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09. Juli 2015 | Autor: JG

Das vegane Menü der deutschen Bahn

Noch vor einem halben Jahr hieß es: „Was ist vegan?“ „Nie gehört.“, „Das haben wir nicht.“, obwohl das Menü medienwirksam angekündigt wurde. Inzwischen ist es da, sogar mehrere Gerichte sind erhältlich. Aber wie schmecken Sie?

Glasnudelsalat mit Tofu // SPIN
Glasnudelsalat mit Tofu // SPIN

Das Highlight sind die Glasnudeln mit Tofu. Allerdings beinhalten sowohl die Nudeln als auch der Tofu Zucker. Was der da verloren hat, bleibt fraglich. Nun ja, er ist halt ein Geschmacksträger. Als hätte der nicht gereicht, enthalten beide Produkte auch noch chemische Geschmacksverstärker. Chemie, und sogar wesentlich mehr davon, ist allerdings in so ziemlich allen Gerichten enthalten. Vor allem in der Salami und im Gauda summieren sich die „E“. Von wegen, vegane Produkte seien „unnatürlich und stark chemisch verändert“. Diese haltlosen und dennoch hartnäckigen Vorurteile stammen in der Regel von Menschen, die sich jeden Morgen ein Weißbrot mit Chemiewurst reinziehen. Wurst wächst nun mal nicht auf dem Baum. Also ist tierische Wurst mindestens so unnatürlich wie die vegane Wurst. Und hin und wieder sind beide (Letztere jedoch weniger, da in der Regel Bio) mit Chemie „verfeinert“.
Aber nun zurück zur Bahn: Woher weiß man, was in den Gerichten enthalten ist? In den ICE-Zügen gibt es Heftchen mit Zutatenlisten – ein großer Pluspunkt! Noch besser wäre es, wenn die Makronährstoffe ebenfalls aufgelistet wären.

Nun zum restlichen kulinarischen Angebot der Bahn: Der gemischte Salat könnte gut sein, insofern man der Zutatenliste glauben schenken kann. Jedenfalls ist der Salat vegan, zumindest wenn man nicht Thunfisch oder Hähnchen dazu bestellt. Außerdem ist er chemiefrei, außer man isst ein Stück Tofu dazu, denn das ist der gleiche Zucker-Chemie-Tofu, der auch zu den Glasnudeln serviert wird.
Dann gibt es noch eine Backkartoffel mir Soure Cream. Anscheinend hat man bei der Bahn noch nicht mitbekommen, dass mindestens seit einem Jahrzehnt pflanzliche Sahne, Cuisine, Creme fraiche, Joghurt, … auf dem Markt existieren. Die vegane Variante für stolze 8,90 Euro, ist nämlich ohne alles. Ebenso, die Penne zum gleichen Preis, dafür sind sie Bio. Wenn man bedenkt, dass eine Packung Bio-Penne etwa 90 Cent kostet – ein „Schnäppchen“! Kartoffeln oder Nudeln mit nichts tue ich mir nicht an, das ist ja wie im Krieg. In der heutigen politisch brenzligen Situation wäre es vorausschauend so etwas zu essen, aber auch deprimierend.
Bei den Desserts gibt es dann einfach mal nichts und Kaffe müssen die Pflanzenfresser auch schwarz trinken.
Wenn man also nicht Low Carb macht (Salat), bleibt nur das Glasnudelgericht für 8,90, mit Tofu für 11,90.

Glasnudelsalat mit Tofu im Test

Anscheinend wird das Glasnudelmenü nicht so oft bestellt: „Wo ist der Tofu?“, fragt eine Angestellte. „Neben der Hähnchenbrust.“, informiert sie ein Mitarbeiter ganz selbstverständlich in gelangweiltem Ton.
Das Menü sieht besser aus als es ist. Die Nudeln sind klein geschnitten und bereits ziemlich aufgeweicht. Wahrscheinlich schwimmen sie schon länger in der süß-sauren Glibbermasse, die recht unappetitlich ist, optisch wie geschmacklich. Das Gemüse besteht aus klein gehackten eingelegten Paprika, Möhren, Pilzen und noch irgendwas, vielleicht Sellerie. Doch da in Essig und Zucker oder Ähnlichem eingelegt, lässt sich der Ursprungszustand der Pflanze nicht so einfach ausmachen. Ich habe auch schon verdrängt, was es war, obwohl es auf der tollen Liste steht.

Eine coole Idee, dem Glasnudelsalat Cashwes beizumischen, geschmacklich sehr eindrucksvoll! Das werde ich übernehmen.
Wenn man die Zutaten nicht einsehen könnte, würde man die Chemie vielleicht gar nicht rausschmecken, den Zucker aber schon, sogar ziemlich deutlich. Die Nudeln taugen also nicht viel (bis auf die Symbiose mit den Cashews). Mein Urteil fällt eventuell etwas hart aus, da ich kein Süß-Sauer-Fan bin und dazu ziemlich verwöhnt, was Essen angeht. Aber selbst der Tofu, den ich ansonsten sehr gerne esse, vermag das Ganze nicht aufzuwerten. Die zwei warmen Tofuscheiben (kalte hätten zu dem Gericht besser gepasst) schmecken trotz der vielen Geschmacksverstärker nach gar nichts. Wie man das hinbekommt, bleibt rätselhaft. Dafür haben sie eine, ebenfalls geschmacksneutrale Fettschicht am unteren Rand.

Also liebe Veggies, wenn Euer Zug außerplanmäßig für mehr als einen Tag in der Pampa stehen bleibt und ihr nichts zu essen dabei habt, werdet ihr nicht verhungern. Ansonsten gibt es keinen plausiblen Grund, sich das Menü anzutun, allenfalls wegen zu viel Geld, Langeweile oder einem Artikel.
Aber was das vegane Angebot der Bahn angeht, ist das schon mal ein Anfang – der gute Wille zählt. Weiter so!