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29. September 2015 | Autor: Jennifer Gregorian

Müll in den sozialen Netzen: „Flüchtlinge hinterlassen Müllberge“

Mal sollen Flüchtlinge verdeckt Smartphones geschenkt bekommen, mal sollen sie Obdachlose von ihrem wertvollen Hab und Gut befreien oder sie kommen als Invasion, um Europa zu destabilisieren und sind ein Teil eines geheimen Plans der jüdischen Strippenzieher. Die rechtsextreme Propagandamaschinerie lässt sich immer wieder neue Skurrilitäten einfallen. So kursieren in den sozialen Netzen seit geraumer Zeit Bilder von Müllbergen, die Flüchtlinge hinterlassen sollen. Was hat es damit auf sich? 

Flüchtlingskrise in Europa September 2015: Schlafstellen im Freien unmittelbar vor der Grenzbrücke zwischen Salzburg und Freilassing, 23. September 2015 // Urheber: Eweht / CC BY-SA 4.0
Flüchtlingskrise in Europa September 2015: Schlafstellen im Freien unmittelbar vor der Grenzbrücke zwischen Salzburg und Freilassing, 23. September 2015 // Urheber: Eweht / CC BY-SA 4.0

Diesmal handelt es sich weder um ein Fake noch um ein Hirngespinst: Die Müllphotos bei Facebook, Google+, Twitter usw. sind echt. Aber wie kommt es dazu? Sind Flüchtlinge besoffen am feiern bis ihnen alles egal ist, so ähnlich wie beim Oktoberfest, bei Karneval oder bei diversen Musikfestivals?

Erstaufnahmelager versinken im Müll

Wir wollen Sie nicht länger auf die Folter spannen. Hier die Erklärung anhand der Schilderung einer Helferin: „Die Grenze in Nickelsdorf [Österreich] sah aus, als hätte dort ein Tornado gewütet. … Die Flüchtlinge kamen nachts oder im Morgengrauen an. Es war dunkel und hat geregnet. Alle waren erschöpft und durchnässt. Man hat sie mit trockener Kleidung, Decken und Lebensmitteln versorgt. Alles musste schnell gehen. Tausende Menschen wurden chaotisch von Bussen in andere Busse umgesiedelt. Viele passten nicht mehr in die Busse und überquerten die Grenze zu Fuß. An der Grenze sowie auf dem Weg zum Lager waren nicht genügend Müllbehälter vorhanden. Stellenweise gab es gar keine. Die durchnässte Kleidung blieb also liegen, ebenso leere Wasserflaschen und Verpackungen.

Im Lager waren auch keine Mülleimer. Jeder Quadratzentimeter wurde für Klappbetten und Matratzen benötigt. Draußen am Gelände standen überfüllte Container, umringt von knöchelhohem Regenwasser.
Wer nicht zu müde war, bediente sich an den Kleiderspenden, zog sich um und versuchte in der übervollen Halle zwischen dem ganzen Chaos zu schlafen. Manche waren sogar dazu zu erschöpft. Dann kamen die Busse, die sie abtransportierten. Es ging alles so schnell. Vieles blieb liegen: nasse Kleidung, Essensreste, leere Plastikflaschen – Berge von Müll!
Die Helfer vor Ort fragten nicht warum. Sie schnappten einfach die sehr spärlich vorhandenen Besen und Müllsäcke und räumten für die Nächsten den Müll weg. Wir nannten das ‚Wiederaufbau’.“

Empörte Spender: „Flüchtlinge werfen Kleidung und Essen weg.“

In einem TV-Bericht wird ein Ehepaar aus Syrien interviewt, beides Ärzte. Sie hatten ein gutes Leben vor dem Bürgerkrieg. Danach war es der Horror: Familienmitglieder und Freunde starben. Jeden Tag wenn jemand von ihnen das Haus verließ, hieß es Abschied nehmen für immer. Man wusste nicht, ob man sich jemals wieder sieht. Jetzt sind die jungen Syrer dankbar, in Deutschland in Sicherheit zu sein, auch wenn sie nur noch das besitzen, was sie anhaben. Sie benötigen dringend Sachspenden.
Aber viele Spender scheinen ein falsches Bild von den Geflohenen zu haben: Sie denken es seien Wilde, die gerade erst den aufrechten Gang erlernt haben. Somit sind sie der Ansicht, etwas Gutes zu tun, wenn sie ihre abgetragenen und kaputten Kleidungsstücke anstatt in die gelbe Tonne in ein Hilfspaket packen. Dafür sollen die Beschenkten gefälligst dankbar sein. Flüchtlingshelfer ersticken fast schon im gespendeten Müll. Dazu ist es ein Riesenaufwand, die Sachen zu sortieren und die unbrauchbaren zu entsorgen. In manchen Fällen landen die Abfallspenden direkt bei den Flüchtlingen, die ebenfalls nichts mehr damit anfangen können, so dass sie liegen bleiben.  

Ähnlich verhält es sich mit dem Essen: Dass vom Westen und Russland hochgerüstete Extremisten verschiedener Lager die Heimat verwüsten, ist kein Grund alles in sich reinzustopfen, was man vorgesetzt bekommt. Viele der Geflohenen sind Moslems und ernähren sich halal. Daher bleiben Gummibärchen und ähnliche Produkte liegen.

Fazit: Nicht vorschnell urteilen!