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13. Juni 2018 | Autor: TERRE DES FEMMES

TERRE DES FEMMES fordert: Keine Unterbringung von Frauen und Mädchen in Ankerzentren!

Pressemitteilung

Berlin, 13.06.2018. Die Frauenrechtsorganisation TERRE DES FEMMES – Menschenrechte e. V. kritisiert die geplanten Ankerzentren, da Frauen und Mädchen als besonders vulnerable Personen dort großen Gefahren ausgeliefert sind. Für geflüchtete Frauen und Mädchen, die meist Traumatisches erlebt haben, wäre eine mehrmonatige Unterbringung in solchen Zentren eine erneute Gefahr für Leib und Seele.

Drehscheibe Köln/Bonn Airport - Ankunft von Flüchtlingen von der deutsch/österreichischen Grenze / © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0
Drehscheibe Köln/Bonn Airport - Ankunft von Flüchtlingen von der deutsch/österreichischen Grenze / © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0

Auch die Gewerkschaft der Polizei hat sich gegen die Etablierung von Ankerzentren ausgesprochen (Pressemitteilung der GdP vom 25.04.2018). Wenn viele verschiedene Ethnien auf engstem Raum untergebracht sind, sind Konflikte und Gewalt vorprogrammiert. Unter diesen leiden am meisten die Frauen und Mädchen. Für ihren Schutz muss gesorgt werden. Außerdem müssen die Kinder weiterhin zur Schule gehen dürfen. Auch Deutschkurse und andere Integrationsangebote sollten angeboten werden.

Erste Berichte aus Bundesinnenminister Seehofers Muster-Ankerzentrum in Manching weisen katastrophale Zustände für Frauen und Mädchen auf. Weder Hebammen, noch FamilienberaterInnen oder ehrenamtliche RechtsberaterInnen erhalten Zugang. Dabei ist rechtliche Beratung und psychologische Unterstützung besonders für Frauen, die wegen geschlechtsspezifischer Verfolgung wie Zwangsehen, weiblicher Genitalverstümmelung, Gewalt im Namen der Ehre oder LGBT-Angehörigkeit fliehen mussten, sehr wichtig. Gerade Mädchen und Frauen werden auf der Flucht Opfer von sexualisierter Gewalt und benötigen psychosoziale Unterstützung.

Laut einer Studie der Charité Berlin vom Februar 2017 sind Mädchen und Frauen in Sammelunterkünften oft sexueller Belästigung ausgesetzt. Unserer Erfahrung nach fühlen sich Frauen und Mädchen in der Unterkunft gezwungen, Kopftuch zu tragen oder sich komplett zu verschleiern, um unangenehme Kommentare, Bedrohungen und sexuelle Gewalt durch Männer zu vermeiden. Sie fühlen sich beobachtet, kontrolliert und den Männern schutzlos ausgeliefert. Die ständig drohende Abschiebung und mangelnde Privatsphäre führen zusätzlich zu einer hohen psychischen Belastung.

Nach meist monatelanger Flucht und Aufenthalten in verschiedenen Asylunterkünften benötigen Frauen und Mädchen eine sichere Bleibe, in der sie sich frei bewegen, essen und kochen können. Diese Massenunterkünfte verhindern Integration und vermitteln den weiblichen Geflüchteten das Gefühl, eingesperrt zu sein. Sie sind weit davon entfernt, gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei leben zu können. Wir fordern: Keine Unterbringung von Frauen und Mädchen in Ankerzentren!

TERRE DES FEMMES
Menschenrechte für die Frau e. V.
Brunnenstr. 128 • 13355 Berlin
Tel. 030 40504699-0 • Fax 030 40504699-99
E-Mail: info(at)frauenrechte.de
www.frauenrechte.de

TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Frauenrechtsorganisation. Sie unterstützt von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen durch Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit, persönliche Beratung, Förderung von Projekten und internationale Vernetzung. TERRE DES FEMMES klärt auf, wo Mythen und Traditionen Frauen das Leben schwer machen, protestiert, wenn Rechte beschnitten werden und fordert eine lebenswerte Welt für alle Mädchen und Frauen – gleichberechtigt, selbstbestimmt und frei! Unsere Schwerpunktthemen sind häusliche und sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat und Ehrverbrechen, weibliche Genitalverstümmelung sowie Frauenhandel und Prostitution. Der Verein wurde 1981 gegründet und finanziert sich durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse. Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in Berlin. Weitere Informationen finden Sie unter www.frauenrechte.de