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27. März 2018 | Autor: Jennifer Gregorian

Kaum Frauen auf dem Bau oder bei der Müllabfuhr

Nicht nur die Chefetagen weisen eine gläserne Decke auf, auch im mittleren sowie im niedrigen Lohnsektor gibt es Männerdomänen. Zum einen ist der Zugang für Frauen in diese Branchen erschwert, zum anderen treffen sie aufgrund ihrer Sozialisierung seltener die Wahl zu solch einem Beruf. Hier gibt es aber auch eine Doku über ein Positivbeispiel.

Positivbeispiel Frau bei der Müllabfuhr / Screenshot: ZDF-Doku
Positivbeispiel Frau bei der Müllabfuhr / Screenshot: ZDF-Doku

Nicht etwa, dass Frauen was gegen den Niedriglohnsektor hätten. Sie tummeln sich überwiegend dort, vor allem halbtags, um Zeit für kostenlose Hausarbeit zu haben, während ihre Herren Karriere machen. Aber das ist ein anderes Thema. Wenn schon Niedriglohnsektor, dann warum nicht Müllabfuhr? Da verdient man im Schnitt zwischen 17.000 und 20.000 Euro pro Jahr. Die Erklärung ist einfach. Müllabfuhr ist ein Knochenjob. Frauen sind ja angeblich von Natur aus schwach. Sie könnten so eine Mülltonne nicht heben und ausleeren. Ihre Natur erlaubt es nur, kranke, alte und oder behinderte Menschen zu heben, zu wenden und zu tragen, auch wenn diese weit über 100 Kilo wiegen. Außerdem ist es kein Problem, einen Kinderwagen, samt Kind oder gar Zwillingen zuzüglich 40 Kilo Einkäufen in die fünfte Etage zu schleppen. Sogar schwere Müllsäcke können sie transportieren, aber nur, als Angestellte einer Putzfirma, wenn sie in einem Bürogebäude, in einer Klinik oder einem Hotel tätig sind.
Und dann könnte man meinen, Frauen sind sauber, müssen schick aussehen, Deko sein, was hermachen. Sie können sich also nicht mit stinkendem Müll abgeben. Außer er befindet sich, wie dargelegt, in einem Hotel, einem Bürogebäude, einer Klinik oder einem Einkaufszentrum. Der Müll aus Wohnhäusern und Bahnhöfen ist nichts für Frauen, er stört ihre DNA. Weniger störend sind die Extremente von Kleinkindern sowie von älteren Pflegepersonen. Offene Wunden und Erbrochenes sind auch eher Frauensache. Das finden die Müllmänner wiederum zu eklig.


Nun ist hoffentlich allgemein klar geworden, dass es sich bei der Jobauswahl lediglich um Konventionen handelt, die überhaupt keinen realistischen Bezug haben. Wenn sich eine Frau bei der Müllabfuhr bewirbt, hat sie schlechte Karten. Allenfalls darf sie mit einer Zange Papiertücher von der Straße aufheben. Will sie allerdings als Pflegerin arbeiten und über 100 Kilo schwere Patienten transportieren und vom Krankenbett in den Rollstuhl hieven, ist sie herzlich willkommen.
Es ist aber mehr als der Sexismus der Arbeitgeber, Männer und Frauen halten selbst daran fest. Freiwillig bewerben sich kaum Frauen bei der Müllabfuhr und wesentlich mehr Frauen als Männer in der Pflege. Die Berufswahl hat viel mit Sozialisation zu tun. Kinder werden bereits in Richtung sogenannter "Frauen-" und "Männerberufe" konditioniert. Obwohl einige der "Frauenberufe" noch schwerer sind als die "Männerberufe" werden Frauen dazu animiert, während man sie auf dem Bau oder bei der städtischen Müllabfuhr eher belächelt.
Nicht nur bei Managerposten gibt es eine gläserne Decke, auch bei der Müllabfuhr und auf dem Bau existiert eine. Bis das biologische Geschlecht keine Rolle bei der Berufsauswahl mehr spielen wird, ist es noch ein weiter Weg.

Traumberuf Müllfrau – Doku über ein Positivbeispiel