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08. November 2016 | Autor: TERRE DES FEMMES

Endspurt beim CHANGE Plus Training gegen weibliche Genitalverstümmelung

BerlinerInnen kämpfen für Bewusstseinswandel in afrikanischen Communities

Pressemitteilung

Werkzeug ehemaliger Beschneiderinnen aus Ostafrika / Urheber: John Atherton / Quelle: Stone tools from Australia used for circumcision and clitoridectomy / CC BY-SA 2.0
Werkzeug ehemaliger Beschneiderinnen aus Ostafrika / Urheber: John Atherton / Quelle: Stone tools from Australia used for circumcision and clitoridectomy / CC BY-SA 2.0

Berlin, 09.11.2016. Seit August haben sich die CHANGE Agents regelmäßig in Berlin getroffen. Colette Tchoumbou, Tiranke Diallo, Evariste Franz Kapnang Tchaptchet, Fadhumo Musa, Fatou Diatta, Isatou Barry und Mai Ali sind BerlinerInnen mit afrikanischen Wurzeln und engagieren sich gegen weibliche Genitalverstümmelung, sprich Female genital mutilation/cutting (FGM/C). Die sieben sind TeilnehmerInnen des Projekts CHANGE Plus, das von der EU-Kommission kofinanziert wird und die Agents auf die Aufklärungsarbeit in ihren Gemeinschaften vorbereitet. Bereits jetzt, ein paar Wochen vor den letzten Trainings, haben sie viel gelernt. „Ich bin mir sicher, dass ich nach dieser Schulung wirklich fit sein werde und bei der Sensibilisierungsaktion auf alle Fragen der TeilnehmerInnen antworten kann“, erklärt Evariste Franz Kapnang Tchaptchet, einer der CHANGE Agents und der einzige Mann im Team.

Fadhumo Musa, die aus Somalia stammt und selbst von FGM betroffen ist, hat besonders das Training Anfang November zum Nachdenken gebracht. Christoph Zerm, niedergelassener Gynäkologe in Witten/Herdecke, klärte die CHANGE Agents über reproduktive Gesundheit und rekonstruktive Operationen bei von FGM/C Betroffenen auf. „Ich denke jetzt sogar darüber nach, eine Rekonstruktion bei mir selbst machen zu lassen, noch bevor ich anderen helfe, so dass ich ein lebendes Beispiel, ein Vorbild für sie sein kann“, erklärt Musa. Außerdem wies der Gynäkologe, der auch eine Sprechstunde für Betroffene anbietet, besonders auf die Folgen von FGM für Schwangere hin. 

Bevor die CHANGE Agents im kommenden Jahr afrikanische Communities in Berlin zum Thema FGM/C sensibilisieren und dazu beitragen, dass Mädchen nicht mehr beschnitten werden, werden TERRE DES FEMMES Fachreferentinnen Idah Nabateregga und Charlotte Weil die CHANGE Agents in zwei weiteren Trainings auf ihre Aufgabe vorbereiten. Am 12. November wird über Interventionsstrategien für den Schutz von gefährdeten Mädchen gesprochen. Beim Abschlusstraining am 19. November geht es vor allem um Standards für Communityarbeit und darum, wie die CHANGE Agents sich selbst während ihrer Arbeit schützen können, beispielsweise vor einer Retraumatisierung.

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Nach Hochrechnung von TERRE DES FEMMES vom Juni 2016 leben in Deutschland 48.000 beschnittene Frauen und mehr als 9.300 gefährdete Mädchen. Dies ist im Vergleich zu 2014 ein Anstieg um 37 Prozent bei den Betroffenen und um 57 Prozent bei den Gefährdeten. Diese Zunahme ist vor allem auf verstärkte Migration aus Ländern mit hoher FGM-Prävalenzrate, insbesondere aus Eritrea und Somalia, zurückzuführen. Nach Schätzungen des EU-Parlaments sind rund 500.000 Mädchen und Frauen in der Europäischen Union von weiblicher Genitalverstümmelung (FGM/C) betroffen sowie 180.000 weitere Mädchen und Frauen gefährdet. 

Wenn Sie als MedienvertreterIn an den Trainings teilnehmen wollen, wenden Sie sich bitte an TERRE DES FEMMES, Marion Brucker (Pressereferentin), Tel. 030/40504699-25, oder per E-Mail an presse@frauenrechte.de.

TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Frauenrechtsorganisation. Sie unterstützt von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen durch Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit, persönliche Beratung, Förderung von Projekten und internationale Vernetzung. TERRE DES FEMMES klärt auf, wo Mythen und Traditionen Frauen das Leben schwer machen, protestiert, wenn Rechte beschnitten werden und fordert eine lebenswerte Welt für alle Mädchen und Frauen – gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei! Unsere Schwerpunktthemen sind Häusliche und sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmelung sowie Frauenhandel und Prostitution. Der Verein wurde 1981 gegründet und finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse. Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Berlin. Weitere Informationen finden Sie unter www.frauenrechte.de