Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie zu, dass wir Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen.

Suche öffnen
14. September 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

Rosa Strech-Jeans und Handtasche

Wie Männer die Selbstobjektivierung genießen

Modern Man / © AS Photo Project - Fotolia.com
Modern Man / © AS Photo Project - Fotolia.com

Endlich! Endlich ist es erlaubt, Frisuren und Handtaschen zu tragen. Endlich ist Pink keine Mädchenfarbe mehr. Röhrenjeans, Ohrringe, Halsketten, Armbänder und Zöpfe sind nun auch den „Herrenmenschen“ gestattet. Und all das, ohne dass die Herren als „schwul“, „Pussies“ oder „Transen“ beschimpft werden. Wobei Schwulsein ist mittlerweile gar nicht mehr so out, außer bei Islamisten und Hardcore-Nazis. Andere Rechtsextreme täuschen Solidarität vor, um gegen angeblich homophobe Muslime zu hetzen - das ist aber ein anderes Thema.
Jedenfalls begegnet uns auf den Straßen, in Clubs und Cafés zunehmend ein neues Männerbild. Sicherlich, hellrosa Stretchhosen und Slimfitshirts sind nicht jedermanns Sache. Bei den Herren verhält es sich nämlich genauso, wie bei der unterdrückten Hälfte der Menschheit: Einige stehen mehr darauf, sich selbst zu objektivieren, während andere sich nur in Cargohosen und Holzfällerhemden wohl fühlen. Nur waren helle Rottöne, Haarstyling, ausgeschnittene Shirts und Accessoires bei Männern verpönt. Die „Herrenmenschen“ hatten sich nicht zu objektivieren! Nur in Subkulturen, wie etwa der Gothik-, Punk- oder der SM-Szene konnten sie so sein, wie sie sind. Viele Männer führten regelrecht ein Doppelleben, da sie den Drang nach der Objektivierung nicht verdrängen wollten oder konnten. Das Ganze hatte etwas Anrüchiges. Dabei handelt es sich um eine ganz normale Neigung. Obwohl sich die Grenzen lockern, bleibt Objektivierung nach wie vor Frauensache. Ob Pumps, Rüschen, Spitzen, Dekolletee, Minirock oder Schleifen, Blümchen und Schmetterlinge - Frau kann gar nicht lächerlich genug aussehen. Zudem gilt es stellenweise sogar als Zeichen der Verwahrlosung, wenn sie kein Makeup trägt. Was bei den Unterdrückern verpönt ist, wird bei den Unterdrückten regelrecht gefordert. Schließlich soll auf den ersten Blick zu erkennen sein, wer ein Mensch erster Klasse ist und wer (noch?) gar nicht so recht zur Menschheit gehört. Das führt auf beiden Seiten zu Zwängen und Unwohlsein. Daher: Egal, wie man Jungs in den engen, grellen Hosen, mit ihren Zöpfen und Handtaschen, finden mag, sie sind ein positives Zeichen, quasi Vorboten des Zerfalls von verkrusteten Strukturen.