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03. Juli 2016 | Autor: SpIn

Basische Ernährung - Mythen und Wirklichkeit

Basische Ernährung ist in. Sie wird weiträumig propagiert und man kann damit auch gut Geld verdienen. Aber ist diese Ernährungsform wirklich so toll?

ph-Wert von Lebensmitteln / SpIn
ph-Wert von Lebensmitteln / SpIn

Übersäuerung scheint das Problem der Neuzeit zu sein. Dazu kann sie zu einer Reihe von Folgeerkrankungen führen, von Falten und Cellulite über Arthritis, Arthrose, Gallensteine und Bluthochdruck bis hin zum Herzinfarkt. Pillen und Tinkturen, die Verbesserung versprechen, werden als Multilevelmarketing-Produkte (MLM) gehandelt. Vertriebler aus dem Gesundheitssektor sprechen die Menschen auf ihre Probleme an und diagnostizieren ihnen durch die Bank hinweg Übersäuerung. In den meisten Fällen liegen sie damit richtig. Bei den überteuerten Heilmitteln, die sie an die Frau und den Mann bringen wollen, handelt es sich zumeist um Konzentrate aus Pflanzen, die eine säuresenkende Wirkung haben. Die Menschen müssten aber nichts schlucken, sondern einfach nur die Ernährung umstellen.

In Deutschland geben die Menschen trotz eines verhältnismäßig hohen Lebensstandards sehr wenig Geld für Essen aus. Viele ernähren sich überwiegend von Fastfood. Und Fastfood ist extrem säurehaltig. Ein Großteil der Bevölkerung, etwa 80 Prozent, isst täglich Fleisch. Die meisten drei bis fünf Mal am Tag. Dabei enthalten tierische Produkte besonders viel Säure, auch Milch und Käse. Der verhältnismäßig hohe Konsum, tierischer Lebensmittel, der in den meisten wohlsituierten Ländern zum Status Quo gehört, führt automatisch zur Übersäuerung. Somit verwundert es nicht, dass die kostspieligen Präparate aus dem MLM-Vertrieb oft eine positive Wirkung haben. An der Ursache der Problematik ändern Sie jedoch nichts.

 

Propaganda für basische Ernährung

Immer wieder hört man, wie großartig basische Ernährung sein soll: Ausgesprochen gesund soll sie sein und sogar Krebs verhindern. In Anbetracht der allgemeinen ungesunden und sehr säurehaltigen Ernährung, hat sie tatsächlich ihre Vorteile, zumindest für diejenigen, die ungesund leben. Aber im Grunde handelt es sich um eine einseitige Ernährung, die nur bei einem zu hohen pH-Wert im Blut ihre Berechtigung hat.

Ausgewogene Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung besteht zugleich aus basischen und säurehaltigen Lebensmitteln. Die einseitig basische Ernährung empfiehlt sich also ausschließlich, wenn der Säuregehalt im Blut zu hoch ist. Säure ist nicht per se schlecht. Es gibt viele hochwertige Lebensmittel, die sehr säurehaltig sind, wie zum Beispiel, Dinkel, Amaranth, Quinoa, Soja, Buchweizen uvm. Zudem sind die meisten eiweißhaltigen Produkte sehr sauer. Folglich ist nicht die Säure an sich das Problem. Stattdessen gilt es auf eine ausgewogene Zusammensetzung aus Säuren und Basen zu achten und vor allem darauf, was man isst. Es gibt "gute" und "schlechte" Säuren. "Gute" wären beispielsweise die oben genanten Produkte und "Schlechte" u.a. fettiges Fleisch sowie die meisten Fertigprodukte. (Im Anschluss an den Text finden Sie eine Auflistung von basischen und säurehaltigen Lebensmitteln.)

Sauer ist nicht, was sauer schmeckt

Viele Menschen, sogar viele Ärzte, unterliegen bei der Sache einem großen Irrtum. Sie gehen davon aus, dass säurehaltige Lebensmittel auch sauer schmecken müssen. Dem ist aber nicht so. Oft ist sogar das Gegenteil ist der Fall: Zitronen und Grapefruits, zum Beispiel, enthalten wenig Säure und wirken dazu säuresenkend. Eier, Butter und Getreide hingegen sind sehr sauer, ohne sauer zu schmecken.

Auch Zwiebel und Knoblauch, bei welchen häufig ein hoher Säuregehalt vermutet wird, sind basische Lebensmittel.

 

Grün ist basisch

Falls Sie an einer Übersäuerung leiden, empfiehlt sich alles zu essen was grün ist (na ja, fast alles!). Sehr gut in dem Kontext sind u.a. Grünkohl, Wirsing, Mangold, Spinat und Salat.

Basische Ernährung bei Übersäuerung

Bei Übersäuerung ist eine basische Ernährungsweise für einen begrenzten Zeitraum (bis die Beschwerden abgeklungen sind) sinnvoll. Danach können sie zu einer ausgewogenen Ernährung übergehen. Am besten sprechen Sie die Dauer und weitere Details mit einem Arzt ab - aber mit einem, der etwas von der Sache versteht und nicht etwa Zitrusfrüchte für säurehaltig erklärt.

Lebensmittelliste nach ph-Wert 

Das Minuszeichen steht für basisch, das + für sauer. Je höher der Wert des Lebensmittels im positiven Bereich ist, desto säurehaltiger ist es. Der jeweilige ph-Wert bezieht sich auf 100 Gramm. (Die hier aufgeführten Werte sind Durchschnittswerte, von welchen es Abweichungen geben kann. Sie dienen lediglich der Orientierung)


SAURE LEBENSMITTEL

Weizenmehl 

+6,9

Weizenvollkornmehl+8,2
Roggenmehl+4,4
Roggenvollkornmehl+5,9
Reis ungeschält+12,5
Reis geschält+4,6, gekocht +1,7
Buchweizen+3,7
Dinkel+8,8
Grünkern+8,8
Amaranth+7,5
Gerste+5,0
Hirse+8,6
Haferflocken+10,7
Cornflakes+6,0
Mais+3,8
Getreide und Mehl

Weißbrot+3,7
Weizenbrot+1,8
Weizenmischbrot+3,8
Vollkornbrot+5,3
Roggenbrot+4,1
Roggenmischbrot+4,0
Roggenknäckebrot+3,3
Pumpernickel+4,2
Brot


Eiernudeln+6,4
Makkaroni+6,1
Spätzle+9,4
Spaghetti+6,5
Vollkornspaghetti+7,3
Teigwaren

Erbsen+1,2 
Linsen+3,5
Hülsenfrüchte

Schwein+7,9
Huhn+8,7
Ente (mit Fett und Haut)+4,1
Ente (reines Muskelfleisch)+8,4
Gans+13,0
Rind+7,8
Lammfleisch+7,6
Truthahn+9,9
Kaninchen+19,0
Rumpsteak+8,8
Leber+14,5
Fleisch


Fleischwurst+7,0
Wienerwürstchen+7,7
Frankfurter+6,7
Jagdwurst+7,2
Leberwurst+10,6
Salami+11,6
Bierschinken+8,3
Wurst

Fisch+7 bis +18
Eier+24,5

Vollmilch+0,7
Kuhmilch 1,5% Fett+0,7
Sahne+1,2
Naturjoghurt+1,5
Buttermilch+0,5
Butterkäse+13,2
Quark+11,1
Frischkäse+0,9
Gouda+18,6
Emmentaler+21,1
Cheddar+26,4
Camembert+14,6
Hüttenkäse+8,7
Parmesan+34,2
Schmelzkäse+28,7
Milch und Milchprodukte



BASISCHE LEBENSMITTEL

Spinat-14,0
Grünkohl-7,8
Blumenkohl-4,0
Kartoffeln-4,0
Kohlrabi-5,5
Rosenkohl-4,5
Pilze-1,4
Broccoli-1,2
Chicorée-2,0
Eisbergsalat-1,6
Kopfsalat-2,5
Feldsalat-5,0
Gurken-0,8
Karotten-4,9
Ruccola-7,5
Auberginen-3,4
Fenchel-7,9
Spargel-0,4
Tomaten-3,1
Radieschen-3,7
Zucchini-4,6
Sellerie-5,2
Sojabohnen (Samen)-3,4
Sojamilch-0,8
Tofu-0,8
Zwiebeln-1,5
Knoblauch-1,7
Sauerkraut-3,0
Gemüse

Basilikum-7,3
Petersilie-12,0
Schnittlauch-5,3
Kräuter



Obst
Bananen-5,5
Äpfel-2,2
Birnen-2,9
Kirschen-3,6
Weintrauben-3,9
Schwarze Johannisbeeren-6,5
Erdbeeren-2,2
Kiwi-4,1
Pfirsiche-2,4
Aprikosen-4,8
Ananas-2,7
Orangen-2,7
Grapefruit-3,5
Zitronen-2,6
Mango-3,3
Wassermelone-1,9
Feigen getrocknet-18,1
Rosinen-21,0

Quelle, ph-Wert von Lebensmitteln: IPEV Institut für Prävention und Ernährung, Stand 2004