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05. Juni 2009 | Autor: JG

Emme versus Barbie

Die Mattel-Puppe hat eine Konkurrentin: Der Puppendesigner Robert Tonner hat 2002 eine außergewöhnliche Puppe auf dem Markt gebracht, angefertigt nach dem Vorbild des erfolgreichen Models Melissa Miller.

Melissa Miller / Foto: Robert Tonner
Melissa Miller / Foto: Robert Tonner


Melissa Miller (USA), circa 40 Jahre alt, wiegt bei einer Größe von 180 Zentimetern etwa 86 Kilo und trägt Größe 44. Der Kosmetikkonzern Revlon hat sie als erstes „full-size“ Modell unter Vertrag genommen. Bereits zweimal wurde sie vom People Magazine unter die 50 schönsten Menschen des Jahres gewählt.
Die bezaubernde Emme ist eine 40 Zentimeter große Miller-Imitation. Angesichts des „Schönheits“-Terrors ist die Kreation des Puppendesigners Robert Tonner eine geradezu revolutionäre Idee.

Die Emme-Puppe hat eine Message

Die Puppe soll jungen Mädchen zu einem gesunden Verhältnis zu ihrem Körper verhelfen. Sie ist das Gegenteil zu Barbie, die nur einen verschwindend geringen Teil der Frauen repräsentiert. Britischen Psychologen zufolge soll die Identifizierung mit der überschlanken Mattel-Puppe mit der Wespentaille und dem Atom-Busen das Selbstbewusstsein von Mädchen nachhaltig beeinflussen. Bereits Fünfjährige sollen betroffen sein! Sogar Essstörungen sollen darauf zurückzuführen sein.
Emme richtet sich gegen die vielfältigen Manifestationen dieses „Schönheits“-Terrors, wie beispielsweise lebendige Kleiderständer (Models), die sich von Watte und Papiertaschentüchern ernähren, in size 0 passen und in jungen Jahren dem Hungertod erliegen. Daneben leiden zahlreiche weitere Frauen unter dem allgemeinen „Schönheits“ideal.
Dem möchte Miller entgegenwirken. Neben ihren Aktivitäten als Beauty-Fernsehhost und Autorin engagiert sie sich in Essstörungs-Organisationen. Das Modell sieht die Puppe sowie die eigene Präsenz in der Öffentlichkeit als wichtige Botschaft für Nicht-Dünne in Hinsicht auf ein gesundes Selbstwertgefühl.

 

Emme hat einen stolzen Preis

Die Miller-Miniatur konnte sich noch nicht effektiv gegen Barbie durchsetzen, die schon ihren 50. Geburtstag feiert. Es wurden auch erst 6 000 Exemplare hergestellt. Der Grund: ihr stolzer Preis. Eine Puppe kostet zwischen 100 und 125 Euro. Für mehr Popularität ist demnach eine Preissenkung unerlässlich.

Das Idealbild nur ausgetauscht

Melissa hat Recht: Mädchen brauchen neue Vorbilder. Doch Emme wird in diesem Zusammenhang vorgeworfen, vorherrschende Ideale nur zu ersetzen anstatt sie zu dekonstruieren. Schließlich wurde sie nach dem Bild einer weißen Frau und dazu noch einer – bis auf die Maße – im normativen Sinne makellosen Schönheit angefertigt. So werden sich dunkelhäutige, indogene, asiatische, … oder behinderte Mädchen kaum durch sie repräsentiert fühlen. Eine einzige Puppe vermag gewiss nicht die reale Vielfalt wiederzugeben. Folglich läuft der Vorwurf ins Leere. Miller und Tonner hatten nun mal die brillante Idee und haben sie umgesetzt. Und Miller sieht nun mal so aus, wie sie aussieht. Immerhin hat Emme es geschafft das Repertoire an Idealen zu erweitern. Die Hoffung, sie würde einst ihre realitätsferne Konkurrentin aus dem Weg räumen, ist leider viel zu optimistisch.

Wir brauchen mehr Puppen

Um den Hierarchien, der Diskriminierung aufgrund von Äußerlichkeiten und der Instrumentalisierung von Frauenkörpern entgegenzuwirken, müssten noch Milliarden von Puppen „geboren werden“. Sie sollten an reale Menschen angelehnt sein. Vor allem mangelt es an männlichen Puppen, ganz zu schweigen von Puppen ohne eindeutige Genderidentität. Eine Marktlücke, die eine ehrenwerte Aufgabe und zugleich eine große Chance für Puppendesigner darstellt.