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30. September 2018 | Autor: Jennifer Gregorian

Abgrenzung als feministische Perspektive?

Kann Abgrenzung gegen Flüchtlinge eine feministische Perspektive sein? Kann Feminismus national sein? Wieso sind hauptsächlich Männer unter den Geflohenen? Wo liegen die Gefahren für die feministischen Errungenschaften? Diese Fragen werden im Folgenden erörtert. 

Militärkräfte im Baueinsatz, Juli 2015 / Photo: Gémes Sándor/SzomSzed - http://szegedma.hu/hir/szeged/2015/07/hatarzar-allnak-az-elso-oszlopok.html?nggpage=2 / CC BY-SA 3.0
Militärkräfte im Baueinsatz, Juli 2015 / Photo: Gémes Sándor/SzomSzed - szegedma.hu/hir/szeged/2015/07/hatarzar-allnak-az-elso-oszlopok.html / CC BY-SA 3.0

Es gibt Orte auf der Welt, wo Frauen nicht unverhüllt und ohne Begleitung das Haus verlassen dürfen und auch nicht können. Denn wird eine Frau alleine auf der Straße gesichtet, wird sie von einer Horde Männer gejagt, vergewaltigt und zusammengeschlagen. Dabei wird ihr die Schuld gegeben.*1 Es gibt Orte, wo der Verdacht des Fremdgehens reicht, damit eine Frau gesteinigt wird.*2 Und Orte, wo Vergewaltigungen an der Tagesordnung sind und Frauen ihre Peiniger heiraten müssen.*3 Vielmals werden Mädchen im Kindesalter zwangsverheiratet.*4 Vielerorts gelten Frauen ohne Genitalverstümmelung als schmutzig und sündhaft.*5 

Es kommen Flüchtlinge nach Europa, die aus patriarchalen Zusammenhängen, ähnlich oben beschrieben, stammen. Manche haben einen weniger krassen Hintergrund, jedoch einen der sich von unserem unterscheidet, wo die Frauenunterdrückung viel stärker ausgeprägt ist, als in den westlichen Staaten. 

Warum diese Flüchtlinge?

Warum kommen ausgerechnet diese Menschen zu uns nach Europa? Und warum nehmen wir sie auf, zumindest zum Teil? Die Antwort liegt auf der Hand: Wir führen nun mal in ihren Ländern Stellvertreterkriege oder denken uns einen Vorwand aus, um an ihre Rohstoffe zu kommen. Das hat eben zur Folge, dass in den Regionen Krieg, Terror und Hungersnot herrschen. Die genauen Zusammenhänge im Einzelnen aufzudecken, würde zu lange dauern. Jedenfalls basiert unser Wohlstand auf der Ausbeutung anderer Länder. Somit sind wir an den dortigen Problemen mit beteiligt. Der Kontext wird selten hergestellt und die Regierenden sehen sich überwiegend nicht in der Verantwortung. Nun schickt es sich aber nicht, Notleidende an der Tür abzuweisen. Zumindest nicht so direkt. Trotz Abgrenzungsmechanismen, die seinesgleichen suchen, schaffen es einige Flüchtende nach Europa und somit auch nach Deutschland. 

Wieso sind überwiegend Männer unter den Geflohenen?

Rund 70 Prozent der Flüchtlinge, die nach Europa kommen, sind Männer. Bei dem patriarchalen Hintergrund, aus dem die Mehrheit stammt, ist es erstaunlich, dass überhaupt Frauen alleine aufbrechen. Ihre Not muss wirklich groß sein. Meist handelt es sich um Frauen, die ihre Männer, Brüder und Väter verloren haben. 

Davor haben diese jedoch ein Leben in Gefangenschaft verbracht. Das heißt, sie konnten sich in der Öffentlichkeit kaum bis gar nicht frei bewegen, waren an Heim und Herd gefesselt und Informationen wurden von ihnen fern gehalten. In der Regel sind sie infolge der Gefangenschaft körperlich geschwächt, nicht wehrhaft und in organisatorischen Dingen unsicher und unerfahren. Selbst wenn sie in der Lage wären, sich und ihre Kinder zu verteidigen, sind die Männer in der Überzahl. Und für die Männer ist eine allein reisende Frau Freiwild. Zumindest für einige. Es reicht, wenn pro Flüchtlingscamp mit rund 200 Menschen, 5 Männer dabei sind, die keine Moral und keine Grenzen kennen. 

Das wäre nicht sonderlich anders, wenn Deutsche auf der Flucht wären. Die patriarchalen Zustände unterscheiden sich nur in ihrer Intensität. Und auch hierzulande gibt es rückständige Gemeinden oder eben Menschen im allgemeinen, die Frauen wieder an den Herd zurück drängen wollen. Männer aus diesen Strukturen wären in einem rechtsfreien Raum auch äußerst gefährlich für Frauen. 

Unabhängig von den aktuellen Fluchtländern, die wären u. a. Syrien, Jemen, Eritrea, Südsudan, und unabhängig von Deutschland, können wir derartige Phänomene in jedem Krieg, bei allen Unruhen, Revolten, Besatzungen etc. beobachten. Sobald Männer sich nicht mehr vom Gesetz beobachtet fühlen, beginnen sie zu vergewaltigen und zu morden. Das liegt an der weltweiten Unterdrückung der Frau und daran, dass sie noch nirgendwo den Status Mensch erreicht hat. Jemanden, der nicht die gleiche Wertigkeit besitzt, als man selbst, lässt sich einfacher misshandeln. 

Bei den aktuellen Flüchtenden liegt das Problem noch etwas tiefer: Es ist nicht allein die Kombination aus Frauenverachtung und der rechtsfreiem Raum (erstere ist ohnehin weltweit vorhanden), sondern es gilt vielerorts sogar als legitim, Frauen die eigenständig sind, zu malträtieren. Damit will man die Unterdrückung der Frau gewährleisten. Ist hierzulande sowie in Europa generell und in den USA nicht anders, wird aber nicht in der Intensität praktiziert, wie in den islamistischen Staaten. 

Abgrenzung als Lösung?

Nun wird von einigen Feministinnen gefordert, sich gegen die Männerhorden aus solch rückständigen Lebensräumen abzugrenzen. Denn sie würden unsere schwer erkämpften Freiheiten zunichte machen. Ein Gedanke, der durchaus verständlich ist. Aber wir leben in einer Welt. Probleme aussperren, ist keine Lösung. Zumal sich auf diese Weise nichts für die betroffenen Frauen in diesen Ländern ändern würde. Die flüchtigen Männer bringen schließlich auch Frauen mit oder holen sie nach. Sind diese Frauen erst mal ihrer restriktiven äußeren Umgebung entkommen, haben sie eine minimale Chance auf ein halbwegs selbstbestimmtes Leben. Diese gäbe es in der Heimat nicht. Außerdem verändern sich auch die Männer hierzulande. Irgendwann ist es für sie selbstverständlich, eine Frau als Dozentin oder als Chefin zu haben. Sie sehen auch, wie Frauen am gesellschaftlichen Leben teilhaben und merken, dass Frauen und Männer gar nicht so unterschiedlich sind, wie sie einst angenommen hatten. Durch die Migration in den letzten 60 bis 70 Jahren hat sich bereits vieles geändert. 

Kulturrelativistische Urteile  

Leider gibt es immer noch türkische, jesidische, indische und arabische Familien und auch Familienclans, bei welchen Zwangsheirat und Ehrenmord praktiziert werden. Ebenso wie afrikanische Familien, in welchen die Genitalverstümmelung vorgenommen wird. An dieser Stelle sind Judikative und Exekutive hierzulande, sowie in Europa generell, stärker gefordert. Bislang hat man diese Verbrechen ignoriert, geduldet und schlampig recherchiert (Ehrenmorde wurde oft als Selbstmorde oder Unfälle inszeniert). Dazu wurden bis dato kulturrelativistische Urteile gesprochen: Dass heißt, die Täter wurden nicht entsprechend des Strafmaßes ihres Verbrechens sanktioniert, da sie aus kulturellen Kreisen stammten, in welchen derartige Straftaten legitim sind. Da es „nur“ um Frauen ging, gab es da einen Schulterschluss zwischen dem hiesigen Patriarchat und den Verbrechern. Zudem haben sich in Deutschland Grüne, SPD und Linke oft auf die Seite der Täter gestellt, um sie in ihrem kulturellen Empfinden nicht zu verprellen. Unabhängig von der immensen Ungerechtigkeit und der unterlassenen Hilfeleistung die Opfer erfahren, sind diese Urteile sowie die gesamte Vorgehensweise, die Tätern hofiert, Gift für das Zusammenleben in Deutschland. Sie schaffen Ressentiments und stärken den Rassismus. 

Multi-Kulti ist schön und gut. Er hat uns kulturell und wirtschaftlich weiter gebracht und unseren Horizont erweitert. Allerdings sollte bei Verbrechen, auch wenn sie „nur“ Frauen betreffen, die auch hierzulande noch nicht zur Menschheit gehören, eine Grenze gezogen werden. 

Zugeständnisse

Ein weiteres Problem sind Zugeständnisse, wie halal schlachten; radikalen Gruppierungen, wie etwa den Muslimbrüdern, Räume für Veranstaltungen geben; Hamas-Anhängern Demos organisieren lassen etc. Radikale Gruppierungen gehören auf den Index. Liberale Muslime fühlen sich hintergangen, wenn sie merken, wie man sich hier Organisationen anbiedert, vor welchen sie geflohen sind. 

Die meisten Zugeständnisse betreffen allerdings wieder einmal Frauen: Kopftuch, Burka, „Befreiung" vom Sport- und vom Schwimmunterricht (Verbot wäre in dem Kontext treffender), kein Landschulheim, ... Sämtliche Unterdrückungsmaßnahmen für Mädchen und Frauen werden unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit und der Kultur durchgesetzt. Auch das verschlimmert die Situation der Frauen und gießt Öl in das Feuer des Rechtsextremismus. Dabei sind sich Rechtsextreme und radikale Islamisten sehr ähnlich, auch was die Rolle der Frau anbelangt. 

Gefahren für feministische Errungenschaften

Frauen wurde nichts geschenkt, sie mussten sich jede Freiheit schwer erkämpfen. Nun fürchte Feministinnen um diese Freiheiten. Die Freiheiten sind allerdings nicht durch rückständige Zuwanderer in Gefahr, dafür sind diese zu wenige, sondern durch die Zugeständnisse an sie, durch die deutsche Gesellschaft. Aber auch diese Gefahr ist eine im Allgemeinen geringe (für die einzelne Frau, die etwa in die Burka gezwungen wird und von Ehrenmord bedroht ist, sieht das natürlich anders aus). Eine allgemein größere Gefahr für die feministischen Errungenschaften, um nicht zu sagen die größte, ist der Rechtsextremismus und Faschismus im eigenen Land. Dieser ist nicht „importiert" und gerade sehr auf dem Vormarsch. Faschisten, die Frauen aus allen öffentlichen Belangen ausschließen und entrechten wollen, sitzen in Deutschland bereits im Bundestag. Islamisten nicht, zum Glück! In anderen europäischen Staaten sind Frauenverachter bereits an der Regierung. Und in den USA regiert ein ausgesprochener Sexist. 

Feminismus kann nur international sein

Leider solidarisieren sich Frauen häufig mit diesen reaktionären Elementen, aus Angst vor den zugewanderten Reaktionären. AfD, Pegida und co spielen sich auch geschickt als Frauenretter auf, indem sie Femizide aus arabischen und vor allem muslimischen Kreisen hochstilisieren und deutsche Femizide verschweigen. Statt Einsatz für die misshandelten Schwestern entsteht da der Wunsch nach Abgrenzung. Als sei es egal, wenn Frauen im Iran gesteinigt, in Afrika verstümmelt und in Jemen als Kinderbräute verkauft werden. Hauptsache es passiert nicht hierzulande. Aber hierzulande gäbe es eine Chance, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden und die Frauen Hilfe bekommen – es sei denn, die Justiz stellt sich nicht wieder auf die Täterseite. Aber die Chance ist gegeben und in der Heimat ist sie das nicht. Allein aus diesem Grund kann die feministische Perspektive nur international sein. 


*1 Das ist u. a. in den ländlichen Gebieten Pakistans und in Jemen der Fall
*2 u. a. im Iran
*3 u. a. Inden
*4 Teile der Türkei, Inden, Tibet, Pakisatn, ...
*5 Ägypten und viele weitere afrikanische Staaten