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09. Juli 2017 | Autor: Jennifer Gregorian

G20 - Hamburg im Ausnahmezustand

Viel erreicht durch bürgerkriegsähnliche Krawalle ... Die Ziele und Forderungen der Demonstranten dürfen aber nicht in den Flammen der Zerstörung untergehen!

Screenshot, Video: Spektakuläre Bilder vom G20-Protest in Hamburg / MOPO
Screenshot, Video: Spektakuläre Bilder vom G20-Protest in Hamburg / MOPO

Dicke Rauchschwaden winden sich aus der ansonsten idyllischen Hansestadt zum Horizont. Menschen fliehen vor den Flammen auf die Hausdächer und flehen die Polizei an, ihnen zu helfen. Doch diese kommt nicht durch. Sie kämpft sich nur mühsam von Brandherd zu Brandherd. Fahrzeuge brennen, Geschäfte werden geplündert, auf den Straßen sieht man eine Spur der Verwüstung. Solche Szenen kennt man aus Bürgerkriegen. In Hamburg herrscht der Ausnahmezustand.

Dabei sind die Forderungen der G20-Gegner berechtigt. Zumindest die Übergeordneten. Das wären kurz zusammengefasst: weniger militärische Einsätze, keine Ausbeutung der ärmeren Staaten, Umverteilung der Ressourcen (auch innerhalb der Teilnehmerstaaten sowie weltweit), fairer Handel, Optimierung der medizinischen Versorgung, Gleichstellung von Frauen und Männern sowie Klima- und Umweltschutz. In Hamburg treffen sich nämlich die Regierungschefs der reichen Staaten und beraten, wie sie die Welt untereinander aufteilen, ohne sich gegenseitig auf die Füße zu treten. Da muss man förmlich protestieren!
Aber die Ziele der Demonstranten geraten in den Hintergrund und werden verwässert. Die Kameras sind nur noch auf diejenigen gerichtet, die Hamburg in Schutt und Asche legen, ohne zu berücksichtigen, dass dort auch Menschen leben, und das einige von ihnen sich vor Ort Existenzen aufgebaut haben. Aber solange es nur das Fahrzeug erwischt, ist es halb so wild. Zumindest für diejenigen, die eine gute Kaskoversicherung haben. Die Versicherungsbranche und die Autoindustrie werden durch die Aktion Linksextremer ordentlich angekurbelt. Die armen Schlucker, deren olle, unversicherte Karre in Flammen aufgeht und die infolge nicht mehr zu ihrem Ausbeutungsjob gelangen, haben die Arschkarte. "Optimale" Kapitalismuskritik!

Was diese Zerstörungswut wahrscheinlich noch mit sich bringen wird: eine Verschärfung der Gesetze, mehr Überwachung sowie weniger Versammlungs- und Protestmöglichkeiten für friedliche Bürger, die ihre Meinung oder ihre Kritik kund tun wollen. Einige Menschen vermuten sogar, dass die Krawalle zu diesen Zwecken von staatlicher Seite angeheizt oder gar initiiert wurden. Das ist reine Spekulation, wäre aber nicht der erste solche Fall. Was aktuell Hamburg angeht, kann man aber mit Gewissheit davon ausgehen, dass der Terror tatsächlich von Linksextremen verursacht wurde. Vielleicht haben V-Leute sporadisch mitgemischt. Mag sein, oder auch  nicht. Das ist an dieser Stelle nebensächlich. Videos, Bilder und Augenzeugenberichte zeigen nämlich deutlich das zerstörerische Potential der Extremisten. Ihre Aktionen hätten sie mit oder ohne V-Leute sowie ohne eventuelle Provokationen durch die Polizei durchgezogen. Darauf haben sie sich schließlich lange im Vorfeld vorbereitet.

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Wie sehen es die Randalierer? Sie sind der Meinung, friedlicher Protest würde im Sande verlaufen und erst durch Gewalt könne man was erlangen. Und ihre Gewalt sei gar nichts, im Vergleich zu den Kriegen und der Ausbeutung, die andere Länder durch die G20 erfahren. (Quelle: Auswertungen von Interviews der Betreffenden und Gespräche mit einem Protagonisten) Mit Letzterem haben sie völlig Recht. Und mit ersterem auch: Schließlich haben sie mit Gewaltaktionen in der Nähe des Gipfeltreffens einiges erreicht: Angst, Wut und Unverständnis bei den Bürgern, selbst bei denjenigen, die mit den vorgeblichen Zielen des schwarzen Blocks bezüglich des G20-Gipfels konform gehen. Und wahrscheinlich folgt noch die oben erwähnte Gesetzesverschärfung.

Trotz all der berechtigten Aufregung sollte man im Auge behalten, dass es sich bei den Randalierern um einen Bruchteil der Demonstranten handelt. Über hunderttausend Menschen sind nämlich nach Hamburg gereist, um friedlich darauf hinzuweisen, dass ihnen die jetzige Konzeption der Weltpolitik sowie der Weltwirtschaft nicht zusagen. Die meisten stehen für eine Änderung der Verhältnisse ein, für ein Umdenken: weg von der Profitgier, hin zu mehr Menschlichkeit und Umweltbewusstsein. Das ist schon mal eine positive Bilanz!

Spektakuläre Bilder vom G20-Protest in Hamburg / MOPO