenn kein Bedarf da ist, dann schafft die Industrie eben einen - Stichwort Mode. Mindestens jedes Vierteljahr gibt es neue Trends.

Die Familie hat alle Plastikbeutel abgeschafft und nimmt zum Einkaufen immer eigene Stofftüten mit. Die sind zwar langlebiger und weniger schädlich als Plastik, aber von selbst bauen sie sich auch nicht ab, ganz zu schweigen von dem Ressourcenverbrauch für ihre Produktion. Hinzu kommt, dass uns Plastik überall umgibt: Die Plastiktüten machen nicht einmal einen Bruchteil aus. Die Reismilch, die Babyflaschen, die Hundenäpfe, die Verpackungen von Käse, Nudeln und Räuchertofu, Bestandteile des Mobiliars, ... bei den Müllers findet man jede Menge Plastik. Bleiben wir aber mal bei der Reismilch: Der Reis wird mit Maschinen geerntet, in Plastik verpackt, mit Schiffen und LKWs transportiert, maschinell bearbeitet usw. bevor er verflüssigt in das Plastik-Tetrapack gefüllt wird.

Man kann es aber auch besser machen, als die Müllers. Zum Beispiel, indem man keine Kinder bekommt, gar kein Auto fährt, nur das verzehrt, was von den Bäumen fällt und keinen Atomstrom nutzt. Aber auch dann schädigt man die Natur. Am ökologischsten ist es, wenn der Mensch sich umbringt. Allerdings sind die menschlichen Körper schon so sehr durch Chemikalien, Medikamente, Abgase, radioaktive Strahlung etc. verseucht, dass die Erde ganz schön daran zu knabbern hat. Aber ist der Mensch erst einmal tot, kann, kann er wenigstens keinen Schaden mehr anrichten. 

 

Krebsgeschwür der Erde

Massentierhaltung, Straßenverkehr, Luftverkehr, Fabriken, Fernwärme, Atomstrom, ... all das führt zu Klimawandel, Luftverschmutzung, Klimaflüchtlingen, Hungersnöten, Wasserknappheit, Epidemien, Krieg, Vertreibung und Sklaverei. Die Massentierhaltung ist darüber hinaus ein wesentlicher Grund für die Grundwasserverseuchung und auch für die Medikamentenrückstände im Trinkwasser. Der immense Fleischkonsum führt ferner zu Antibiotikaresistenzen und immer mehr neuen Krankenhauskeimen. 

Der Mensch richtet also Schaden an, ganz gleich, was er tut. Durch einen nachhaltigen Lebensstil verbessert er nicht die Situation des Planeten, sondern er verschlimmert sie nur langsamer. Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit bedeuten folglich lediglich einen langsameren, qualvollen Tod für die Erde. Die Menschheit ist das Krebsgeschwür der Erde. Wie die mutierten Zellen vermehren sich auch die Menschen ohne Unterlass, weswegen täglich andere Spezies aussterben. Sie bauen ihr Zivilisationen, wie Metastasen. Auch die Meere sind mittlerweile von den Homo sapiens beeinträchtigt. Die Krankheit droht sogar, auf andere Planeten überzugreifen. Die Erde ist an Homo sapiens schwer erkrankt. Sie kann sich erst dann erholen, wenn diese freien Radikalen ihren Körper verlassen haben. Und diesbezüglich gibt es eine positive Nachricht: Die Menschheit steuert darauf zu, sich selbst zu eliminieren. Also könnte die Erde doch noch eine Zukunft haben, zumindest bis die Sonne sie verbrennt.    

Schnell und schmerzvoll

Da legt sich sicherlich der Gedanke nahe, das Ganze Elend zu beschleunigen, damit der Planet  schneller von der Krankheit befreit wird. Konkret würde das bedeuten, so viel Müll zu produzieren, wie nur möglich und ganz viel Nachwuchs zu zeugen, der ebenfalls ohne Ende Müll produziert. Halt, bitte nicht! Das soll der Beitrag nicht bezwecken. Seien Sie so freundlich, die Erde nur langsam zu zerstören. Dadurch gewinnt das Krebsgeschwür Zeit. Und vielleicht gelingt es ihm in dieser Zeit, etwas zu erfinden, was den Schaden tatsächlich wettmacht. Unsinn! Oder? Wahrscheinlicher ist eine Spontanheilung der Erde, nachdem Trump, Putin oder Kim Jong-un den roten Knopf betätigt.