Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie zu, dass wir Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen.

Suche öffnen
15. März 2018 | Autor: Jennifer Gregorian

Bitte keine Vergewaltigung in Deutschland auf der Straße

Heuchlerischer „Feminismus“ von Rechtsextremen

„Behaltet die Gräueltaten innerhalb der Familie und sperrt sie hinter die Landesgrenzen." So könnte der Aufruf rechter Presudofeministen und -feministinnen lauten.

Frauenkampftag Berlin, 8. März 2018 / SpIn
Frauenkampftag Berlin, 8. März 2018 / SpIn

Im Iran, Irak, Im Libanon, in Lybien, Syrien, im Jemen, … überall sind Vergewaltigung und auch Mord, rituelle Hinrichtungen, Folter etc. an Frauen und Mädchen gang und gäbe. Aber wehe, das passiert in Deutschland. In Deutschland ist nur die klassische Vergewaltigung in der Ehe erlaubt, obwohl sie seit wenigen Jahren als Straftat gilt. Viele Frauen erdulden sie dennoch, da sie sich aufgrund der Chancenungleichheit auf dem Arbeitsmarkt in einer wirtschaftlichen Abhängigkeitssituation befinden. Frauen verdienen in den gleichen Berufen über 22 Prozent weniger als Männer und ihnen bleiben gute Posten nach wie vor verwehrt. Auch psychische Abhängigkeit kommt nicht selten vor, da sie von klein auf erniedrigt und misshandelt werden. Aber selbst das ist okay. Hauptsache sie werden nicht von einem Fremden auf der Straße angefallen. Wobei, daran stört sich ebenfalls niemand. Es sei denn, der Angreifer ist ein Ausländer oder gar ein Flüchtling. Dann sieht die Sache ganz anders aus: Der Bastard hat sich nämlich an dem rechtmäßigen Besitz des deutschen Herrenmenschen vergriffen. Vergewaltigen dürfen nur Vater, Ehemann und Lebenspartner, solange sie hierzulande geboren sind und deutsche, oder zumindest europäische, Vorfahren haben. Aber auch wenn der Fremde ein Deutscher ist, wird die Sache nicht so breitgetreten. Schließlich soll das Bild des heroischen Ariers nicht getrübt werden. Nur wenn die dunkleren, kleinen „Invasoren“ seinen Besitz streitig machen, ist die Hölle los. Und dann wachen plötzlich auch die Frauen auf.

Rechtsextreme Frauen gehen auf die Straße

In letzter Zeit finden in Deutschland immer häufiger Demonstrationen von rechtsextremen Frauen statt (auf welchen weitaus mehr Männer zu sehen sind). Ihre Herangehensweise an das Thema sexualisierte Gewalt missachtet die Opfer: Sie lässt den Anschein aufkommen, dass derartige Delikte erst durch die Flüchtlingskrise 2015 importiert wurden und davor alles bestens gewesen sei. Dabei ist sexualisierte Gewalt gegen Frauen früher noch problematischer gewesen, als heute. Das liegt auf der Hand: Je patriarchaler eine Gesellschaft strukturiert ist, desto schlechter steht es um die Frauen. Laut einer Studie des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von 2004 wurde jede siebte Frau in Deutschland vergewaltigt oder sexuell belästigt. Das ist nur eines von vielen Beispielen, die aufzeigen, dass vor der Flüchtlingskrise nicht alles rosig war. Je weiter wir zurückgehen, desto dramatischer war die Situation der Frau auch in Deutschland. Vor nicht allzu langer Zeit, durfte der Ehemann sie nach Herzenslust vergewaltigen. Heute nehmen viele Frauen aufgrund von wirtschaftlicher oder psychischer Abhängigkeit das Martyrium hin. Einst durften Frauen nicht zur Polizei oder zum Militär. Noch früher mussten sie den Ehemann um Erlaubnis bitten, wenn sie arbeiten wollten. Und dieses „noch früher“ ist es, wo die Rechtsextremen hin wollen. Sehr wahrscheinlich wollen sie in die 30er zurück, als die Frau ihrem Herren und Gebieter das Essen bereitstellte, die Zeitung brachte und die Pantoffeln wärmte. Als ihre Bestimmung darin bestand, biodeutsche Soldaten zu gebären und es das Mutterverdienstkreuz noch gab. Folglich ist die Sorge der Protagonisten um Frauen heuchlerisch. Rechtsextreme wollen Frauen schließlich entrechten und ihnen Ketten anlegen, die vom Schlafzimmer in die Küche reichen. Sie weisen viele Parallelen zu fundamentalistischen Islamisten auf, also zu ihrem Feindbild. Folglich handelt es sich um Projektion. In den anderen wollen sie den Sexismus bekämpfen, den sie selbst propagieren. Dabei projizieren sie diese Haltung auf alle Muslime.


Ferner ignorieren die besorgten Wüteriche und ihr ängstlicher Anhang, dass die meisten Sexualdelikte innerhalb von Familien stattfinden. Auch all diese Opfer werden totgeschwiegen. Nur der Fremde, der Flüchtling, ist der wahre Vergewaltiger.

Es wäre fast zu schön gewesen: Frauen solidarisieren sich und demonstrieren gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt. Leider ist dem nicht so. Diese Bewegung ist von Männern initiiert und die Beteiligten wollen einen immensen Backlash für Frauen heraufbeschwören.

Wieso jetzt? Beweggründe der rechten Frauenbewegung

Jahrelang haben sie sich entrechten, knechten, foltern und vergewaltigen lassen und haben behauptet, es ginge ihnen blendend, besser könnte es gar nicht sein. Doch plötzlich, nach den Fake-News über vergewaltigende Flüchtlinge, tun sie sich zusammen und entdecken ihren Kampfgeist. Wieso jetzt? Wieso nicht schon immer? Und wieso wenden sie sich gegen eine Situation die größerenteils konstruiert ist. Sie haben mehr Chancen vom Blitz getroffen, überfahren oder von einem Ast erschlagen zu werden, als dass ein Flüchtling sie angreift. Das soll nicht heißen, dass es keine Flüchtlinge gäbe, die Frauen vergewaltigen. Nur ist die sexualisierte Gewalt gegen Frauen ein vielschichtiges globales Problem, wovon der Flüchtling nur einen winzigen Bruchteil, wenn überhaupt, ausmacht.  
Die psychologische Motivation für die Fokussierung auf diese Randerscheinung liegt in dem Applaus vom Herrenmenschen. Die Männer, ihre Peiniger zu denen sie eine Stockholm-Syndrom-Beziehung führen, stehen hinter der Sache, sie heißen sie gut. Also ist der Protest hoch pathologisch! Er ist eine Auswirkung der krassen Unterdrückung der Frau innerhalb der politisch Rechten. Diese Opfer haben ihre Unterdrückung so sehr verinnerlicht, dass sie sie nach außen propagieren. Es ist eine Methode um damit fertig zu werden. Sie solidarisieren sich auch mit den Tätern und sind daher stets bemüht, diesen zu gefallen. Hetzen die Herrenmenschen gegen Flüchtlinge und empfinden sie durch diese anderen Männer ihren Besitz in Gefahr, so schlägt dieser, also die Sklavinnen, in die gleiche Kerbe. Ähnliche Mechanismen kann man bei streng islamistischen Frauen beobachten: Unfähig ihre desolate Situation zu ändern, fangen sie an, sie gut zu heißen und nach außen zu propagieren. Somit sind Frauen oft die strengeren Sittenwächter und unterdrücken ihre Töchter rigoroser als die Väter und Brüder.

Der Protest ist heuchlerisch

Genitalverstümmelung., Zwangsehen, Ehrenmorde, … finden durch die Zuwanderung seit über 60 Jahren auch in Deutschland statt, Tendenz steigend. Politiker (meist Männer) haben die Augen verschlossen und Richter (zumeist Männer) haben kulturrelativistische Urteile ausgesprochen. Es fand ein Schulterschluss zwischen den deutschen, bzw. generell europäischen, und den ausländischen Frauenhassern statt. Erst durch Bemühungen von feministischen Organisationen sind die Verbrechen im Namen von Religion und Kultur mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.
Was wollen nun die Rechtsextremen Männer und Frauen, die diese Verbrechen thematisieren – und das auch noch viel zu spät? Sie wollen, dass diese Delikte nicht in Deutschland stattfinden. Okay, gebongt. Das Ziel soll damit erreicht werden, dass man die Grenzen dicht macht, nicht etwa dass Gesetze besser eingehalten werden und dass man eventuell neue Maßnahmen gegen diese spezielle Form der Verbrechen ins Leben ruft. Solange Frauen außerhalb der Landesgrenzen gequält werden, ist das für Rechtsextreme völlig in Ordnung.

 

Leila Bilge auf dem Holzweg

Leila Bilge, eine der Initiatorinnen dieser besagten „Frauendemos“, kann man den Vorwurf nicht machen, die Verbrechen in anderen Ländern zu ignorieren. Sie war und ist schließlich in vielen Ländern engagiert und setzt sich dort gegen Misshandlungen von Mädchen und Frauen ein. Allerdings bleibt es unverständlich, weshalb sie sich in Deutschland von der AfD instrumentalisieren lässt, die viele Parallelen zum Frauenbild des radikalen Islams aufweist, den Bilge (zurecht) verurteilt.