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19. Juni 2009 | Autor: JG

Menschenrechtsverletzungen an Zwittern

Skandalöse Zustände! Zwangsoperationen sind in Deutschland immer noch legal: Biologisch zwischengeschlechtliche Kinder und Erwachsene werden heute noch ohne ihr Einverständnis operiert und leiden ein Leben lang an den Folgen der Misshandlung.

Hermaphrodite Symbol © ParaDox, CC BY 3.0
Hermaphrodite Symbol © ParaDox, CC BY 3.0

Begründer dieses Verbrechens, das seit den 50er Jahren in Deutschland durchgeführt wird, ist der amerikanische Psychiater, John William Money (* 8. Juli 1921 in Morrinsville, Neuseeland; † 7. Juli 2006 in Towson, Maryland). Sein erstes Opfer: Bruce Reimer. Der Junge musste eine missglückte Transformation zum Mädchen erfahren, nachdem sein Penis bei einer Beschneidung verstümmelt wurde. Er litt sehr an den Rollenerwartungen und den ständigen medizinischen Interventionen. Nachdem er im Erwachsenenalter über sein ursprüngliches Geschlecht erfuhr, ließ er sich wieder zum Mann umoperieren und nannte sich David. Mit 38 Jahren beging er Selbstmord.

Money, der den Begriff „gender“ prägte, war keineswegs an einer Dekonstruktion der normativen Zweigeschlechtlichkeit interessiert. Stattdessen lag ihm an der Stabilisierung dieser. Er plädierte für schnelle Geschlechtszuweisungen, inklusive aller chirurgischen und hormonellen Prozeduren, davon ausgehend, die betroffenen Kinder würden sich ihren aufoktroyierten Rollen anpassen. Das John Hopkins Hospital, an welchem er arbeitete und forschte, wurde als erste Klinik weltweit auf die Behandlung intersexueller Babys spezialisiert. Dadurch festigte der Forscher eine internationale Praxis von Menschenrechtsverletzungen, die heute noch Anwendung findet.

Verstoß gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit, Selbstbestimmung und Würde

Zwischengeschlechtliche Menschen werden weder aufgeklärt noch um ihre Erlaubnis gefragt, bevor die medizinisch unnötigen Zwangsbehandlungen an ihnen vorgenommen werden. Zumeist geschieht dies in sehr jungen Jahren, ohne dass die weitere Entwicklung abgewartet wird. Diese Anpassungsmaßnahmen beeinträchtigen und gefährden die Gesundheit sowie die körperliche Integrität und verursachen irreparable physische Schäden.
Hinzu kommen die psychischen Traumata durch die mehrfachen chirurgischen Eingriffe und die fragwürdigen hormonellen Therapien. Intersexuelle werden häufig wie rechtlose Aussätzige behandelt, begafft, fotografiert und zu Forschungszwecken missbraucht. Die fehlenden Informationen lassen sie annehmen allein auf der Welt zu sein. Das Dritte Geschlecht ist ohnehin aus allen öffentlichen und privaten Angelegenheiten ausgeschlossen und praktisch zur Nichtexistenz verdammt.

Gonadenentnahme oder Kastration

Hierbei handelt es sich um die Entfernung der Gonaden (Hoden, Eierstöcke oder Mischformen) ohne medizinische Indikation. Darauf folgen wissenschaftlich umstrittene Hormonersatztherapien. Diese irreversiblen Methoden stellen eine grobe Missachtung der Persönlichkeitsrechte dar. Ist hingegen bei nicht intersexuellen Patienten eine Organentnahme medizinisch erforderlich, wird zurecht deren Einverständnis eingeholt und über mögliche Risiken und Spätfolgen aufgeklärt.

Genitalamputation

Diese Prozedur ähnelt der Genitalverstümmelung von Mädchen und Frauen. Dabei wird eine als zu groß eingestufte Klitoris amputiert. Innerhalb der Medizin wird behauptet, diese Verstümmelung hätte keine Auswirkung auf die Empfindungen. Da die meisten Opfer im Kindesalter sind und ihre physische Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, kann diese Aussage nicht als gesichert gelten. Außerdem operierte man bis 1986, ohne auf die Beschädigung der Libido zu achten. Der Verlust der Empfindungsfähigkeit durch eine Klitorisamputation wird bis dato im Gegensatz zum Verlust der Eichel nicht als Behinderung angesehen.

Rechtsverletzungen bei der Diagnostik, der Aufklärung und der Verwaltung der Unterlagen

Im Zusammenhang mit der ärztlichen Behandlung Intersexueller trifft man immer wieder die gleichen illegalen Vorgehensweisen an:

•    Unterlassungen notwendiger Diagnoseverfahren
•    Zurückhaltung von Informationen
•    vorsätzliche Fehlinformationen,
•    Vorenthalten von Unterlagen
•    keine Qualitätskontrolle
•    keine Aufzeichnung der vorgenommenen Eingriffe im Zentralregister

Sinn und Zweck all dieser Misshandlungen

Diese skandalösen Tatsachen werfen einige Fragen auf: Wieso wird das Dritte Geschlecht nicht in den Personendaten registriert? Wieso werden zwischengeschlechtliche Menschen von Geburt an verstümmelt und ohne medizinische Indikation behandelt? Und wozu die Unterlassung der Aufklärung und die Geheimniskrämerei mit den Unterlagen? Wieso enthält man ihnen Menschenrechte vor und drängt sie in das gesellschaftliche Abseits?
Über Sinn und Zweck dieser Misshandlungen lassen sich nur Vermutungen aufstellen. Ein Grund dafür könnte die Stabilisierung der Zweigeschlechtlichkeit sein, der jedes patriarchale System bedarf. Allein die Existenz Intersexueller und erst recht ihre volle Akzeptanz als Teil der Gesellschaft würde das patriarchale Paradigma ad absurdum führen.

Zwitter leisten Widerstand

„…wo Macht ist, ist immer auch Widerstand“ schrieb Michel Foucault 1983. Intersexuelle setzen sich zunehmenden zur wehr, indem sie ihre Erfahrungen in Blogs, auf Webseiten und in Foren publizieren. Sie organisieren sich, gehen an die Öffentlichkeit, um Rechte einfordern und verklagen ihre Zwangsoperateure.