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15. August 2015 | Autor: JG

LIDL in Rumänien - Fluch oder Segen?

LIDL hat von einer Tochterfirma der Weltbank einen hohen Kredit erhalten, um nach Rumänien zu expandieren. Der deutsche Konzern sollte viel Positives für das Land bewirken. Wie verhält es sich mit der Umsetzung?

Länder, wo LIDL vertreten ist. // Quelle: Based on Image:Europe_location.png // Urheber: LugPaj / Update: Rosenzweig / GNU Free Documentation License / CC BY-SA 3.0
Länder, wo LIDL vertreten ist. // Quelle: Based on Image:Europe_location.png // Urheber: LugPaj / Update: Rosenzweig / GNU Free Documentation License / CC BY-SA 3.0

Der Erfolgskurs der LIDL Stiftung & Co. KG ist nicht zu stoppen: Der Konzern ist bereits in ganze Europa eine bekannte Marke. 2010 verschluckte er die Auslandstöchter der Marke Plus von Tengelmann. Aktuell belegt er nach der Edeka-, Rewe und Metro-Gruppe den vierten Platz im deutschen Lebensmittelhandel. In Rumänien ist er sogar die Nummer zwei! An erster Stelle steht die CBA, eine private ungarische Supermarktkette mit über 5000 Filialen in ganz Osteuropa. Aber wie hat es der deutsche Konzern überhaupt nach Rumänien geschafft? An dieser Stelle kommt die International Finance Corporation (IFC) in Spiel: Die Weltbanktochter hat LIDL einen Kredit von 67 Millionen Euro zukommen lassen. Damit sollte sich die Supermarktkette in dem Land ausbreiten, was sie auch fleißig getan hat. Mittlerweile gibt es in Rumänien rund 160 LIDL-Filialen.

LIDL als Rumäniens Wohltäter

Mit dem IFC sollte das deutsche Unternehmen zum Samariter des mittellosen Landes werden, in dem Armut und Verbrechen eine unzertrennliche Koalition eingegangen sind. LIDL sollte kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei helfen, sich auf dem Markt zu etablieren; bessere Chancen für regionale  Produzenten und Zulieferer schaffen, Arbeitsplätze bereitstellen und Produkte anbieten, die sich die rumänische Bevölkerung leisten kann. Dabei soll es sich nicht bloß um gute Vorsätze handeln, sondern um Auflagen des IFC, die an die Kreditvergabe gebunden sind.

Auflagen des IFC und gute Absichten von LIDL nur ein Täuschungsmanöver?

Wie sieht die Realität aus? Spanien, Niederlande, Polen, Afrika – genau wie aus den deutschen LIDL-Filialen bekannt: Nur knapp 30 Prozent der Produkte stammen aus regionalen Betrieben. An den landwirtschaftlichen Bedingungen liegt es nicht, diese sind geradezu hervorragend. In Rumänien wächst so ziemlich alles an Obst und Gemüse. Vielmehr liegt das Missverhältnis an den Hürden für einheimische Kleinunternehmer. Auch die Regalgebühren sollen zu hoch sein. Selbige waren nicht vorgesehen. Auf Anfragen von „Monitor“ leugnet der Konzern sie. Und von wegen Hilfe für kleine und mittelständischen Unternehmen: Seit der LIDL-Expansion mussten zahlreiche Regionalbetriebe schließen. Die einstigen Kleinbauern oder Lieferanten sind nun auf staatliche Hilfe angewiesen.
Was ist mit den wenigen rumänischen Kooperationspartnern von LIDL. Zu den Auserwählten zählen nur diejenigen, die billiger als billig produzieren. Der Konzern scheut auch nicht davor, kurzfristig von einem Vertrag zurückzutreten, sobald ein noch günstigerer potentieller Partner auftritt. Bereits für einen Euro pro Stunde rackern sich Feldarbeiter für den deutschen Konzern ab. Somit wäre auch das Kapitel mit den vielversprechenden Arbeitsplätzen abgedeckt, mit welchen das Unternehmen auf der rumänischen Website wirbt.

Griechenland wandert gegen Osten

Ginge es mit rechten Dingen zu, müsste sich die IFC beschweren. Aber anscheinend läuft alles nach Plan. Das Finanzinstitut mit Sitz in Washington D.C. gibt nur vor, mit seinen Krediten so etwas wie Entwicklungshilfe für den kleinen Mittelstand in ärmeren Ländern zu leisten. Wäre das der Fall, hätten die Unternehmen Gelder erhalten, die nun dicht machen mussten, nicht LIDL. Und LIDL ist keine Ausnahme: Die IFC hat Kaufland ebenfalls eine gehörige Summe geliehen: 300 Millionen zur Ausbreitung in Osteuropa.

Der Masterplan lautet also, Kredite an Großunternehmen zu vergeben, damit sie die Welt erobern können. Die Politik der Dienstleistungsstaaten lässt sich ohnehin nicht mehr von der Wirtschaft und ihren Konzernen trennen. Aber was passiert mit den „eroberten Staaten“? Ihre Zukunft können sie bereits an Griechenland beobachten. Sie werden verarmen, sich in Schulden verstricken und die Bevölkerung wird rebellieren. Irgendwann bekommen sie virtuelle Kredite, die direkt an ihre Gläubiger „ausgezahlt“ werden. Dafür werden sie dann ihre Souveränität aufgeben müssen.