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19. August 2015 | Autor: JG

Haarige Brötchen

Menschenhaar und Schweineborsten im Brot.

Menschliche Haare oder Schweinborsten in Brötchen? Eine Verschwörungstheorie oder ein weiterer inszenierter Lebensmittelskandal? Leider nein! Aber wie kommen Haare und Schweineborsten ins Brot und was haben sie dort zu suchen?

Menschliches Haar und Schweineborsten im Brötchen // Urheber: Kobako / CC BY-SA 2.5
Menschliches Haar und Schweineborsten im Brötchen // Urheber: Kobako / CC BY-SA 2.5

Fangen wir mal am Anfang an. Shanghai (China): Ein Mann fährt mit dem Moped von Friseurladen zu Friseurladen und kauft Haare, die nach Feierabend zusammengefegt wurden. Ein Eimer Menschenhaar kostet etwa 1,20 Euro. Aber der Preis schwankt, da es viel Konkurrenz gibt. Kostenfrei inklusive sind Zigarettenstummel, benutzte Wattestäbchen, Taschentücher und andere Abfälle. Nach dem Großeinkauf sortiert der Haarsammler Berge von Haaren zu Hause in seinem haarigen Lager. Aus den Langen werden Perücken gemacht, aus den Kurzen Brötchen. Nein, keine ganzen Brötchen, vielmehr handelt es sich um einen Bestandteil für die Brotherstellung – aber dazu gleich.
Der Haarsammler verkauft die kurzen Haare für 1 Euro pro Kilo an eine Haarsortierfabrik. Die Arbeiter vor Ort befreien sie von Abfällen. Mit der Hand pieken sie Zigarettenstummeln, Ohrstäbchen und sonstigen Müll heraus. Gegen den Haarstaub und Schmutz müssen sie Masken tragen. Dennoch ist der Job heiß begehrt. Schließlich ist er besser bezahlt als Feldarbeit. Anschließend kommen die Haare in eine Verpackungsanlage und dann in Chemiefabriken, wo die Arbeiter Gasmasken tragen müssen. Dort wird das Menschenhaar im ersten Schritt mit Säure verflüssigt. Die Arbeiter tragen keine Schutzkleidung. Für deutsche Verhältnisse unvorstellbare Arbeitsbedingungen. Es bedarf noch einiger Arbeitschritte bis das einstige Haar zu weißem Pulver transformiert, gewogen, verpackt und versandt wird. Bei dem Pulver handelt es sich um L-Cystin, eine Aminosäure, die in Creatin steckt. Und dieses ist wiederum in Haaren sowie in Finger- und Zehennägeln vorzufinden – bei Tieren u. a. in Federn und Borsten.

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L-Cystin erleichtert Bäckern die Arbeit und macht Brot fluffig

Das Pulver aus Menschenhaar landet schließlich in diversen Lebensmitteln. Überwiegend nutzen es jedoch Großbäckereien. Chinesische Bäcker können sich das pulversierte Haar gar nicht mehr wegdenken: Es macht den Teig weich, geschmeidig, weniger klebrig und verhindert, dass er an den Maschinen haftet. So können sie schneller und effizienter arbeiten. Auch in Europa kommt die Chemikalie weiträumig zum Einsatz.

Schweineborsten anstatt Menschenhaar

Seit 2013 ist die Verwendung von L-Cystin aus Menschenhaar in Europa allerdings verboten. Ob Schweineborsten da besser sind? Die meisten Firmen greifen jedenfalls auf sie zurück, wenn es darum geht, das weiße Zauberpulver zu erzeugen. Moralisch ist es keinesfalls besser: Im Gegensatz zu den Menschen, die einen neuen Haarschnitt wünschen, geben die Schweine ihre Borten nicht mit Vergnügen her. Für die Ekeltoleranz mancher Menschen dürfte die schweinische Variante jedoch bekömmlicher sein. Schließlich konsumieren sie auch andere Teile vom Schwein, da machen so ein paar chemisch veränderte Borsten nichts mehr aus.

Wie erkennt man Haare oder Schweineborsten im Brot?

Gar nicht. Nicht jedes Brot, das nicht überteuert und schrumpelig ist, wie etwa Bio-Brot, ist damit belastet. Und nicht jede klebrige Masse ist davon befreit. Auf der Verpackung muss der haarige Backhilfsstoff nicht angegeben werden. Wenn man Glück hat findet man ihn als E921.