Mit der Nutzung unserer Webseite stimmen Sie zu, dass wir Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen.

Suche öffnen
08. September 2018 | Autor: Jennifer Gregorian

Streicheleinheiten für Neonazis

Kommentar zu Dunja Hayali und den Umgang mit dem rechten Mob im Allgemeinen

Screenshot: Meuthen und Göring-Eckardt über Chemnitz - Streitgespräch bei Dunja Hayali vom 05.09.2018 | ZDF
Screenshot: Meuthen und Göring-Eckardt über Chemnitz - Streitgespräch bei Dunja Hayali vom 05.09.2018 | ZDF

2017 wurden in Deutschland 405 Menschen ermordet ( Quelle: Statistika). Das sind zumindest die identifizierten Morde. 2018 dürfte die Anzahl ähnlich ausfallen. Von den Opfern bekommen allerdings nur wenige eine Hassdemo. Hierfür müssen die Täter mindestens Migrationshintergrund haben, am besten aber, sie sind Flüchtlinge aus einem muslimischen Land. Da spielt es auch keine Rolle, dass das Opfer sich für Flüchtlinge engagiert hat, wie etwa Maria L. aus Freiburg. Besonders übel hat es Daniel H. erwischt: Der Deutsch-Kubaner, mit dunkler Hautfarbe, hat sich stets gegen Rassismus eingesetzt und musste sich, laut seinem besten Freund, oft mit den Naziglatzen prügeln. Nun veranstalten eben diese Kandidaten Hassdemos für ihn, mit nackten Ärschen, Hitlergruß und Hetzjagden. Die Demos richten sich nicht gegen ihn als Antifaschisten, das hätte noch einen Tick Würde. Stattdessen dementieren die stramm Rechten, dass ein deutscher Staatsbürger durch zwei Flüchtlinge umgebracht wurde. Dabei nehmen die Neonazis keinerlei Rücksicht auf die Hinterbliebenen. Daniel H. hat eine Frau und ein Kind zurückgelassen. Die Frau verwies bereits des Öfteren darauf, dass er das nicht gewollt hätte. Vergebens! Die Instrumentalisierung läuft. Es ist pervers, abscheulich! 

Dann tritt auch noch ZDF-Reporterin Dunja Hayali auf den Plan und spricht mit den Randalierern. Sie bringt, in gewohnter Manier, enormes Verständnis für den wütenden Mob auf. Wieso spricht sie nicht mit seiner Familie und seinen Freunden und verurteilt dieses skurrile Szenario der Rechtsextremen? Im Gegenteil: In einer Gesprächsrunde zu Chemnitz, vom 5. September 2018, fordert sie von Katrin Göring-Eckard (Grüne) geradezu Verständnis für die "friedlichen Demonstranten" ein. Und die Grünen Politikerin beteuert auch noch brav ihr Verständnis. Dann appelliert die ZDF-Moderatorin dazu, zwischen den friedlichen Demonstranten und den "Kanaken raus"-Grölern zu differenzieren. Aber was zur Hölle gibt es da zu differenzieren? Es ist nicht etwa so, dass es sich um eine ganz normale Demonstration gehandelt hätte, bei der nun bedauerlicher Weise auch paar Neonazis dabei waren. Die so called Demo wurde von Neonazis organisiert. Neonazis waren die Initiatoren! Um genau zu sein, zur ersten Demo hatte die AfD aufgerufen, eine faschistische, rassistische Organisation. Organisiert wurde das viel diskutierte Event von "Pro Chemnitz" und PEGIDA, beides rassistische, nationalistische Organisationen. Wer also bei so einer Demo mitläuft, ist rechtsextrem. Es sei denn, er ist psychisch behindert und weiß nicht, wo er sich befindet; er leidet an Amnesie oder er versteht die Sprache nicht und landet zufällig mitten in der Demo. 

Folglich gibt es nichts zu differenzieren. Wir haben lediglich unterschiedliche Typen auf so einer Nazi-Demo: Da sind die Altnazis, die sich aufgrund ihrer körperlichen Kompetenzen eher gechillt geben, die fitten und fetten Kampfglatzen, die Schreibtischtäter und die Organisatoren, die Checker eben, die alles lenken und leiten. Also Nazis mit Jeans, mit Springerstiefeln und mit Nadelstreifen. Die Szene ist eben vielfältig. Da muss man diejenigen, die nicht mehr die körperliche Fitness für Hetzjagden mitbringen, oder sie schlichtweg nicht nötig haben, nicht bauchpinseln. 

Es ist nicht nur Dunja Hayali, die mit ihrem Verständnis für Nazis glänzt (wobei sie generell gute Arbeit macht), auch der Rest der "Lügenpresse" ist verunsichert. Viele haben sich über Jahre einen Maulkorb verpassen lassen und es nicht einmal gewagt, Neonazis als "Rechtspopulisten" zu bezeichnen, wobei diese Bezeichnung bereits irreführend ist. Später, und sogar bis heute, traut sich kaum einer die AfD als "rechtsextrem" zu bezeichnen. Dabei ist es Aufgabe des Journalismus, die Dinge beim Namen zu nennen. 

Wenn wir die Neonazis länger mit Samthandschuhen anfassen, werden sie bald mit Baseballschlägern kontern. Und wenn sie erst mal an der Macht sind, werden sie die Baseballschläger gar nicht mehr benötigen, um Andersdenkende zu eliminieren, oder um es mit AfD-Chef Alexander Gauland zu sagen, zu „entsorgen“. Mit Relativierungen, Verständnis und Rechtfertigungen tun wir der Demokratie und der Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen keinen Gefallen. 

Meuthen und Göring-Eckardt über Chemnitz - Streitgespräch bei Dunja Hayali vom 05.09.2018 | ZDF