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24. Dezember 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

Ist das der große Crash?

Kurz vor Weihnachten brach der Bitcoin ein und zog sämtliche andere Kryptowährungen ins Abseits. Ist die Blase geplatzt? Oder handelt es sich nur um eine natürliche Korrektur?

Bitcoin Crash / © Denys Rudyi - Fotolia.com
Bitcoin Crash / © Denys Rudyi - Fotolia.com

Am 20.12.2017 wurde die südkoreanische Kryptobörse ,Youbit, zum zweiten mal gehackt und machte dicht. Die Anleger, die ihr Wallet auf der Plattform hatten, gingen leer aus. Investoren sind seid da verunsichert. Der Bitcoin, der kurz davor die 20.000 Dollar-Marke durchbrochen hatte, stürzte auf 16.500 Dollar ab.  Daraufhin ging es weiter steil bergab bis er um den 22. und 23. bei 9.000 angelangt war. Mittlerweile erholt er sich leicht und pendelt zwischen 12.000 und 13.000 Euro. Am Vortag ist er bereits auf über 14.000 Dollar angestiegen, dann aber wieder gefallen. Als er den rasanten Absturz erlitt, zog er fast alle Kryptowährungen mit nach unten. Nur wenige, wie Ripple und Verge blieben davon verschont.

Mögliche Ursachen  für den Absturz des Bitcoins

Da wäre einmal die Sache mit der Börse in Südkorea. Aber das kann nicht alles gewesen sein. Jedenfalls hat sie den Coin zum Sinken veranlasst. Das wiederum muss eine Panikreaktion bei vielen Anlegern ausgelöst haben. Manche Menschen haben einfach keine Nerven fürs Traden. Jedenfalls sind einige Investoren abgesprungen, woraufhin es mit der digitalen Münze weiter bergab ging. Hinzu kommen die Menschen, die mal Geld brauchten, um fette Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Außerdem wird um die Weihnachtszeit weniger getraded.
Und dann gibt es da noch folgendes Phänomen: Wenige Superreiche halten fast den ganzen Besitzt in ihren Händen, während der Rest so vor sich hin dümpelt oder gar nichts hat. Das ist im realen Leben so und auch im virtuellen. Im Virtuellen ist es nur noch viel krasser. Das hat nun auch eine Studie des Portals Howmuch.net zur Aufteilung des Bitcoin-Vermögens hervorgebracht. Nur 4,11 Prozent der Investoren sollen 96,53 Prozent des gesamten Bitcoin-Aufkommens unter ihren Fittichen horten. Wenn da mal einer im gossen Stil digitale Münzen vom Markt abzieht geht's mit Karacho in den Keller.

Die Zukunft des Bitcoins und der anderen Kryptowährungen

Menschen geraten in Panik. Massenweise verkaufen sie ihre Coins unter Verlusten, um zumindest noch einen Rest ihrer Anlagesumme in Sicherheit zu bringen. Das führt zum weiteren Absinken des Kurses. Ein Teufelskreis. Der Einbruch beim Bitcoin hat dazu auch andere Kryptowährungen mitgerissen. Von einem Tag auf den anderen waren die Charts rot. Überall war ein Minus von rund 25 Prozent verzeichnet. Das Misstrauen in den Urgroßvater der digitalen Währungen hat auch das Vertrauen in seine Nachkommen geschwächt. Hinzu kommt, dass an den meisten Kryptobörsen nur mit Bitcoin bezahlt werden kann. Ein Unding, aber das ist ein Thema für sich. Jedenfalls traute sich niemand mehr Bitcoins zu kaufen, um sie anschließend in andere Krypowährungen umzuwandeln. Schließlich konnte der Kurs jede Minute weiter fallen. So erklärt sich der Absturz der restlichen Münzen.


Aber Marktkorrekturen hat es immer schon gegeben. Bei den Kryptowährungen war man das nur nicht gewohnt. Die Trader waren schon total verwöhnt von den dauernden Hochs. Außerdem hat man da eine andere Klientel als den typischen Trader. Erfahrene Trader gibt es sicher auch, aber die meisten Kleinanleger (also nicht die, die den Großteil des Handelsvolumen bei sich horten) sind Nerds und Newcomer. Dann findet man in der Szene noch ein paar gewiefte Reichbürger und Aluhutträgern, die dem Fiatgeld misstrauen. Einen etwas größeren Anteil stellen Multilevelmarkteer, die es bereits ihr Leben lang bemüht waren, alles was ihren Weg kreuzte, in Gold zu verwandeln und die damit endlich mal Glück hatten. Zudem begegnet man auf dem ein paar jungen Einsteigern, darunter sogar Schüler. Letztere gehen unvoreingenommen an die Sache heran und handeln damit fast wie die Erfahrenen. Die freuen sich über das Weihnachts-Rabbat-Special und Packen ihren Warencorb voll mit preiswerten virtuellen Münzen. Eine goldene Regel des Tradings besagt nämlich: günstig kaufen, teuer verkaufen. Bei dem Markt gibt es immer Gewinner und Verlierer. Die Gewinner werden sich schon in paar Wochen über die Panikverkäufe der Verlierer freuen. Da werden ihre Einkäufe nämlich im Wert steigen. Also ist das alles noch kein (Krypto)Weltuntergang, sondern nur eine natürliche Marktkorrektur.

Wann kommt der Crash?

Der kommt noch, bestimmt. Aber da werden nicht alle Kryptowährungen betroffen sein. Diejenigen, die einen Zweck erfüllen, etwa Geldwäsche, schnelle Transaktionen, weltweite Marktvernetzung, werden Bestand haben, bis sie von von ähnlichen mit besserer Technologie abgelöst werden. Auch diejenigen werden sich durchsetzen, deren Münzen quasi Aktion für zukunftsträchtige Projekte sind. Der Bitcoin hingegen wird irgendwann abdanken. Jetzt schon ist er nutzlos und hält seine Position nur aufgrund seines Platzhirsch-Characters. Aber er ist teuer, umständlich zu handeln, die Transfers sind total lahm und die Technologie ist veraltet. Die Währung, die einst durch Geldwäsche in die Höhe geschossen ist, erfüllt nicht einmal mehr diesen Zweck. Dash kann Transaktionen noch viel effizienter verschlüsseln und Verge ist bereits eine optimierte Version des Dash.

Der Kryptomarkt an sich wird jedenfalls nicht crashen. Es sei denn, bei einem Cyberangriff auf die halbe Welt. Aber dann haben wir eh andere Probleme, als Kryptocoins. Der Kryptomarkt ist in Wahrheit erst am Anfang. Das sieht man an seinem Volumen, seiner diffusen Organisation und den unübersichtlichen unprofessionell programmierten Kryptobörsen. Das wird künftig alles noch besser schneller und vielseitiger. Dazu werden auch Banken mit einsteigen. Das wird jetzt die Aluhuträger ärgern, aber für den Markt ist das ein Geschenk – für die Banken auch. Sie müssen ihr System mal anpassen. Mehrtägige Auslandstransfers sind in der heutigen modernen Zeit ein No-Go. Ferner sind die dezentralen Netzwerke, die Blockchains, eine technologische Errungenschaft, die in vielen Bereichen Anwendung finden wird.