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17. September 2018 | Autor: SpIn

Deutscher ersticht Marokkaner

Keine AfD-Demo, kein „Trauermarsch“, keine Hitlergrüße, nur Stillschweigen

Beispielbild Messerangrigff /© SecondSide - Fotolia.com
Beispielbild Messerangrigff /© SecondSide - Fotolia.com

Am 14.09.2018 erstach ein 17-jähriger Deutscher einen 19-jährigen Marokkaner in Bad Soden-Salmünster (Hessen). Der Täter fügte seinem Kontrahenten, laut der Staatsanwaltschaft von Hanau,  mehrere Messerstiche in den Hals, oberhalb des Schlüsselbeins und in die Arme zu. Die beiden sollen um ein Mädchen gestritten haben. Weitere Hintergründe zur Tat sind nicht bekannt. Der 17-Jährige ist wegen Totschlag angeklagt und befindet sich in Untersuchungshaft.  

Warum wir den Fall erwähnen: Nein, wir werden nicht damit anfangen, Verbrechen aus Polizeimeldungen in regelmäßigen Abständen zu veröffentlichen. Und wir wollen den tragischen Fall auch nicht instrumentalisieren. Es geht nur darum, aufzuzeigen, wie selektiv die AfD und andere Rechtsextreme bei Gewalttaten vorgehen. Keine Demo, keine Hetze, keine Hitlergrüße und das ach so beunruhigte und traurige „Volk“, die guten, lieben Bürger von nebenan, die ja nichts mit Nazis zu tun haben und weder in Chemnitz noch in Köthen welche gesehen haben (wahrscheinlich, weil keine Spiegel aushingen), trauern jetzt gar nicht. Das Opfer ist ihnen total egal, ebenso wie Daniel H. und Markus B., die bedauerlicherweise mit Hassdemos „betrauert“ wurden.

Den Rechtsextremen geht es darum, den Anschein eines Problems zu schaffen, Angst zu schüren und anschließend zu behaupten, es gäbe eine Lösung dafür und die würden nur sie allein bereitstellen. In dem Fall pushen sie einige reale Verbrechen durch Flüchtlinge, erfinden hunderte dazu, behaupten, die Geflohenen seien überproportional gewalttätig, schüren Ängste und bieten die Lösung: Grenzen dicht, Remigration und KZ-Wiederinbetriebnahme. Letzteres noch nicht offiziell, nur in internen Foren. Soviel zu den Strippenziehern. Das Fußvolk suhlt sich in seiner vorgetäuschten Trauer und hat Angst. Als ZDF-Reporterin Dunja Hayali eine Frau auf dem so called „Trauermarsch“ in Chemnitz interviewte, schrie diese sie an: „Meine Angst lasse ich mir nicht nehmen!“ Diese Szene ist exemplarisch! Das Volk braucht die Angst als verbindendes Element und daraus erwächst dann Wut und der Wunsch sich zu verteidigen, wo es überhaupt keine reale Bedrohung gibt. 

Dabei ist Deutschland so sicher, wie seit 1993 nicht mehr. 2017 ist die Anzahl der registrierten Straftaten, laut Polizeistatistiken, um 10 Prozent gesunken. Die Anzahl der Tatverdächtigen (nicht der erwiesenen Straftäter) ohne deutschen Pass ist um 22,8 Prozent zurück gegangen. Kein Wunder, dass die Messerattacken durch Flüchtlinge der AfD nicht ausreichen. Auf ihrer Seite führt sie eine Liste darüber, auf welcher 87 Prozent der Fälle falsch sind. Entweder waren es keine Messerstechereien oder die Herkunft der Täter ist unklar. Das haben zwei Aktivisten in sorgfältiger Recherche ermittelt und die Ergebnisse auf dieser Excel-Datei festgehalten: https://docs.google.com/spreadsheets/d/1EGun6W2DNJjJVk29SwadAj9dKGOqL900Lh5d4bJcyQU/edit#gid=0

Das Grundproblem bleibt aber bestehen: Das selbsternannte „Volk“ ist faktenresistent und will die Lügen glauben. Bei Zweifeln droht der Rausschmiss aus der Sekte. Und diese ist seit 2015 zum Lebensmittelpunkt geworden. Wir haben es also mit einem psychologisch-pathologischem Massenphänomen zu tun.