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07. Dezember 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

Schwache Frau schlägt Herrenmensch

Frauen werden nicht als Frau, bzw. Opfer, geboren, sondern im Patriarchat dazu gemacht. Ist aber von häuslicher Gewalt die Rede fühlen sich Männer plötzlich benachteiligt. Zu den Hintergründen:

Verletzter Mann / © LIGHTFIELD STUDIOS - Fotolia.com
Verletzter Mann / © LIGHTFIELD STUDIOS - Fotolia.com

„Frauen sind schwächer als Männer“. Kaum jemand würde dem Satz widersprechen. Vor allem Männer halten sich in allen Lebenslagen für die Überlegenen. Die statistisch etwas höhere Knochendichte und Muskelmasse wird seit jeher herangezogen, um Frauen als das „schwache Geschlecht“ darzustellen. Sie so darzustellen, hat aber nicht gereicht: Man hat sie hungern lassen. Dann hat man sie eingesperrt und in komplexe Kleidung gesteckt, damit ihre Motorik verkommt und die Glieder steif werden. Ein besonders krasses Beispiel hierfür ist Saudi Arabien. Dort erkranken Frauen sogar wegen des Bewegungsmangels. Aber auch in westlichen Gefilden sind viele nicht so mobil, wie Jungen oder Männer. Zusätzlich zu der körperlichen Unterdrückung, werden Frauen von Kindesbeinen an psychisch zur Schwäche konditioniert. So erklärt sich das heute oft gängige Bild eines Hänflings, der einer Walküre die Türen öffnet und die Koffer hinterher trägt.

Nun steht fest: Frauen werden systematisch schwach gemacht und erst langsam kommt eine Gegenbewegung zustande. Aber wozu der ganze Aufwand? Die Antwort liegt auf der Hand. Damit mann sie unterdrücken kann. So eine kostenlose Sklavin ist doch was Schickes. Natürlich liegt es nicht fern, diesen „Untermenschen", bzw. noch nicht einmal Menschen, zu schlagen, zu misshandeln, zu foltern und zu ermorden. Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass über 80 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt Frauen sind. Hinzu kommt eine sehr hohe Dunkelziffer. 


Bei einem kleinen Teil der betroffenen sind jedoch Männer die Leidtragenden. Prozentual am Gesamtanteil geschädigter Männer dürfte hierbei die Dunkelziffer höher sein als bei Frauen. Schließlich ist es peinlich von so einer „schwachen Lusche“ auf die Fresse zu kriegen. Wie geht das überhaupt? Dazu ist es eine Schande für de Gesamtheit der Herrenmenschen. Die betroffenen haben somit zwei gravierende Probleme: 1. Sie werden misshandelt. 2. Es ist eine große Schande, der soziale Ruin! Okay, Frauen, in der Situation, haben diese Probleme ebenfalls. Das Zweite wiegt bei ihnen jedoch nicht so schwer, da es normal ist, als „schwaches“, „dummes“, noch nicht zur Menschheit gehörendes Wesen malträtiert zu werden. Außerdem kann der Herrenmensch das. Er gilt ja als stark und über sie erhaben. Seine Geschlechtsgenossen sind dennoch bestürzt. So etwas darf man nicht! Der Mann sollte seine Sklavin auf Händen tragen und sie nur vergewaltigen, nachdem er ihr ein Haus gekauft hat und ihr regelmäßig Geschenke macht. Wenn sie nicht gut kocht, kann er ja mal mit ihr quatschen, da muss man doch nicht gleich zuschlagen. Und wenn die Brut missraten ist, muss man sich gemeinsam was überlegen. Auch eine verdreckte Bude ist kein Grund, auszuholen. Wenn sie allerdings fremdgeht, wird die Sache happig. Das bedeutet Besitzentzug. Da haben die anderen Besitzer schon eher Verständnis.


Aber kommen wir mal zurück auf den verprügelten Mann. Das ist dramatisch, keine Frage. Und jeder ist einer zu viel! Allerdings darf er sich wegen der enormen Peinlichkeit, die sein Schicksal beinhaltet, sowie wegen der hohen Dunkelziffer bei seinen Geschlechtsgenossen bedanken. Ein geschlagener Mann passt nichts ins Patriarchat. Eine geschlagene Frau gehört quasi dazu. Hier im Westen nicht so sehr. Hier soll der Mann nicht als Rüpel rüberkommen und stets nett sein zu seinen Untertanen. Aber in manch anderen Ländern gilt so eine Prügelstrafe oder gar Steinigung als abschreckendes Beispiel.

Da verwundert das dauernde Jammern der Herrenmenschen, sobald häusliche Gewalt gegen Frauen thematisiert wird. Da heißt es gleich: „Und was ist mit den Männern?“ „Männer werden auch geschlagen.“ oder gar „Männer werden noch häufiger Opfer häuslicher Gewalt.“. Was stimmt mit den Herren nicht? Sind sie masochistisch und können sich keine Domina leisten? Nein. Sie können es einfach nicht ertragen, wenn Frauen im Vordergrund stehen, wenn ihre Probleme thematisiert werden. Einige der Krakeeler sind sicherlich selbst Schläger und haben Angst um ihre vermeintliche Vorrangstellung. Von wegen: „Wenn man nicht einmal mehr in der Ehe vergewaltigen und schlagen darf, macht das Leben doch keinen Spaß mehr." Aber bleiben wir bei ersteren, die es nicht aushalten können, wenn Frauen mal die erste Geige spielen (Mischformen sind sicher in der Realität häufig anzutreffen). Sie wollen auch dabei sein, mehr noch: Sie wollen das Rennen machen. Dabei checken sie nicht, dass es bei dem Rennen keine Gewinner gibt. Der erste Preis beliefe sich nämlich auf einen Stapel Männerleichen, die von ihren Ehefrauen zu Tode geprügelt wurden. Das ist doch nicht erstrebenswert und außerdem: Wie lässt so ein Bild den starken, überlegenen Patriarchen dastehen? Die Protagonisten merken nicht einmal, dass es um ein Thema geht, dass an ihrem selbst inszenierten und krampfhaft aufrechterhaltenen Selbstbild enorm schadet. Außerdem passen die vielen misshandelten Männer doch nicht in die „Religion“ der betreffenden: Dort sind nämlich die Frauen die schwachen Opfer. Ein Teufelskreis! Da beißt sich der Herrenmensch in den Schwanz. Bei all dem Irrsinn, dessen Ironie sich nicht leugnen lässt, ist diese Debatte für die Opfer eine Katastrophe, ganz gleich ob männlich oder weiblich.

Also liebe Neider: Fresse halten, ihr seid peinlich! Und Frauen, wehrt euch!