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26. Januar 2016 | Autor: Jennifer Gregorian

Keine Vergewaltigung ohne Trauschein – wie wir den Flüchtlingen Gleichberechtigung beibringen

„Wir müssen den Neuankömmlingen klar machen, dass bei uns Frauen und Männer gleichberechtigt sind.“ Diesen oder ähnliche Sätze hört man heutzutage immer wieder. Aber was wollen wir den jungen Männern wirklich beibringen? Und seit wann sind Frauen und Männer in Deutschland gleichberechtigt?

Flüchtlinge in Ungarn in der Nähe der serbischen Grenze // Quelle: http://szegedma.hu/hir/szeged/2015/08/migransok-szazai-ozonlenek-roszkerol-szegedre.html / Urheber: Gémes Sándor/SzomSzed / CC BY-SA 3.0
Flüchtlinge in Ungarn in der Nähe der serbischen Grenze // Quelle: szegedma.hu/hir/szeged/2015/08/migransok-szazai-ozonlenek-roszkerol-szegedre.html / Urheber: Gémes Sándor/SzomSzed / CC BY-SA 3.0

Frauen dürfen in Deutschland allein auf die Straße gehen, zumindest tagsüber und dort wo viel Betrieb ist, aber auch nicht zu viel. Sie dürfen allein ins Café. Sie dürfen entscheiden, was sie anziehen, zumindest glauben sie das. Und sie können frei entscheiden, wen sie heiraten möchten, es sei denn der Mann ist eine besonders gute Partie. Das alles mag für so manche Hinterwäldler, die Mütter, Tanten, Schwestern und Ehefrauen nur verhüllt und ans Haus gekettet erlebt haben, schon viel sein. Diejenigen müssen sich hier erst mal akklimatisieren.


Für alle anderen, „normal patriarchalischen“ Männer dürfte die Umstellung nicht so groß sein. Man müsste ihnen nur aufzeigen, dass das Ganze gar nicht so „schlimm“ ist, wie es sich anhört und dass die Gleichberechtigung in Wirklichkeit nur eine Farce ist: Frauen in Deutschland verdienen in den gleichen Berufen rund 20 Prozent weniger als Männer. Der Zugang zu Führungspositionen ist ihnen verwehrt. Dazu wird es positiv sanktioniert, wenn sie sich selbst erniedrigen, z. B. indem sie sich entblößen und zum Objekt machen. Eine ganze Modeindustrie lebt davon, immer entwürdigendere Kleidung für die Frau auf den Markt zu bringen. Nach 22 Uhr sollten die Damen das Haus besser nicht verlassen, zumindest wenn sie keinen Beschützer/Besitzer an der Seite haben, weil deutsche Männer sich schwer im Griff haben, sobald es draußen dunkel wird. Aber auch schon tagsüber gibt es No-go-Areas: zum Beispiel Unterführungen, verlassene Parkanlagen, Tiefgaragen, Keller uvm. Das heißt, wenn keine Gefahr besteht, gesehen zu werden, greifen die Herren zu. 


Auch wo zu viele Menschen sind, ist es nicht ratsam, sich als Frau aufzuhalten. Zum Beispiel beim Karneval, beim Oktoberfest, bei Silvesterpartys oder anderen größeren Festen – dort werden häufig Frauen belästigt und vergewaltigt. Ein voller Bus ist ebenfalls ungünstig. Männer nutzen da nämlich die Gelegenheit und die Anonymität, um Frauen zu begrapschen.

Frauen wird Schwäche anerzogen. Das ganze Leben lang suggeriert man ihnen, schwach zu sein. So kommen sie nicht einmal auf die Idee, sich gegen Angreifer oder gar gegen gewalttätige Besitzer zur Wehr zu setzen. Man hat hierfür den Mythos des „schwachen Geschlechts“ konstruiert, an den die Mehrheit in Deutschland glaubt. Kein Wunder, dass jede zweite Frau mehr als einmal im Leben Opfer sexueller Gewalt wird.


In sexistischen Fernsehsendungen, wie „Germany's next Topmodel", „Der Bachelor“, „Bauer sucht Frau“, „Frauentausch“ uva. wird ein problematisches Rollenbild der Frau täglich in die Wohnstuben transportiert und zementiert. Je nach Altersklasse müssen sie sich als sexy Objekt oder als kostenfreie Haushaltshilfe bewähren.

Zwei Drittel der weiblichen Arbeit besteht laut dem Statistischen Bundesamt aus unbezahlter Hausarbeit und Kinderbetreuung. Bei Männern beträgt die unbezahlte Arbeitszeit nicht einmal ein Drittel und beschränkt sich weitgehend auf leichte Reparaturen.

In Deutschland ist es für viele Frauen immer noch eine Option, ihren Körper zu verkaufen. Da muss man sich fragen, was mit unserer Gesellschaft nicht stimmt. Der Extremfall der Erniedrigung und Ausbeutung ist jedoch die Zwangsprostitution, die hierzulande geduldet wird. Zumindest hat die Polizei kaum eine Handhabe dagegen. Die heftigste Form der Zwangsprostitution findet sich im rituellen Missbrauch und an diesem sind alle Gesellschaftsschichten beteiligt. Die Täterkreise ziehen sich durch Politik, Wirtschaft, Justiz und Polizei.


„Vergewaltigung ohne Trauschein dulden wir hier nicht!“ Das war die Message von Horst Seehofer im Anschluss an die Verbrechen der Silvesternacht. Anscheinend hat er noch nicht mitbekommen, dass Vergewaltigung innerhalb der Ehe seit 1997 strafbar ist. Damit dürfte er nicht allein sein. Bleibt nur zu hoffen, dass seine Frau darüber auch noch nicht auf dem aktuellen Stand ist. Wahrscheinlich hat Seehofer schon verdrängt, dass er Ende der 90er vergebens vehement gegen die Gesetzesneuerung gestimmt hat. „Wenn nicht in der Ehe, wo darf man denn dann noch vergewaltigen?“, muss er sich gedacht haben.

Wenn unsere Politiker sich schon in dieser Form äußern, was können wir da noch gegen Männer sagen, die Frauen gemäß dem Koran züchtigen?


Fazit: Die Neuankömmlinge dürften sich hier gar nicht so fehl am Platz fühlen, es sei denn, sie stammen aus fundamentalistisch islamistischen Strukturen. Fakt ist: Wir sowie die jungen Männer (und auch die Frauen) aus dem arabischen Lebensraum müssen in Sachen Gleichberechtigung noch ganz viel lernen.